MSN Virtual Earth Die Welt (Microsoft-Version)

Dem kürzlich aus der Taufe gehobenen Google-Earth-Dienst folgt nun ein entsprechender Service von Microsoft. Der ist im Gegensatz zu Googles Programm Web-basiert - doch da hören die Unterschiede nicht auf. Denn eigentlich konkurriert Virtual Earth mit den Google maps.


Öffentlicher Betatest: Microsofts Antwort auf Google maps

Öffentlicher Betatest: Microsofts Antwort auf Google maps

Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es - dass sie mitunter die geschäftlichen Gepflogenheiten verändern kann, steht außer Frage. So ließ Microsoft den neuen Virtual-Earth-Service ungewöhnlich früh von der Leine: Am Montag nahm der neue MSN-Karten- und Satellitenbilddienst als öffentliche Betaversion den Betrieb auf.

Mit dem Angebot will Microsofts MSN angeblich vor allem Googles vor rund einem Monat gestarteten Earth-Dienst Konkurrenz machen. Das allerdings wäre ein wenig weise gewählter Claim: Im direkten Vergleich der Angebote träte da allenfalls ein schick getunter Corsa gegen einen Posche Targa zum Rennen an.

Denn vergleichbar sind die Angebote wahrlich nicht. Google setzt auf eine Software, die man zunächst herunterladen muss. Die glänzt vor allem durch ihre spektakulären Visualisierungen: Wie man da in virtueller Kamerafahrt von Kontinent zu Kontinent "fliegt", vom All direkt in den eigenen Garten stürzt oder sich wie weiland Luke Skywalker zumindest virtuell durch den Grand Canyon wackelt, das ist vor allem was für Geo-Voyeure und Gamer. Das ist ein spaßiger Zeitvertreib, echtes Web-Entertainment - obwohl der ganze Dienst ja eigentlich auf Nutzwert ausgelegt ist.

Denn eigentlich sollen die neuen "maps" und Satellitenbildservices nicht als abenteuerlicher Atlas-Ersatz dienen, sondern als globales Branchenbuch: Sowohl Google als auch Microsoft verraten dem Nutzer "on demand", wo er die nächste Pizza bekommt.

Im Vergleich: Bei Google ist das Apple-Hauptquartier schon gebaut, bei MSN nicht

Im Vergleich: Bei Google ist das Apple-Hauptquartier schon gebaut, bei MSN nicht

Sowohl in diesen Funktionen, als auch in der Darstellungsweise und -qualität ist Virtual Earth von Microsoft viel eher mit Google maps zu vergleichen, als mit der so bewegten Earth-Software.

Mit den "maps" kann Microsofts Web-basierter und schon darum weit weniger dynamischer Virtual-Earth-Dienst weitgehend mithalten - zumindest in den USA. Denn ähnlich wie bei "Google maps" existiert auch bei Microsoft die Welt außerhalb der Vereinigten nicht wirklich. Von Deutschland etwa gibt es grobe Straßenkarten, auf denen nützlicherweise zwar die Grenzen der Bundesländer zu entdecken sind, aber keine Straßen.

Schaltet man auf "Aerial photo" um, ist zumindest die ganze Größe des Deutschen Waldes endlich einmal auf einen Blick zu erfassen: Die BRD erscheint als unscharfer, aber herrlich grüner Ort ohne erkennbare urbane Strukturen.

Stärken

In den Staaten hat MSN da mehr zu bieten, wenn auch die "Aerial photos" teils deutlich älter sind. Die Bedienung ist sparsamer als bei Google, dafür hat MSN einige eigene, pfiffige Ideen zu bieten. Auffällig ist die enge Anbindung an andere MSN-Dienste, für die man allerdings einen Passport-Account eröffnen muss.

Während man bei Google Filter definiert, die dann die Darstellung der Fotos oder Karten mit entsprechenden Symbolen versehen, sucht man bei MSN über ein Eingabefeld in einem durch den Bildausschnitt geografisch begrenzten Umfeld. Eine so gefundene Pizzaria legt man als Bookmark im so genannten Scratchbook ab - das ist bei Google komplizierter.

Pfiffig erscheint auch der "Locate me"-Service, der von Europa aus allerdings nicht zu testen ist. Der Dienst richtet sich offenbar vor allem an Reisende mit Laptop und lokalisiert diese mit Hilfe von WLan-Netzen.

Eine kuriose Sehschwäche des MSN-Dienstes hat der Internet-Newsdienst "The Register" entdeckt und präsentiert sie seinen Lesern in gewohnt hämischer Manier: "Microsofts Earth löscht das Apple Hauptquartier" lautet die schöne Schlagzeile, die bereits alles sagt. Tatsächlich sind auf Microsofts Satellitenbild-Version Apples Gebäude nicht zu sehen, bei Google hingegen schon. Dahinter, orakelt "The Register", könne sich mehr verbergen als ein altes Luftbild, aus einer Zeit "bevor Cupertino erbaut wurde": "Wir können nicht sicher sein, wer noch alles von Bills verbesserten Planeten entfernt wurde."

Wir wissen aber auch nicht, wieviel Microsoft an diesem Planeten noch verbessern wird: Noch ist das Ding eine Beta.

Frank Patalong



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