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Musik aus dem Web: Eine Packung Ohrwürmer

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Iron & Wine nennt sich einer der Künstler, den wir im dritten Teil unserer Reihe mit legalen, kostenlosen MP3-Downloads vorstellen. Ein idealer Titel: Von rockigen Riffs und spaßigem Funk über elektronische Tüftler-Töne bis hin zum folkig angehauchten Blues reicht die Spanne diesmal.

Probehören, runterladen, brennen: Mit den im folgenden vorgestellten Liedern ist das alles erlaubt. Musiker und Musikfirmen nutzen das Web für Promotionszwecke, Fachzeitschriften "hosten" Künstlerporträts mit Hörbeispielen und MP3-Sammelseiten sorgen für die Vernetzung all der Angebote miteinander.

Für diesen dritten Teil unserer kleinen MP3-Download-Serie haben wir uns teils auf Plattenlabelseiten umgesehen, teils bei Garageband, einer der reichhaltigsten und vielfältigsten MP3-Sammelseiten.

Einige der Highlights kommen vom Label Subpop, auf deren MP3-Seite man sich richtig verlieren kann: Konsequent stellt das Label alle seine Künstler - teils mit mehreren Songs - mittels Audio-Downloads vor.

Die Songs:

The Shins: Kissing the Lipless

Diese Band kommt aus den Staaten, was man nicht sofort hört: Ihr seltsamer Stilmix lebt von Anleihen bei Pop, Punk, britischem Sixties-Beat und den Beachboys. Im besten Fall kommt bei so etwas ein geradliniger Popsong mit Ohrwurm-Qualitäten heraus, gut strukturiert, mit gekonnt gesetzten Bruchpunkten. Dass James Mercers Stimme so jung daherkommt, als wollte er die College-Parties erobern, ist eine Täuschung: Die Band ist - unter wechselnden Namen - bereits seit 1992 unterwegs und hat es in der Zeit auf satte zehn Alben gebracht. Hört man: Da spielen fröhlich Profis auf.

Low: Monkey

Offenbar liegt die weibliche Harmoniestimme zur führenden, rauchigen Sängerstimme im Trend. Bei der amerikanischen Band Low aus Duluth, Minnesota, ist das schon seit acht langen Alben so: Der "Tonspion" nennt ihre Musik "Slowcore", was einerseits aufs (fehlende?) Tempo verweist, andererseits auf eine spürbare Düsterkeit.
"Monkey" ist nicht unbedingt ein typisches Stück des Trios, mehr melancholisch als bedrohlich - doch ganz nebenbei ist es auch schön. Die eingängige Melodie wird auf einen tiefen Synthesizer-Teppich gelegt, der wummert, wie seit den Flock of Seagulls nichts mehr. Derweil trommelt die Bass-Drum den Song beharrlich voran, als riefen Low zum meditativen Tanz ums Lagerfeuer. Das erinnert an Indie-Gruppen der späten Achtziger, frühen Neunziger, ist dicht produziert und transportiert Stimmung pur. Mir gefällt so etwas nicht immer, bei Low aber durchaus.

The Helio Sequence: Blood bleeds

Das Duo Brandon Summers und Benjamin Weikel aus Portland, Oregon, ist seit 1999 unter dem Namen Helio Sequence unterwegs. MTV verortet die Soundtüftler irgendwo zwischen My Bloody Valentine und Mouse on Mars, worüber man streiten kann. Doch ja, ihr gefälliger Pop ist deutlich von Elektronik gezeichnet: Bei "Blood bleeds" setzen sie volltönende E-Sounds perkussiv gegen das trockene Schlagzeug und den sanften, zweistimmigen Gesang. Das plätschert doch sehr angenehm.

Mercury Rev: Vermillion

Bitte einmal kurz ducken: Mercury Rev ist eine dieser Gruppen, die man entweder mag oder eben gar nicht. Wenn Sänger Jonathan Donahue ansetzt, dann klingt das so hell und brüchig, dass grober gestrickte Naturen unwillkürlich Kunst-Alarm geben. Tatsächlich ist Mercury Rev eine typische Kritiker-Band, wird seit ihrem Debut 1991 permanent, hartnäckig und fast folgenlos für alles gelobt, was sie tun. Ihr Publikum liegt nicht in der Masse, ist nicht Middle-of-the-Road, und trotz einiger guter Verkäufe stets "Alternative". In dieser Sparte spielen Mercury Rev das sanft-verträumt poppige Gegengewicht zu den düstereren Tönen zum Beispiel von Nick Cave, mit dem sie kürzlich auf Tour gingen - oder geben den melancholischen Widerpart zu Frohtönern wie den Finn-Brothers, mit denen sie gerade unterwegs sind. "Vermillion" ist ein untypisch schneller Song für die Gruppe.

