Mobbing-Plattform offline iShareGossip offenbar gekapert

Auf der Mobbing-Website iShareGossip gibt es derzeit keine menschenverachtenden Kommentare zu lesen - sondern eine Warnung: Sollten sich die gesuchten Betreiber der indizierten Seite nicht der Polizei stellen, wollen die Angreifer ihre Daten öffentlich machen.

iShareGossip-Website: Staatsanwalt ermittelt bisher vergeblich
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iShareGossip-Website: Staatsanwalt ermittelt bisher vergeblich


Berlin - Unbekannte haben die Mobbing-Website iShareGossip offenbar gekapert. Die indizierte Seite war am Dienstagvormittag nicht zu erreichen. Die anonymen Täter mit der Bezeichnung "23timesPi" forderten Administratoren, Organisatoren und Moderatoren auf der gehackten Startseite auf, sich innerhalb einer Woche bei der Polizei zu melden. Ansonsten - so drohen sie - werden sie alle Daten veröffentlichen. Man sei im Besitz von E-Mails, Zugangsdaten und Namen der Betreiber und ihrer Helfer.

Am Dienstagmittag leitete die Adresse, unter der bisher das iShareGossip-Forum zu erreichen war, auf ein Blog um. Eine Botschaft auf der Seite erweckt den Eindruck einer feindlichen Übernahme. Man werde die Daten veröffentlichen - "dann können sich die Opfer gleich persönlich bedanken kommen", heißt es dort. Überschrieben ist die Seite mit dem Gruß "Hacks And Kisses".

Auf einer Ausweichseite der Betreiber ist zu lesen, "leider wurde unsere Domain gestohlen". Der Server sei davon allerdings nicht betroffen. Bis Näheres in Erfahrung gebracht werden könne, bleibe die Seite offline. Darüber hinaus wird versichert: "User haben definitiv nichts zu befürchten, da wir keine IP-Adressen speichern."

Ob es sich bei der Aktion tatsächlich um einen Hack handelt oder ob die bisher anonymen Betreiber der Website mit dieser Aktion nur Aufmerksamkeit erregen wollen, um ihr zuletzt wieder weniger beachtetes Portal zu bewerben, lässt sich derzeit nicht sagen.

Die Ankündigung, sich in einer Woche mit den erlangten Daten an die Behörden zu wenden, könnte den Behörden die Beweissicherung erschweren. Die ursprünglichen Betreiber dürften nun gewarnt sein und Beweise vernichten. Ob von Dritten erbeutetes Material als Beweismittel vor Gericht Bestand hat, wird sich noch zeigen - sollte es je zu einem Verfahren kommen.

Auf der Internetplattform iShareGossip konnten Nutzer anonym Schüler und Lehrer beschimpfen. Das Internetportal hatte unter dem Motto "100 Prozent anonym an deiner Schule, Universität oder Arbeitsplatz lästern" dazu aufgerufen, Gruppen - beispielsweise für Schulen oder Ausbildungszentren - zu gründen und darin anonym Gerüchte zu verbreiten.

Seit März 2011 ist iShareGossip indiziert

Eltern hatten im März die Abschaltung der Seite gefordert, nachdem ein 17-jähriger Streitschlichter in Berlin brutal zusammengeschlagen worden war. Hetzbeiträge auf der Website waren der Tat vorausgegangen. Der Jugendliche war mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus gekommen. Unter anderem erlitt er ein Schädelhirntrauma und mehrere Hämatome.

Ebenfalls im März war das Portal als jugendgefährdend auf den Index gesetzt worden. Die laut Impressum im lettischen Riga angemeldete Seite - dahinter verbirgt sich allerdings nicht viel mehr als eine Briefkastenfirma - steht auch im Visier der Justizbehörden in Frankfurt am Main. Rund 60 Strafanzeigen wurden bisher gestellt. Die Behörden ermitteln gegen den Betreiber unter anderem wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung.

Gegenüber dem Sat.1-Magazin "Akte 2011" hatte sich im Mai ein junger Mann als einer der Betreiber der Seite geoutet. Nachdem er im Fernsehen geprahlt hatte, nahm die Polizei ihn fest. Der Verdächtige entpuppte sich aber schnell als Hochstapler.

ore/lis/dapd



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insgesamt 25 Beiträge
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BluesmanII, 14.06.2011
1. Dank an die Hacker
Die Frage ist allerdings warum keine Behörde in der Lage ist so etwas zu tun um an die Daten der Betreiber zu gelangen und diese dann dingfest zu machen.Wahrscheinlich weil diese sich der ach so guten IT Experten der Telekom bedienen die für mangelhafte Software bei Behörden(z.b.Arbeitsagentur) oder beim Maut-System verantwortlich sind.Ein erschreckendes Beispiel für die Inkompetenz der Staatsmacht.
outdoor 14.06.2011
2. ^^^^
Zitat von BluesmanIIDie Frage ist allerdings warum keine Behörde in der Lage ist so etwas zu tun um an die Daten der Betreiber zu gelangen und diese dann dingfest zu machen.Wahrscheinlich weil diese sich der ach so guten IT Experten der Telekom bedienen die für mangelhafte Software bei Behörden(z.b.Arbeitsagentur) oder beim Maut-System verantwortlich sind.Ein erschreckendes Beispiel für die Inkompetenz der Staatsmacht.
Weil Behörden keine Straftaten begehen dürfen, ganz einfach. Und ob die Daten die die haben die hier Selbstjustiz geübt genutzt werden dürfen ist sehr sehr fraglich. Man stelle sich vor jeder Bürger beginnt jetzt in andere Häuser einzubrechen um Beweise für die Polizei zu sichern.
KarlRad 14.06.2011
3. Gut so!
Da hat sich iShareGossip mit den Falschen angelegt. Die unscheinbaren Computerfreaks, die in der Schule immer gehänselt werden, haben offensichtlich zurückgeschlagen :)
elmard, 14.06.2011
4. Hoffnung
Zitat von BluesmanIIDie Frage ist allerdings warum keine Behörde in der Lage ist so etwas zu tun um an die Daten der Betreiber zu gelangen und diese dann dingfest zu machen.Wahrscheinlich weil diese sich der ach so guten IT Experten der Telekom bedienen die für mangelhafte Software bei Behörden(z.b.Arbeitsagentur) oder beim Maut-System verantwortlich sind.Ein erschreckendes Beispiel für die Inkompetenz der Staatsmacht.
Kann ich nur zustimmen. Hoffnung habe ich dennoch, dass es nicht die Betreiber sondern wirklich Hacker sind.
obacht! 14.06.2011
5. .
Zitat von elmardKann ich nur zustimmen. Hoffnung habe ich dennoch, dass es nicht die Betreiber sondern wirklich Hacker sind.
Sie finden also selbstjustiz in Ordnung? Dann hoffe ich mal, dass Sie der Selbstjustiz nie zum Opfer fallen.
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