Italien: 6,4 Millionen Euro Strafe für Tauschbörsenchef

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Corbis

Filesharing-Seite: Rekordstrafe für den "italienischen Kim Dotcom"

Tex Willer soll zahlen: Ein Neapolitaner, der sich hinter diesem Pseudonym versteckte, ist wegen seiner Tauschbörse zu einer Geldbuße von 6,4 Millionen Euro verurteilt worden. Sogar seine Kunden hatte der Daten-Dealer abgezockt.

Von 2007 bis November 2011 war die Webseite Italianshare eines der größten Tauschbörsenangebote in italienischer Sprache. Dann beschlagnahmte die Guardia di Finanza, die italienische Finanzpolizei, die in Las Vegas gehostete Seite sowie vier mit ihre verbundene Internetangebote. Der Betreiber der Seiten war ein heute 49-jähriger Neapolitaner, der nur unter dem Online-Namen Tex Willer bekannt ist.

Während die gleichnamige in Italien populäre Comicfigur nach einigen Irrungen auf dem Pfad des Gesetzes wandelt, kann dasselbe von ihrem Namensvetter in Fleisch und Blut nicht gesagt werden. Zum Zeitpunkt der Schließung verfügte das Netzwerk über 300.000 aktive Nutzer, die Zugriff auf mehr als 30.000 urheberrechtlich geschützte Werke gehabt haben sollen.

Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass "Tex Willer" keineswegs, so wie es manch andere Urheberrechtspiraten von sich behaupten, aus idealistischen Erwägungen gehandelt hat. Der Italiener sah in seinem Angebot einen Möglichkeit, Geld zu verdienen, viel Geld. Und das schaffte er auch. Der "italienische Kim Dotcom", wie ihn der"Corriere della Sera" nennt, soll mehr als 580.000 Euro eingenommen haben - auch, indem er die Daten seiner Kunden versilberte.

Aus seiner Nutzerdatenbank verkaufte er E-Mail- und IP-Adressen sowie alle sonstigen Informationen über die registrierten Mitglieder von Italianshare an sechs Werbeagenturen. Damit nicht genug: Er soll mit Hilfe der Italianshare-Nutzerdaten gefälschte Ausweisdokumente hergestellt haben, die er verwendete, um sich Kreditkarten zu ergaunern. Damit soll er auf Kosten seiner Kunden auf Shopping-Tour gegangen sein. Schließlich wurde er unter dem Vorwurf der Urheberrechtsverletzung zu gewerblichen Zwecken, des Steuerbetrugs, der Fälschung und weiterer Delikte im Juli 2012 verhaftet.

Die nun verhängte Strafe ist in Italien ohne Beispiel. Auf Anfrage von "TorrentFreak" erklärte Enzo Mazza, Chef des italienischen Musikverbands FIMI, infolge des italienischen Urheberrechts würden Bußgelder auf Grundlage der Zahl der illegal verbreiteten Werke berechnet. Wegen der enormen Menge der betroffenen Produkte sei die Strafe entsprechend hoch ausgefallen.

Auf die Frage, was geschehe, wenn der Mann den Betrag von 6,4 Millionen Euro nicht aufbringen könne, antwortete Mazza: "Er wird von den Steuerbehörden verfolgt werden."

meu

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1. optional
spon-facebook-1753942775 20.02.2013
"Er wird von den Steuerbehörden verfolgt werden." Da wäre er dann wohl der erste Italiener dem das wiederfahren würde.....
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