The Beeps: Tell me

Man stelle sich vor, man sei der letzte Gast in der verrauchten Bar, sitze mit einem trockenen Martini direkt an der nun verwaisten Tanzfläche. Sue und ihre Band swingen einen letzten Song, und ihre Stimme klingt, als meine sie nur Dich: Das hätte in "Die fabelhaften Bakerboys" gepasst, und tatsächlich tauchen Lieder von "The Beep" immer wieder einmal in Film-Soundtracks auf. Bei den letzten Grammies erntete "The Beep" immerhin eine Nominierung, wer "Tell me" hört, weiß auch warum: In ihren besten Momenten klingt Sängerin Sue Krush so, als sei es immer noch 1951 und zugleich schwingt da subversiv ein wenig Achtziger-Jahre-angehauchte Romeo-Void-Melancholie mit. Schön, auf der Couch wie beim festlichen Abendessen.

Behavior: Anywhere but here

Noch mehr jazzige Töne, und zwar aus der E-Ecke: In ihrer Selbstdarstellung vergleicht sich Behavior aus dem kanadischen Montreal unter anderem mit Moby, Björk und Massive Attack, was durchaus passt. Triphop-Beats und Soundtüftleien legen den Grund für Andrea Revels Stimme, die sich durch "Anywhere but here" haucht und jazzt. Feine Sache.

Kiddo: One last Party

Fast ist man überrascht, wenn nach den ersten 28 Sekunden der Sänger einsetzt und man erst weitere fünf Sekunden später begreift, dass hier nicht die Stereo MCs zum Tanz aufspielen: Wer die mochte, wird auch an Kiddo aus Edinburgh Gefallen finden. "One last Party" ist einer dieser Songs, die für Tänzer geschrieben wurden, die keine Akrobaten sind. Stetig stampft der Beat, und passgenau erst im letzten Drittel schwingt sich der Song mit Hilfe einiger härterer Gitarren zum Höhepunkt auf: Das ist zwar alles sehr konventionell, aber auch nicht schlecht. Passt zur Gartenparty.

The Blue Method: Don't they

Ein ganz feines Stück Funk ist das, was The Blue Method hier bieten: Sparsam instrumentiert, wie das sein muss, Rhythmus pur, dazu kräftige Stimmen. Die verschiedenen Instrumentensätze kommen zum Einsatz, um Highlights zu setzen, und das lassen sich auch die Sänger nicht nehmen: Das groovt mächtig und geht in die Beine, obwohl der Song eigentlich eher von der etwas langsamereren Sorte ist: Funk eben, der seine Wurzeln ganz tief im R'n'B hat.

Iron & Wine: Woman King

Wer Ida im ersten Teil unserer kleinen MP3-Reihe mochte, wird auch dieses Stück mögen: Der mit akustischen Gitarren unterlegte, bluesige Song mit seinem zweistimmigen Harmoniegesang und den Bottleneck-Soli hat einen ansprechenden Drive. Ein Lied für die Landstraße, eingespielt von einer Gruppe, die eigentlich keine ist: Iron & Wine ist zumeist ein Soloprojekt, bei dem Songwriter Sam Beam so gut wie alles im Alleingang einspielt (für seine Tourneen verstärkt er sich dann zur Gruppe). Yahoo Music vergleicht ihn mit Sufjan Stevens (siehe Teil 2 unserer Serie). Eigentlich ist der Rauschebart Dozent für Filmwissenschaft, in den Staaten längst aber ein gar nicht mehr so stiller Star.

Mehr Downloads gefällig?

In den ersten beiden Teilen unserer MP3-Serie gab es Links zu folgenden Künstlern und ihren Songs:

Teil 1:

Ida: "Late Blues"
MC frontalot: "Start Over"
Complete: "Broken"
Complete: "Not Heather"
Betablokker: "Scared"
Robert Wade: "Monkey Cymbals"
Seth Williams: "Give and give"
Lambchop: "Something's going on"
Lambchop: "The old matchbox trick"
The Notwist: "One with the Freaks"
Glashaus: "Haltet die Welt an"
Joe Strummer: "Johnny Appleseed"
Calexico: "Stray"
Joe Strummer: "Mega Bottle Ride"
Scuba: "Heavenly"
Groove Armada: "M 2 Many"
Calexico: "Crystal Frontier"
Stereofan: "Ours is the Darkness"
Stereofan: "Franny and Zooey"
Placid Casual: "Motherfokker"
Placid Casual: "Slow Life"

Teil 2:

Okkervil River: "For Real"
The Underwolves: "Bird Song"
The Sun: "Justice"
The Sun: "Must be you"
The GoBetweens: "Here comes a City"
Stephen Malkmus: "Baby C'mon"
Kante: "Die Summe der einzelnen Teile"
Cinematic Orchestra feat. Fontella Bass: "All that you give"
Sufjan Stevens: "Man of Metropolis"
Vic Chesnutt: "What Do You Mean"

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