Netzphänomen Movember Schnauzer tragen für den guten Zweck

Schnübi, Pornobalken, Gesichtshecke: Wie auch immer er genannt wird, der Schnurrbart ist wieder in. Mindestens für einen Monat. Weltweit lassen sich Männer für den guten Zweck einen Oberlippenbart stehen - und machen darum Tamtam im Netz.

REUTERS

In der Timeline wird es plötzlich haarig: Männer twittern über Rasierschaum und Bartkämme, berichten stolz, dass sie sich nicht komplett rasiert haben oder zeigen Fotos von ihrem ersten Flaum. In diesem Monat könnte man den Eindruck bekommen, der Bartwuchs spiele eine besondere Rolle - und womöglich wird man ungewohnt vielen Männern mit Schnurrbart begegnen.

Kein Wunder - es ist wieder Movember. Dabei handelt es sich um eine großangelegte Wohltätigkeitsaktion, die Jahr für Jahr Männer weltweit dazu bringt, sich einen Oberlippenbart stehen zu lassen. Damit möchten sie auf Prostatakrebsvorsorge aufmerksam machen und Spenden sammeln. "Movember" ist eine Wortkreation, zusammengesetzt aus dem englischen "Moustache" für Schnurrbart und dem Monat November.

Kritiker halten das erklärte Ziel für heikel, weil schon die entsprechende Vorsorge unter Experten umstritten ist. Die vielen sogenannten Mo Bros, also die Teilnehmer am Movember, stört das aber offenbar wenig: In 21 Ländern beteiligen sich mittlerweile Männer an der Kampagne, die im Jahr 2003 im australischen Melbourne entstanden ist. Studenten, Sportler, Künstler, Politiker, Hipster - sie alle tragen ihn, den "Respektbalken".

Wandelnde Werbeträger im Netz

Tatsächlich gehen mit der Haarpracht weitere Verpflichtungen einher: Nicht nur sollen die Teilnehmer ihren Bart im November tiptop pflegen. Sondern: "Ihrem Aussehen entsprechend, sind die Mo Bros zusätzlich aufgefordert, sich wie wahre Gentlemen zu benehmen", heißt es auf der Aktionsseite. Sie sollen sich zu wandelenden Werbeträgern machen.

Der kollektive Schnurrbartwuchs ist angelegt als Netzphänomen. Auf der deutschen Aktionsseite steht, wie es funktioniert: Anfang November wird sich rasiert und dann gezielt ein Schnurrbart stehen lassen und dann den Monat über gehegt, getrimmt und gekämmt. Das Ganze wird im Netz dokumentiert: "Halte Deinen Bekanntenkreis über Dein Engagement und dein Vorankommen auf dem Laufenden", heißt es in den Tipps für künftige Schnurrbartträger, "Lass Sie durch mehrere E-Mails oder Posts auf Twitter und Facebook an deinem Erlebnis teilhaben."

Das klingt dann so: "Wissen ist Macht und wer Schnurrbart trägt, ist König", twittert Mo Bro Matthias Kuyper und bittet um eine Spende. "Schnurrbart kommt gut an in der Uni", berichtet Twitterer Timo Cremer am zweiten Aktionstag, und Helge Wenck scherzt: "Für viele Taxifahrer ist das ganze Jahr über Movember".

Der gute Zweck ist eben nur das Eine, für viele ist das Ganze einfach ein großer Jux. Übrigens nicht nur in reiner Herrenrunde: Frauen sind herzlich eingeladen, die Männer bei ihrer Aktion "Schnauzer gegen Spende" zu unterstützen - selbst wenn ihre eigene Oberlippe auch weiterhin nackt bleibt.

juh



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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
locuspocus 04.11.2012
1.
wo habt ihr den das ausgegraben? ich bin ja wirklich viel im netz unterwegs, aber das ist mir neu. spiegel versucht sich als trendsetter? fail.
W1nston 04.11.2012
2. Movember
Zitat von locuspocuswo habt ihr den das ausgegraben? ich bin ja wirklich viel im netz unterwegs, aber das ist mir neu. spiegel versucht sich als trendsetter? fail.
May I offer you my help, good Sir? The Daily What - movember - Hot off the Internets - Cheezburger (http://thedailywhat.cheezburger.com/tag/movember) Movember - Wikipedia, the free encyclopedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Movember) Wusste ich aber ehrlich gesagt bis vor ein, zwei Wochen auch nichts von...
sumoh 04.11.2012
3. thanks W1nston
Das hilft ja schon etwas die Sache zu verstehen! Dazu sollte vielleicht noch erlaeutert werden, dass ein Mo nichts anderes ist als ein Moustache - also ein Schnurrbart, daher der Name Mo-vember. Auf Deutsch kommt das nicht so ganz rueber.. Es geht ganz einfach um ein Erkennungszeichen wie orange Hemden oder bestimmte Halstuecher, hier also etwas was jeder (fast) ausgwachsene Mann einfach wachsen lassen kann. Es soll einfach die Zustimmung signalisieren, die Gesundheit der Maenner in den Fokus der Gesellschaft zu stellen.
hans_olo_ 04.11.2012
4.
Zitat von locuspocuswo habt ihr den das ausgegraben? ich bin ja wirklich viel im netz unterwegs, aber das ist mir neu. spiegel versucht sich als trendsetter? fail.
Hier geht es um eine Kampagne für die Vorsorge um die Gesundheit des Mannes. Und ja diese Aktion ist im Netz hinreichend bekannt und schön das SPON den Bekanntheitsgrad erhöht! Also von wegen FAIL!
Hamberliner 04.11.2012
5.
Zitat von sysopREUTERSSchnübi, Pornobalken, Gesichtshecke: Wie auch immer er genannt wird, der Schnurrbart ist wieder in. Mindestens für einen Monat. Weltweit lassen sich Männer für den guten Zweck einen Oberlippenbart stehen - und machen darum Tamtam im Netz. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/movember-schnurrbaerte-im-kampf-gegen-prostatakrebs-a-865027.html
Zitat aus http://de.movember.com/nesp/tips/: | E-Mails schreiben gehört zu den effektivsten und einfachsten Methoden, um um | Spenden zu bitten. Wir haben einen Mustertext entworfen, der auch die direkte | URL zu deiner Mo-Space-Seite enthält. Also auf Deutsch gesagt: Aufforderung zu UBE, zu Netzmissbrauch, zu Vandalismus. Im übrigen tendieren Männder, die von ihrer Mentalität her im Grunde gar keine Bartträger sind, dazu, den Schnurrbart so kurz zu schneiden, dass er die Oberlippe frei lässt. Man sieht ein kompliziertes Streifenmuster: zuoberst Schnurrbart, darunter einen Streifen rasierte Haut, darunter die Oberlippe, darunter die Zähne. Das erinnert an das Grinsen eines toten Hundes, der nur grinst, weil ihm schon die Lippen weggefault sind, und wirkt EXTREM ungepflegt. Gegenbeispiele: Richtige Schnurrbärte trugen/tragen Otto von Bismarck, Rainer-Werner Fassbinder und Günter Grass. Wer wahrheitswidrig vortäuscht, ein unangepasster Individualist zu sein, indem er entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten nur im November einen (missratenen) Schnurrbart stehen lässt, outet sich als unehrlich und gibt zu, dass er nicht aus Solidarität oder Mitleid mit Prostatakrebspatienten handelt, sondern um sich wichtig zu machen, und dass ihm anderer Leute Prostatakrebs im Dezember, wenn der Hype um ist, wieder egal sein wird.
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