Das war knapp: Am 30. Juni wird Apple für immer die privaten Websites seiner Kunden löschen. Die Server des eingestellten Apple-Onlinedienstes MobileMe werden abgeschaltet, nun hat eine Gruppe Freiwilliger wenige Tage vor dem Ende die letzten öffentlich zugänglichen Webpräsenzen von den Apple-Servern kopiert.
272 Terabyte Daten von 380.000 öffentlichen Netzauftritten haben die freiwilligen Digital-Archivare vom Archive Team heruntergeladen. Sie wollen die Websites, Fotogalerien und Dateien bewahren, die Nutzer über Jahre hinweg bei Apples diversen Online-Diensten publiziert haben. Apple hatte im Januar 2000 seinen ersten Hosting-Dienst für Webpräsenzen gestartet, damals hieß das Angebot iTools, später .Mac, zuletzt MobileMe. Beim Apples aktuellem Online-Angebot iCloud ist kein Speicherplatz für eigene Webauftritte mehr vorgesehen.
Weil Selbstgestaltetes nicht mehr ins Apple-Portfolio passt, wären mit der Abschaltung Ende Juni zwölf Jahre Online-Alltagsgeschichte verlorengegangen. Zumindest der Öffentlichkeit. Wer weiß, was davon Historikern in 200 Jahren helfen könnte, das frühe 21. Jahrhundert besser zu verstehen: Vielleicht die Dokumentation der Arbeit freiwilliger Katzenretter oder die Interviews mit Einwohnern von Franklin Lakes oder die Geschichte Homosexueller in St. Louis.
Man weiß nicht, welche Betreiber ihre Seiten selbst archivieren (hier die Anleitung von Apple für iWeb und Fotogalerien). Womöglich haben einige ihre alten Homepages längst vergessen. Die Freizeitarchivare haben die gezogenen Daten zunächst gepackt ohne weitere Aufbereitung bei Archive.org gespeichert. Jason Scott, einer der Initiatoren vom Archive Team, arbeitet bei Archive.org, dem gemeinnützigen Projekt zur Digitalbewahrung des Informatikers Brewster Kahle.
Dort sind schon einige der vom Archive Team gezogenen Datensätze abrufbar - eine Kopie der Encyclopaedia Dramatica (das Wiki dokumentierte bis zur Abschaltung im berüchtigten Imageboard 4chan entstandene Meme), ein Archiv aller von Google von 1998 bis zur Einstellung 2011 verschickten Google-Friends-Newsletter und ein Archiv von etwa 20 Prozent der beim Facebook-Vorvorläufer Friendster einst abrufbaren Profile. Friendster war seit 2002 als eines der ersten Social Networks überhaupt online, 2011 löschten die neuen Besitzer die alten Profile, die gut 80 nicht von Archive Team geretteten Prozent sind verloren.
Gesichert werden allerdings nur öffentlich abrufbare Daten - was in geschlossenen Communities passiert, etwa auf StudiVZ, kann das Archive Team nicht retten.
lis
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