Millionenschaden: Phishing-Bande in Berlin festgenommen

Mehr als 1000 Opfer sollen auf sie hereingefallen sein: Die Polizei hat in Berlin eine Phishing-Bande ausgehoben. In fast zwei Jahren sollen die Kriminellen mindestens 1,3 Millionen Euro kassiert haben.

Eigene Dateien: Phishing-Bande soll mindestens 1000 Menschen geschädigt haben Zur Großansicht
DPA

Eigene Dateien: Phishing-Bande soll mindestens 1000 Menschen geschädigt haben

Köln - Eine seit bald zwei Jahren operierende Betrügerbande wurde nun ausgehoben. Der Schaden: mindestens 1,3 Millionen Euro. Mit gefälschten Websites schaffen es Betrüger nach Angaben der Ermittler in großem Umfang, arglose Surfer zu täuschen und ihnen vertrauliche Daten wie Kreditkartennummern oder Passwörter abzuluchsen. Mit dieser Art Tagewerk verschaffte sich seit Ende 2009 auch eine Bande von insgesamt 13 in- und ausländischen Betrügern eine lukrative Einkommensquelle. Doch nun rückten 115 Beamte des LKA Berlin aus und nahmen im Rahmen von elf Hausdurchsuchungen sechs Beschuldigte fest.

Die Aktivitäten der Betrüger sollen sich nicht auf Deutschland beschränkt haben. Ein Hintermann habe vom dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion aus operiert und gemeinsam mit seinen Komplizen den Besuchern der betrügerischen Webseiten einen Trojaner untergeschoben. Damit erlangten sie Zugriff auf eine Vielzahl von Bankdaten. Derzeit geht die Polizei von 1000 Geschädigten und einer Schadenssumme von 1,3 Millionen Euro aus.

Das Geld hätten die Verdächtigen unbefugt von den Konten der Betroffenen abgezogen. Es landete dann auf 40 Konten von speziell für dieses Zweck angeworbenen "Finanzagenten". Diese Helfershelfer wiederum mussten das eingegangene Geld unter Aufsicht von Bandenmitgliedern abheben und dem Hauptbeschuldigten übergeben, so Polizei und die Staatsanwaltschaft Berlin in einer gemeinsamen Meldung. Unter den Festgenommenen waren Beschuldigte russischer, litauischer, israelischer und deutscher Staatsangehörigkeit.

Einen Trost gibt es für Geschädigte von Phishing-Betrügereien: Laut eines Urteil des Landgerichts Landshut vom 15. August haftet in einem Fall von finanziellen Schäden nach einem Phishing-Angriff stets die Bank. Vor allem dann, wenn die Attacke professionell erfolgte und der Geschädigte die Betrugsabsicht nicht erkennen konnte. Auch übertriebene Vertrauensseligkeit des Bankkunden hebt die Haftungspflicht der Bank nicht auf. Ein Opfer war während eines vermeintlichen Buchungsvorgangs aufgefordert worden, 100 Tan-Nummern in ein Formular einzugeben. In der Folge hatten unbekannte Täter an die 6000 Euro vom Konto abgehoben. Auch in diesem Falle gelte die Haftung des Finanzinstituts, so die Richter. (Aktenzeichen: 24 O 1129/11)

meu

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Hier könnte Ihre Werbung stehen
chrome_koran 26.10.2011
Also wer frei- und bereitwillig 100 TANs in ein Formular eintippt, der handelt IMHO wenigstens grob fahrlässig - Vorsatz nicht ausgeschlossen. Dass man Fremden keine persönlichen Daten mitteilt, wusste ich schon als Kind und wissen meine 80jährigen Eltern immer noch. Nett, dass die Banken die Kosten der Dummheit übernehmen - schließlich zahlen wir für deren Dummheit wesentlich mehr - aber irgendwann müsste doch "volenti non fit iniuria" greifen.
2. Danke liebe Richter
B.Lebowski 26.10.2011
Zitat: Ein Opfer war während eines vermeintlichen Buchungsvorgangs aufgefordert worden, 100 Tan-Nummern in ein Formular einzugeben. In der Folge hatten unbekannte Täter an die 6000 Euro vom Konto abgehoben. Auch in diesem Falle gelte die Haftung des Finanzinstituts, so die Richter. (Aktenzeichen: 24 O 1129/11) Das heißt wir haften auch für Hirnis, die so einfältig sind, dass sie die einfachsten Betrügereien nicht durchblicken. Phishing ist durchaus geeignet auch argwöhnische User zu täuschen, aber wer 100 Tans herausgibt, dem ist doch nicht zu helfen.
3. Mag sein, aber...
gnympf 26.10.2011
Zitat von B.LebowskiZitat: Ein Opfer war während eines vermeintlichen Buchungsvorgangs aufgefordert worden, 100 Tan-Nummern in ein Formular einzugeben. In der Folge hatten unbekannte Täter an die 6000 ......
... wo Managerdummheit belohnt wird, darf der gewöhnliche Depp ebenfalls nicht bestraft werden. Im übrigen ist es nur ein geringer Aufwand, Transaktionen auf ungewöhnliche Häufung, Beträge und Ziele zu prüfen. Stichwort CRM. Wo das nicht geschieht, sollte auch der Dienstleister haften.
4. 100 TANs?
Falcon030 26.10.2011
Das sind also die Deppen, die dafür verantwortlich sind, dass ich jetzt bei Online-Überweisungen mit einem TAN-Generator vor einem flackernden Bildschirm sitze und mir für jeden Buchungsvorgang aufwendig eine elektronische TAN generieren lassen muss? Vielleicht sollte man dochmal über eine lebenslange Sperre fürs Onlinebanking in solchen Fällen nachdenken.
5. .
wu299 26.10.2011
Zitat von Falcon030Das sind also die Deppen, die dafür verantwortlich sind, dass ich jetzt bei Online-Überweisungen mit einem TAN-Generator vor einem flackernden Bildschirm sitze und mir für jeden Buchungsvorgang aufwendig eine elektronische TAN generieren lassen muss? Vielleicht sollte man dochmal über eine lebenslange Sperre fürs Onlinebanking in solchen Fällen nachdenken.
versuchen sie es mal mit sm stan,oder per starmoney
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Internetkriminalität
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 13 Kommentare
  • Zur Startseite
Zum Autor
  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.


E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.