Netzwelt-Ticker: Gesperrte Blogs, Österreich verurteilt, Kickstarter-Rekord

Von Markus Böhm

Im Netzwelt-Ticker am Dienstag: Wegen einer Copyright-Beschwerde nimmt ein Provider sämtliche Blogs vom Netz; der Europäische Gerichtshof verurteilt Österreich wegen seiner Datenschutzaufsicht; das neue Rollenspiel der "Baldur's Gate"-Macher sammelt bei Kickstarter 3,4 Millionen Dollar ein.

Ein US-Provider hat nach der Copyright-Beschwerde eines Verlags wegen eines Blog-Beitrags fast 1,5 Millionen Blogs offline genommen. Zeitweise waren 1,5 Millionen Blogs offline, die beim Anbieter Edublogs.org gespeichert waren. Die Edublogs-Betreiber schreiben, ihr Hosting-Anbieter habe alle Blogs in zwölf Stunden nach Eingang der Beschwerde vom Netz genommen.

Auslöser war eine Beschwerde des Buchverlags Pearson, der vom Hosting-Anbieter die Löschung eines Blog-Beitrags verlangte. Ein Lehrer hatte 2007 einen Fragebogen ins Netz gestellt, den Pearson für 120 US-Dollar verkauft. Edublogs hat das Posting mittlerweile entfernt, am Dienstagmittag war es jedoch noch über Googles Cache zu finden. ServerBeach, der Hosting-Anbieter, sagte gegenüber "ArsTechnica", dem von den Betreibern zitierten Hinweis seien bereits zwei andere vorausgegangen, auf die Edublogs nicht reagiert habe. Zwölf Stunden nach der dritten Beschwerde nahm der Hoster das gesamte Edublogs-Angebot vom Netz.

Europäischer Gerichtshof verurteilt Österreich

Die Regelungen der Republik Österreich zum Datenschutz verstoßen teilweise gegen EU-Richtlinien. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden, geklagt hatte die EU-Kommission. Die Richter sind der Ansicht, dass die Datenschutzkommission in Österreich nicht unabhängig handeln kann. Sie bemängeln, dass die Geschäftsstelle der Datenschutzkommission in das Bundeskanzleramt eingegliedert ist, dass die Mitarbeit der Dienstaufsicht unterliegen und der Bundeskanzler über ein "unbedingtes Recht verfügt, sich über alle Gegenstände der Geschäftsführung der Datenschutzkommission zu unterrichten". C614/10 (lis)

Google plant angeblich Versicherungsportal

Google führt laut einem Zeitungsbericht Gespräche mit deutschen Versicherern über den Aufbau eines spezialisierten Online-Vergleichsportals. Der Internetkonzern lote aus, ob die Unternehmen ihre Tarife dort listen lassen würden, berichtet die "Financial Times Deutschland". Die heutigen Vergleichsseiten zahlen Google viel Geld für Anzeigen zu Suchbegriffen wie Autoversicherung. Google bindet mehr und mehr eigene Inhalte direkt in den Suchergebnissen an, zum Beispiel Fluginformationen.

In Großbritannien ist ein Google-Preisvergleich für Kfz-Versicherungen bereits online. (lis/dpa)

US-Abgeordneter droht FTC wegen Google-Ermittlungen

Soll die US-Kartellaufsicht FTC Google verklagen, weil das Unternehmen möglicherweise seine Marktmacht missbraucht? Dieses Vorgehen legt angeblich der Abschlussbericht der Federal Trade Commission (FTC) nahe, wie am Freitag via "New York Times" durchsickerte. Doch schon jetzt bildet sich Widerstand gegen eine mögliche Kartellklage. Jared Polis, ein Kongressabgeordneter der Demokraten, hat einen Brief an den FTC-Vorsitzenden Jon Leibowitz geschrieben, in dem er Googles Leistungen für die US-amerikanische Wirtschaft und die Nutzer würdigt.

