Online-Publishing: Murdochs "Times" lässt Google wieder herein

Rupert Murdoch hat ein gespanntes Verhältnis zu Suchmaschinen. Nun aber sollen Google, Bing und Co. seine "Times" doch wieder durchsuchen dürfen - zwei Jahre lang hatte die Online-Ausgabe der britischen Zeitung sich abgeschottet. Das kostete vermutlich Leser.

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"Times" online: Jetzt doch wieder für Suchmaschinen geöffnet

London - Es gibt für Medien im Internet nur zwei wirklich gangbare Wege, ihre Reichweite zu steigern. Sie können entweder neue Leser gewinnen, indem sie von bereits gewonnenen Lesern empfohlen werden - mündlich, oder via Facebook, Twitter, Google+. Oder über Suchmaschinen: Gibt ein Internetnutzer die Wortkombination Obama Assange in sein Suchfenster ein und bekommt als Treffer einen Nachrichtenartikel zurück, dann wird er womöglich auf den Link klicken, womöglich das Angebot, in dem der Artikel steht, schätzen lernen, wiederkommen.

Diese schlichte Wahrheit zu ignorieren, hatte sich Rupert Murdochs News Corp. im Mai 2010 entschlossen. Von nun an, wurde damals mitgeteilt, würden Suchmaschinen wie Google und Bing von den Seiten der Lononder "Times" ausgesperrt, alle Artikel würden vollständig hinter einer Bezahlwand verschwinden. Nun, zweieinhalb Jahre später, soll sich das wieder ändern, zumindest zum Teil.

In den kommenden Wochen will die "Times"-Redaktion beginnen, die jeweils ersten zwei Sätze eines Artikels für Suchmaschinen zugänglich zu machen, wie der britische "Telegraph" berichtet". Wer sie ganz lesen will, wird weiterhin zahlen müssen, aber auf den Traffic, den Google und Co. bringen, soll Rupert Murdochs Flagschiff im Netz künftig offenbar nicht mehr verzichten müssen.

Gut 130.000 Digitalabonnenten hat die "Times" dem Fachdienst paidcontent.org zufolge bislang gewinnen können, doch das Wachstum ist vergleichsweise bescheiden. Daran soll die Kehrtwende nun wohl etwas ändern.

Eine Kehrtwende ist die Entscheidung auch für Rupert Murdoch selbst: Der Medienmogul hatte Suchmaschinen wie Google und Yahoo noch vor wenigen Jahren als "Inhalte-Kleptomanen" bezeichnet, die ohne Gegenleistung von der Arbeit anderer profitieren wollten. Auch deutsche Zeitungsverleger betrachten Suchmaschinen nicht nur mit Wohlwollen, obwohl deren Algorithmen täglich Leser auf die Online-Angebote der Verlage führen. Die Verlegerverbände in Deutschland machen sich für ein sogenanntes Leistungsschutzrecht stark, das sich dem letzten Entwurf zufolge explizit gegen Suchmaschinen richtet: Es soll es ermöglichen, den Betreibern solcher Suchmaschinen Entgelte abzuverlangen, wenn sie online Textschnipsel aus den durchsuchten Angeboten als Suchergebnisse oder auf Überblicksseiten präsentieren.

Suchmaschinen so auszusperren, wie Murdochs "Times" das die letzten gut zwei Jahre getan hat, ist einfach: Jede Website enthält eine kleine Textdatei namens robots.txt. In ihr kann man einen Befehl an die algorithmischen Suchmaschinen-Crawler hinterlegen, dass sie weiterziehen sollen, ohne die betreffende Seite dem Index hinzuzufügen. Das aber ist, nach der Kehrtwende der "Times" zu urteilen, für den Traffic des eigenen Angebotes nicht förderlich. Wer nicht im Index steht, wird eben auch nicht gefunden.

cis

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