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München wählt Linux: SuSE beißt Bill

Aus der Ehe zwischen München und Microsoft wird nichts. Als erste deutsche Großstadt stellt die bayerische Metropole die rund 14.000 städtischen Computer von Windows auf Linux um. Ähnliches könnte Microsoft nun auch in anderen deutschen Städten blühen.

Linux-Logo: In München gewinnt der Pinguin

Linux-Logo: In München gewinnt der Pinguin

München - Die Stadtpolitiker setzten sich zusammen, rechneten - und kamen zu einem denkwürdigen Ergebnis. Trotz einer Umstellungsprozedur, die voraussichtlich mehrere Jahre dauert, trotz geschätzter Kosten von 30 Millionen Euro sind die Bayern offenbar der Meinung, mit Linux günstiger zu fahren als mit Windows.

Zum Verhängnis im Münchner PC-Poker wurde Microsoft ausgerechnet seine beherrschende Marktstellung. Der Stadtrat begründete seine Entscheidung unter anderem mit einer größeren Unabhängigkeit von einzelnen Herstellern. Man sei künftig nicht mehr gebunden, wenn ein Hersteller sage, dass man auf eine neue Variante seiner Software umstellen müsse, hieß es.

Der Anlass war durchaus konkret: Microsoft mag für das bisher in München eingesetzte Windows NT keine technische Unterstützung mehr bieten. Die Stadtverwaltung, schlug der Beinahe-Monopolist vor, solle doch besser gleich auf Windows XP umsteigen und das dazu passende Office-Paket gleich dazukaufen.

Doch schließlich half selbst heftigste Lobby-Arbeit nicht weiter. In Sorge um das Milliardengeschäft mit der Software für die öffentliche Verwaltung hatte Microsoft-Chef Steve Ballmer noch im Frühjahr eigens seinen Ski-Urlaub in der Schweiz unterbrochen und war nach München gereist, um Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) zu bearbeiten und den Sieg von IBM und SuSE Linux zu verhindern.

Am Ende aber konnten selbst großzügige Rabattangebote die Fraktionen des rot-grünen Rathausbündnisses nicht mehr umstimmen. Die beschlossen nicht nur die Umstellung des Betriebssystems auf Linux, sondern schafften zugleich auch Microsofts Office-Software ab. Künftig soll die Münchner Verwaltung mit kostenlosen Open-Source-Programmen Briefe schreiben und Tabellen kalkulieren.

Boris Schwartz, Vizechef der Grünen-Fraktion, freute sich offenbar diebisch: Münchens Verwaltung schlage nunmehr eine Bresche in die monopolartige Stellung von Microsoft.

Die Lichtung könnte sich künftig nicht mehr nur auf München beschränken. Denn derzeit stehen zahlreiche Kommunen vor genau der gleichen Entscheidung, die jetzt die Bayern treffen mussten. Dass Letztere aus Kostengründen Linux wählten, dürfte in Redmond die Alarmglocken schrillen lassen. Denn München, so viel steht fest, gehört nicht zu den ärmeren Städten Deutschlands.

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