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"Mr Robot": In dieser Serie ist kein Platz für Hacker-Kitsch

Vom Tech-Festival SXSW in Austin berichtet

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Plakat von "Mr Robot" in den USA

Filmemacher Sam Esmail hat mit "Mr Robot" eine Serie geschaffen, in der es Programmierer gibt, aber keine Nullen und Einsen, die auf dem Bildschirm hin- und herfliegen. Warum schafft Hollywood das nicht?

Wie man sich in einen Computer hackt? Man scannt nach Funknetzen, findet zwischen zu stark verschlüsselten WLAN-Signalen zum Glück eine Bluetooth-Tastatur, imitiert diese Tastatur und verbindet sich mit dem Rechner. Die dafür nötigen Programme, die Befehlseingaben, all das zeigt die Serie "Mr Robot". Nur der letzte Schritt ist etwas abgekürzt.

Wo aktuelle Serien wie "CSI: Cyber" oder "Scorpion" es mit der Technik nicht so genau nehmen und aalglatte Typen Fantastisches mit ihren Computern anstellen, taucht "Mr Robot" tief in die Szene ein. Das hat vor allem mit dem Macher der Serie, Sam Esmail, zu tun. "Ich bin als Nerd groß geworden", sagt er über sich selbst. Seine Freunde sind Hacker, arbeiten in der IT-Sicherheit. Am College flog er einmal selbst auf: Er hatte eine E-Mail gefälscht und seine Spuren nicht verwischt.

Als Filmemacher ärgerte es ihn, wie seine Freunde und die Szene dargestellt werden: "Da fliegen keine Nullen und Einsen auf dich zu", sagt Esmail. Mit "Mr Robot" schuf er eine Serie, die den Anspruch hat, Hacker und Programmierer wirklichkeitsgetreuer zu zeigen.

Training im Schnelltippen, statt Fitnessstudio

"Mr Robot" erzählt von Elliot, einem depressiven Hacker in New York. Tagsüber verdingt er sich bei einem Konzern, abends trifft er seine neuen Freunde von der "fsociety", einer klandestinen Aktivistentruppe, irgendwo zwischen Occupy Wall Street und Anonymous. Rami Malek spielt den rehäugigen, wahnsinnigen Hacker, Christian Slater gibt den Strippenzieher der globalen Protestbewegung.

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"Mr. Robot": Programmierer unter sich
Vor einem Jahr feierte die Serie auf dem "South by Southwest"-Festival in Austin Premiere. Seitdem ist "Mr Robot" in den USA zum popkulturellen Phänomen geworden, hat diverse Preise abgeräumt, darunter auch einen Golden Globe als beste Serie. Seit Ende des vergangenen Jahres zeigt Amazon die Serie auch auf Deutsch. Zehn Episoden gibt es, die zweite Staffel ist in Arbeit.

Dieses Jahr stehen in Downtown Austin ein Riesenrad und eine Kirmes, in Anlehnung an das Hacker-Hauptquartier in "Mr Robot". Esmail erklärt den Festival-Besuchern, warum ihm die richtige Darstellung von Hackern und Hacking so wichtig ist. Mit dabei sind Malek und Slater, die von ihren Hausaufgaben berichten. Für einige Rollen müssen Schauspieler im Fitnessstudio trainieren, für "Mr. Robot" mussten sie schnelles Tippen lernen.

Dateien fliegen im Cyberspace

"Ich lese eine Menge Techblogs und weiß, was plausibel ist und was nicht", sagt Esmail. So ist zum Beispiel der Sony-Hack ein Vorbild für die Serie. Unbekannte hatten sich dabei Zugriff zu den Servern von Sony Pictures Entertainment verschafft und von dort im großen Stil Daten abgefischt.

Außerdem hat Esmail sich Unterstützung geholt: IT-Experten und ein Ermittler der FBI Cyber Division sorgen dafür, dass auf den Bildschirmen die richtigen Befehle in die passenden Fenster getippt werden. "Wir gehen wirklich ins Detail, kümmern uns um alle Bildschirmaufnahmen, auch wenn die später nur für Sekunden zu sehen sind", sagt Esmail. Wenn Serienfigur Elliot einen Computer hackt, sei das "echter Code, abgenommen von Experten".

Das ist nicht selbstverständlich. Es gibt zwar Ausnahmen, wie "Sneakers - die Lautlosen" von 1992. In dem Film spielt Robert Redford einen alternden Hacker, der im Auftrag von Firmen versucht, als Test in eben jene einzubrechen. Ihm gelingt das nicht nur mit Hilfe seiner Tastatur, sondern mit Überredungskunst: Wie bringt man Menschen dazu, Passwörter zu verraten? So geraten die Angriffe einigermaßen plausibel.

Mehr Drama, Tempo, bunte Grafiken

Meist nimmt Hollywood es nicht so genau. Wenn sich Angelina Jolie und ihre Crew in dem Film "Hackers - Im Netz des FBI" von 1995 an die Rechner setzen, gibt es 3D-Animationen zu sehen. Dateien fliegen durch den Cyberspace, jeder Tastendruck begleitet von einem futuristischen Soundeffekt. In "Passwort: Swordfish" von 2001 tanzt ein Rotwein saufender Hugh Jackman vor seinem Computer, hackt manisch in die Tastatur. Was dazu auf dem Bildschirm blinkt, sieht mehr nach der Arbeit eines Architekten aus, nicht nach Programmcode für Verschlüsselung.

Auch der Bond-Film "Skyfall" aus dem Jahr 2012 zeigt wirre Software im Pixelrausch. Dass ein gefilmter Angriff im Prinzip möglich ist, reicht nicht aus. Hollywood setzt noch einen drauf: mehr Tempo, mehr bunte Grafiken. Obwohl sich mehr Menschen mit Computer beschäftigen und groben Unsinn entlarven könnten, gilt für Hollywoods Hacker: Es wird nicht automatisch besser.

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Ich wäre ja schon dankbar
frenchie3 14.03.2016
wenn in einem Film ein PC nicht nach 3 Sekunden hochgelaufen wäre und die geheimsten Geheimdateien nicht direkt auf dem Startbildschirm wären
2.
rst2010 14.03.2016
die elektromechanische geräuschkulisse von mutter aus alien 1 klingt doch sehr ungewohnt inzwischen. damals konnte sich keiner vorstellen, dass computer nicht unbedingt lärm machen müssen ...
3. Zeit wars
Bueckstueck 14.03.2016
Mich öden die üblichen genre Filme seit zwanzig Jahren genau deshalb an, weil sie eben das Thema so absurd übezogen darstellen. Schön, dass endlich mal jemand auch hier auf authentische Darstellung achtet. Der Hack muss ja nicht der Hauptdarsteller sein, sondern Mittel zum Zweck der Handlung.
4. Geht ganz einfach
raknar 14.03.2016
Zitat von frenchie3wenn in einem Film ein PC nicht nach 3 Sekunden hochgelaufen wäre und die geheimsten Geheimdateien nicht direkt auf dem Startbildschirm wären
...mit dem Energiespeichermodus. Wenn es um Zehntel gehen sollte, hilft auch schnellerer RAM. Das alles ist mindestens seit WinXP möglich :)
5.
irobot 14.03.2016
Und hier (http://moviecode.tumblr.com/) kann man sich im Detail ansehen, was da so an "Code" in Filmen und Serien auftaucht. Teilweise sehr amüsant. Zumindest für Programmierer.
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