"In einer Zeit, in der unsere Wirtschaft noch immer stagniert, ist mir unklar, warum sich die FTC mit einem Produkt beschäftigt, mit dem die Konsumenten sehr zufrieden zu sein scheinen", schreibt Polis, dessen Brief man auf der Plattform Scribd lesen kann. Seiner Meinung nach ist der Wettbewerb im Internet "nur einen Klick entfernt", die Nutzer hätten gar nicht das Gefühl, dass die FTC sie in diesem Bereich schützen müsse. Polis meint, die FTC würde sich selbst schaden, wenn sie eine Kartellklage gegen Google empfiehlt.

Der Abgeordnete hatte sich zuvor bereits gegen den Stop Online Piracy Act (SOPA)engagiert. Eigenen Angaben zufolge er selbst an mehreren Technologie-Start-ups beteiligt.

Millionen Dollar für neues Rollenspiel der "Baldur's Gate"-Macher

Gute Nachrichten gibt es für Rollenspielfans: "Project Eternity", ein vielversprechendes Kickstarter-Projekt von Obsidian Entertainment hat sein Finanzierungsziel nicht nur erreicht - mit 3,4 Millionen Dollar Unterstützung ist es sogar weit darüber hinausgeschossen. Mit dieser Summe hat es "Double Fine Adventure", ein Projekt der "Monkey Island"-Macher, als erfolgreichstes Spieleprojekt der Plattform abgelöst. Angepeilt hatte Obsidian Entertainment ursprünglich 1,1 Millionen Dollar Fanunterstützung, diese waren innerhalb eines Tages beisammen.

An "Project Eternity" arbeiten unter anderem die Spieldesigner Chris Avellone, Tim Cain und Josh Sawyer. Es soll ein klassisches Fantasyrollenspiel im Stil von "Baldur's Gate", "Icewind Dale" und "Planescape: Torment" werden. Seine Kickstarter-Finanzierungsphase endet am Dienstag.

Auch das noch:

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. So viel zur Umsonstkultur...
rvdf11974 17.10.2012
Ja die Raubkopierer und Urheberrechtsverletzer und nicht zu vergessen die Wir-wollen-alles-umsonst-Generation... Das Beispiel: "Project Eternity" zeigt wieder einmal ein ganz klar. Diese sogenannte Generation ist durchaus gewillt für Leistung zu bezahlen... Wir sind nur nicht gewillt für keine Leistung zu zahlen. Und genau dort ist der wunde Punkt wo Gema und wie sie nicht alle heissen bei uns anecken. Ich will mit meiner Abgabe nicht Leute unterstützen die sich seit Jahrzehnten auf ihren Tantiemen ausruhen. Oder noch schlimmer Leute die schon lange tot sind!
2.
vlupme 17.10.2012
Zitat von rvdf11974Ja die Raubkopierer und Urheberrechtsverletzer und nicht zu vergessen die Wir-wollen-alles-umsonst-Generation... Das Beispiel: "Project Eternity" zeigt wieder einmal ein ganz klar. Diese sogenannte Generation ist durchaus gewillt für Leistung zu bezahlen... Wir sind nur nicht gewillt für keine Leistung zu zahlen. Und genau dort ist der wunde Punkt wo Gema und wie sie nicht alle heissen bei uns anecken. Ich will mit meiner Abgabe nicht Leute unterstützen die sich seit Jahrzehnten auf ihren Tantiemen ausruhen. Oder noch schlimmer Leute die schon lange tot sind!
Die Kickstarterunterstützer wollen vor allem ein Produkt das nicht an die Massen angepasst und die Grundidee auch nicht verwässert wurde. Die Großen in der Industrie investieren lächerlich große Summen und können dann nicht wagen etwas neues zu probieren. Nun gibt es aber die Möglichkeit das der Publisher aus der Videospielentwicklung ausgeschlossen wird und es wieder Platz für Ideen und Wagnisse hat. Die Zeit der Industriegiganten in der Unterhaltungsindustrie geht also weiter ihrem Ende entgegen und mich freut das.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Netzticker
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 2 Kommentare
  • Zur Startseite
Zum Autor
  • Natalie Stosiek
    Markus Böhm schreibt von München aus am liebsten über Medien und die Menschen dahinter. Als "Kioskforscher" setzt er sich voller ungesunder Begeisterung bloggend mit Zeitschriften auseinander.

Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.


E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.