Getarnte Handy-Masten Hier funkt ein Baum

Wie graue, dürre Finger ragen Mobilfunkmasten vielerorts in den Himmel und verhunzen die Landschaft. Doch das muss nicht sein: Wenn sie als Nadelbäume, Palmen oder Kakteen getarnt sind, fallen die Masten kaum auf. Nur gelingt die Verkleidung nicht immer ganz so schön.

Corbis

Ein Handy trägt bei uns fast jeder mit sich herum. Doch die Mobilfunkmasten, die das Telefonieren und Simsen erst möglich machen, sind längst nicht so beliebt. Immer wieder protestieren Anwohner, wenn ein solcher Mast vor ihrer Haustür aufgestellt werden soll. Denn die Dinger sind hässlicher als Windräder, und einigen Menschen ist die elektromagnetische Strahlung, die sie erzeugen, nicht geheuer.

Stadtplaner, Behörden und Mobilfunkbetreiber bedienen sich deshalb eines Tricks, um die Masten besser in ihr Umfeld einzupassen: Sie lassen die grauen Pfähle verkleiden, zum Beispiel als Bäume. Deren Stamm ist ungewöhnlich glatt, die Krone auffallend symmetrisch, und sie ragen weit höher hinauf als die meisten echten Bäume. Aber trotzdem sind manche der Antennenbäume erst auf den zweiten Blick zu erkennen, wenn überhaupt.

Die Idee ist nicht neu. Anfang der neunziger Jahre wurde einer der ersten künstlichen Nadelbäume in Denver, Colorado, aufgestellt. Der erste als Palme getarnte Mobilfunkmast sei 1996 in Kapstadt errichtet worden, schreibt das amerikanische Technologiemagazin "Wired" auf seiner Internetseite.

"In vielen Fällen unbeholfen und wenig überzeugend"

Der deutsche Fotograf Robert Voit begann schon vor zehn Jahren damit, die Baumattrappen abzulichten. Er fand die falschen Kakteen, Palmen, Pinien und Laubbäume unter anderem in Großbritannien, Korea, Italien, Portugal. Auch der südafrikanische Fotograf Dillon Marsh machte sich auf die Suche nach den getarnten Masten. "Obwohl die Geste gut gemeint ist, wirkt das Ergebnis in vielen Fällen unbeholfen und wenig überzeugend", sagte er "Wired" über die Attrappen in seiner Heimat.

Die Sorgen der Nachbarn können sie außerdem oft nicht zerstreuen. So wehren sich Bewohner der hawaiianischen Insel Kaua'i gegen einen Mast in ihrer Nähe, auch weil sie ein höheres Krebsrisiko fürchteten, berichtete die regionale Tagezeitung "The Garden Island".

In Deutschland achtet die Bundesnetzagentur darauf, dass die Grenzwerte zum Schutz der Bevölkerung vor elektromagnetischen Feldern in der Nähe von Funkanlagen eingehalten werden. Unterhalb dieser Grenzwerte seien keine eindeutigen Gesundheitsrisiken festgestellt worden, schreibt die Strahlenschutzkommission, die das Bundesumweltministerium berät, in einer Stellungnahme.

son

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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
spon-facebook-1810274577 30.03.2013
1. Handy-Masten
Wer braucht sowas? Früher ging's auch ohne Handy!
knieselstein 30.03.2013
2. Wenn man in diesem Satz
"Wie graue, dürre Finger ragen Mobilfunkmasten vielerorts in den Himmel und verhunzen die Landschaft". Mobilfunkmast durch WKA ersetzt, hat man einen shitstorm der Windklasse IV der Edlen vom Geschlecht der Windbarone am Hals ;-)
TangoGolf 30.03.2013
3.
Zitat von spon-facebook-1810274577Wer braucht sowas? Früher ging's auch ohne Handy!
das stimmt - und noch viel früher ging es ohne Pflug und Dreifelderwirtschaft.
spon-facebook-1810274577 30.03.2013
4. Menschen
Zitat von TangoGolfdas stimmt - und noch viel früher ging es ohne Pflug und Dreifelderwirtschaft.
Noch früher ging's auch ohne Menschen. Menschen sind die Eiterbeule der Natur!
pelabco 30.03.2013
5.
Zitat von spon-facebook-1810274577Wer braucht sowas? Früher ging's auch ohne Handy!
Genau! Weg mit dem ganzen neumodischen Kram. Wer braucht schon Kleidung - früher ging's auch mit 'nem Stück Fell.
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