Von Vera Kämper
Hamburg - Eigentlich wollte er bei diesem zweiten TV-Duell bei den Frauen punkten - doch der Schuss ging nach hinten los. Als Mitt Romney noch Gouverneur von Massachusetts war, erzählt er vor laufenden Kameras, habe er großen Wert auf Bewerbungen von Frauen gelegt. Denn die hätten sich nicht gemeldet, als er sein Kabinett habe bilden wollen. Auf Nachfrage habe ihm sein Team dann einen "Ordner voller Frauen" gebracht.
Eine Formulierung, die Romney sich besser ein zweites Mal hätte überlegen sollen. Umgehend verbreiteten sich im Web Wut und Spott über seine Äußerung: mit dem Hashtag #bindersfullofwomen auf Twitter, auf gleichnamigen Seiten auf Facebook, in Form von gehässigen Fotomontagen auf Tumblr. Herablassend, sexistisch, veraltet und letztlich falsch sei diese Aussage, befinden die Nutzer sozialer Netzwerke.
Prompt wird Mitt Romney auf Twitter zum "Herrn der drei Ringe" eines Aktenordners - denn Aktenordner können in den USA anders als in Deutschland mit drei Heftringen genutzt werden. Ein Twitterer bescheinigt ihm, zu gleichen Gehältern von Männern und Frauen die "schlechteste Antwort aller Zeiten" gegeben zu haben. Auch Bibo, der Big Bird aus der "Sesamstraße", mit dem sich Romney bereits beim vergangenen TV-Duell angelegt hatte, meldet: "Ungerechtigkeit. Ordner voller Frauen für 0,77 Dollar bei Staples zu haben. Ordner voller Männer für 1,00 Dollar." Zumindest twittert das der Spaß-Account @BigBirdRomney.
Spott und Häme füllen auch Montagen auf Facebook-Seiten. "No one puts Baby in a binder", fordert da der verstorbene Schauspieler Patrick Swayze - und man sieht ihn förmlich auf der "Dirty Dancing"-Bühne, wie er trotzig gegen Mitt Romney aufbegehrt. Hillary Clinton amüsiert sich in einer weiteren Montage darüber, dass Romney überhaupt noch Hefter benutzt. Und Hugh Heffner posiert in seiner Bibliothek: "Ordner voll mit Frauen? Na klar, davon haben wir Hunderte." Rasend schnell verbreiten sich die bissigen Fotomontagen im Netz. Direkt nach Romneys Äußerung entstand die Seite "Binders Full Of Women" bei Facebook, drei Stunden später haben knapp 200.000 Fans "Gefällt mir" geklickt.
Doch nicht überall in den sozialen Netzwerken nehmen die Zuhörer der TV-Debatte Romneys Äußerung mit Humor. "Warum ist die Antwort aller männlichen Republikaner auf Fragen zu gleicher Bezahlung immer: 'Schaut Euch all diese Frauen an, die für mich arbeiten?'", fragt etwa Liz Brown auf Twitter. "Ich habe mich noch nie so herablassend behandelt gefühlt, nur weil ich eine Vagina habe", beschwert sich Ilia731 auf dem sozialen News-Aggregator reddit.
Humor und Gehässigkeit sind das eine, die Faktenlage ist das andere. Dass sich Mitt Romney in der Debatte mit dem Aufwand rühmte, den er für die Einstellung von Frauen betrieben habe, kritisiert der "Boston Globe". Im schnellen Fakten-Check weist das Online-Portal darauf hin, dass Obamas Gegenkandidat keine glänzende Geschichte als Frauen-Förderer habe: In Romneys Zeit als Chef von Bain Capital habe es keine weiblichen Führungskräfte in der Firma gegeben. Auch an der Situation von Frauen in der Finanzbranche habe sich nichts geändert.
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