Von Konrad Lischka
Hamburg - Wie will Microsoft nur die 8,5 Milliarden Dollar wieder reinholen? Seit die bisher größte Übernahme in Microsofts Firmengeschichte bekannt geworden ist, steht diese Frage im Raum. Nun antworten Microsoft und Skype. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz zur Übernahme sagte Skype-Geschäftsführer Tony Bates am Dienstag: " Video-Werbung ist eine große Chance." Skype hatte erst im März Werbung eingeführt. Bisher vermarktete das Unternehmen nur Banner-Werbeplätze in der Windows-Version der Skype-Software.
Diese Erlöse will Skype nun ausbauen. "Wir haben gerade erst mit Anzeigen angefangen", sagte Bates. "Werbung ist eine sehr kräftige Umsatzquelle, eine natürliche Erweiterung unserer kostenlosen Angebote." Microsoft-Chef Steve Ballmer sagte, dass sein Unternehmen mit Skype zunächst über eine Werbepartnerschaft verhandelt habe.
Videowerbung in Skype-Diensten
Kostenlose Skype-Dienste als Werbeumfeld zu nutzen, erscheint sinnvoll. Denn vielen Nutzern genügen die Gratis-Angebote von Skype. Videotelefonie zwischen zwei Skype-Nutzern ist kostenlos, Chats und Sprachverbindungen auch - im Gruppenchat kann man mit bis zu 100 Mitgliedern per Text kommunizieren. Für die kostenpflichtigen Dienste (Anrufe ins Festnetz, eigene Skype-Telefonnummer, Gruppen-Videotelefonate) bezahlen derzeit nur sechs Prozent der Skype-Nutzer. Diese Kunden sind sehr treu - die Durchschnittsumsätze je Nutzer sind über Jahre hinweg konstant, liegen derzeit bei 97 Dollar im Jahr.
Allerdings könnte Skype selbst mit behutsamen Werbeinblendung eine Menge Geld mit den anderen 94 Prozent der Nutzer verdienen - 145 Millionen Nutzer verwendeten Ende 2010 mindestens einmal im Monat den Dienst.
Microsoft und Skype wollen aber auch den Anteil zahlender Kunden erhöhen, hier haben die Unternehmen vor allem Geschäftskunden im Blick. Microsoft-Chef Steve Ballmer sagte, man wolle den Kundenkreis von Skype erweitern. Chatdienste seien für Unternehmen wichtig, das zeige der Erfolg von Lync, des Microsoft-Chatprogramms für Unternehmen. Man werde Lync mit Skype verknüpfen. Skype bietet schon seit 2010 eine Unternehmensversion seiner Software an, kooperiert mit IT-Dienstleistern wie Avaya bei der Integration der Software in Firmennetzwerke. Mit der Software Skype Connect lässt sich das Angebot in bestehende Telefonanlagen integrieren.
Auch bei Privatkunden will Microsoft die Skype-Nutzung über die Verknüpfung mit eigenen Angeboten steigern. Ballmer nannte als Ziele die Integration von Skype in die Xbox-Plattform, in den Microsoft-Chatdienst Live Messenger und auch in das Handybetriebssystem Windows Mobile.
Steve Ballmer: "Skype funktioniert in der Firma und zuhause"
Beide Unternehmen hoffen, dass die Nutzung von Skype in Firmen und im privaten Umfeld sich gegenseitig befeuert. "Skype funktioniert in der Firma und zuhause", hob Steve Ballmer als Vorzug des Dienstes hervor. Vielleicht hoffen die Firmen hier auf den iPhone-Effekt: Wenn Menschen im privaten Umfeld eine Technik gerne einsetzen, hilft das oft bei der Durchsetzung des Angebots in Unternehmen. Das iPhone galt zunächst als reines Consumer-Produkt, hat sich seither aber mehr und mehr auch in Unternehmen durchgesetzt.
Wenn Microsoft es schafft, Skype zu einem solchen Universaldienst auszubauen, könnte das auf mittlere Sicht vielleicht den Aktivitäten der Firma beim Knüpfen sozialer Netzwerke zugute kommen. Eine Äußerung von Skype-Geschäftsführer Bates lässt sich so interpretieren. Er nannte die Skype-Kontaktliste den "inner circle" der Nutzer, also so etwas wie das engere soziale Umfeld. Bates begründete das mit dieser Statistik: Der durchschnittliche Skype-Nutzer habe acht bis zehn Skype-Kontakte, mit denen er jeden Tag über Skype kommuniziere.
Dieser sogenannte Social Graph (wer steht online in welcher Verbindung mit wem?) wird für Online-Konzerne immer wichtiger. Google mischt unter die Suchergebnisse angemeldeter Nutzer testweise Treffer, die aus sozialen Freundeskreisen gewonnen werden. Microsofts Suchmaschine Bing nutzt Daten von Facebook, um Nutzern auf Basis ihres online abgebildeten sozialen Umfelds zugeschnittene Ergebnisse zu zeigen. Die Informationen aus den Skype-Verknüpfungen wäre da eine interessante Erweiterung.
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