Musik-Geschäftskonzepte Streaming statt Download?

Muss der Hörer Musik noch besitzen? Nein, glauben On-Demand-Musikdienste, die den Benutzern jeden musikalischen Wunsch per Mausklick erfüllen. Die Musikindustrie sieht den Trend mit gemischten Gefühlen: Offene Fragen der wirtschaftlichen Teilhabe von Autoren und Künstlern bremsen die Entwicklung.

Von Mario Gongolsky

Streaming-Dienst Simfy: Datenbank statt Shop, alle Musik, jederzeit und überall

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Der Musikdownload ist keine Lösung, finden zum Beispiel Musikfreunde, die durch einen Festplattencrash ihre MP3-Sammlung eingebüßt haben. On-Demand-Musikdienste, die jeden gewünschten Titel auf Anfrage servieren und ganze Playlists für die Party im Streamingverfahren zustellen, erfreuen sich hingegen steigender Beliebtheit. Der bekannte US-Marktanalyst Russ Crupnick warnte bereits, diese Form des perfekten Web-Wunschkonzerts könne dem bezahlten Musikdownload das Wasser abgraben.

Trotzdem arrangieren sich die großen Plattenlabels nicht nur zunehmend mit On-Demand-Musikdiensten, wie vor allem US-Anbieter wie Napster oder Rhapsody sie seit langem anbieten. Sie sind wie im Falle von Spotify sogar mit 18 Prozent an dem schwedischen Unternehmen beteiligt, weil sie andernfalls befürchten müssen, den nächsten Trend zu verpassen.

Grundsätzliche Zweifel am Geschäftskonzept schließt das nicht aus - es ist eine Umarmung mit äußerst gemischten Gefühlen. Zumal selbst die finanzielle Beteiligung an Spotify nicht bedeutet, dass die Musiker wirklich in nennenswertem Maße am Erfolg des Dienstes partizipieren. Walter Holzbaur, Geschäftsführer des Wintrup Musikverlags, der auch prominente Künstler wie Wir sind Helden und David Guetta vertritt, hofft auf eine seiner Ansicht nach faire Beteiligung bisher vergebens: "Was ich absolut nicht verstehen kann ist, dass ein Anbieter kommt, ein neues Geschäftsmodell in den Markt bringt, ohne einen konkreten Deal für die Produkte zu haben, die dieses Geschäftsmodell überhaupt erst ermöglichen."

Mikroskopische Zusatzerträge für Künstler

Denn die geschlossenen Lizenzvereinbarungen findet der Musikverleger dürftig: Auf sechs Stellen hinter dem Komma habe er die Abrechnung erweitert, um überhaupt Beträge an die einzelnen Beteiligten ausschütten zu können.

David Harrell, Bandleader der Popgruppe The Layaways aus Chicago, bestätigt gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass sich aus der Neun-Prozent-Umsatzbeteiligung seines Vermarkters titelbezogen ein Spotify-Erlös zwischen 0,02 und 0,06 US-Cent pro ausgespieltem Stück ergeben würde - eine typische Rate für zahlende Streaming-Dienste. Um beispielsweise über Last.fm den US-Mindestlohn von 1160 Dollar einzunehmen, errechnete kürzlich das Blog Information is beautiful, müssten die Songs eines Künstlers 1.546.667-mal abgerufen werden - pro Monat.

Vom Geldverdienen sind - soweit bekannt, denn Zahlen sind keine veröffentlicht - angeblich auch die Dienstanbieter wie Spotify noch weit entfernt. Millionen von Kostenlosnutzern stehen dort aktuell 325.000 zahlende Premiumkunden gegenüber. Der größte Verdienst von Simfy, Steereo und Spotify für die Musikbranche ist, eine gut bedienbare Alternative zu den Plattformen für illegale Downloads zu bieten. Tatsächlich nimmt die Nutzung solcher Streaming-Angebote beständig zu, während die Nutzung von P2P-Börsen seit Jahren zurückgeht. Bittorrent und Co. werden zudem seit Jahren vornehmlich für die Verteilung von Filmen statt Musik genutzt. Selbst da aber geht der Trend hin zu Streaming-Lösungen - legalen wie illegalen.

"In Zukunft wird mit Sicherheit der Großteil des Musikkonsums über On-Demand-Streaming stattfinden", glaubt auch der auf digitale Medien spezialisierte Berater Petar Djekic aus Berlin. Die Bedeutung der Vergütung für das konservierte Hörerlebnis hält Djekic für überschätzt. "Historisch betrachtet, spielt der Besitz von Musik im Sinne eines physischen Tonträgers erst seit etwa hundert Jahren eine Rolle. Die Tonträgerverkäufe waren in den letzten Jahren rückläufig, und selbst der Bundesverband der Musikindustrie spricht von den an Bedeutung gewinnenden neuen Erlösquellen." Ob aber die Eindämmung von illegalen Downloads zugunsten des legalen On-Demand-Streamings einen ausreichenden finanziellen Ausgleich bringen kann, vermag auch Djekic nicht zu sagen.

Feilschen um jeden Cent

Nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Gema und YouTube stehen die Rechteverwerter für Komponisten und Verleger bei den musikbegeisterten Internetnutzern nicht gerade hoch im Kurs. Über Einzelheiten der Verträge zwischen der Gema und "Großabnehmern" ist zwar nichts zu erfahren, einen Fingerzeig für die preisliche Marschrichtung gibt Gema-Unternehmenssprecherin Bettina Müller dennoch: Das Ergebnis eines Schiedsstellenverfahrens zwischen Gema und dem Branchenverband Bitkom wäre für die Germa akzeptabel gewesen. 4,8 Cent sollte demnach das Bereitstellen eines Songs im Streamingverfahren kosten. Die Bitkom hat gegen die Entscheidung Berufung angekündigt.

Dienste wie Steereo und Simfy sind trotz Gema erfolgreich in Deutschland gestartet. Steffen Wicker, einer der beiden Geschäftsführer des deutschen On-Demand-Musikportals Simfy, versteht auch die Forderung der Urheber nach einer angemessenen Teilhabe. Obwohl über Details der Übereinkunft zwischen Gema und Simfy Stillschweigen vereinbart wurde, erklärt Wicker: "Es kann keine Pauschalabgeltung geben, und es braucht ein detailliertes Reporting darüber, welche Titel gespielt worden sind. Anders ist eine Zuordnung der Erlöse an die einzelnen Urheber nicht möglich."

Kein schlechter Deal

Ein funktionierendes Geschäft ergibt sich aber auch für Simfy nur über eine ausreichende Zahl von bezahlenden Premiumnutzern. Nach Einschätzung von Steffen Wicker zahlen die Nutzer dabei nicht für die Musik, sondern für den zusätzlichen Nutzungskomfort der Anwendung. Simfy-Premiumnutzer sollen sich den Dienst 9,99 Euro pro Monat kosten lassen und können dafür künftig sowohl eine bequeme Desktop-Applikation nutzen, als auch mobile Smartphone- und Handy-Applikationen mit Online- und Offline-Modus verwenden.

"Von den 10 Euro gehen 60 bis 70 Prozent an die Plattenlabels und Verwertungsgesellschaften", verrät Simfy-Chef Wicker. "Das sind rund 7 Euro pro Nutzer und Monat für die Musikindustrie und 84 Euro im Jahr", rechnet Wicker vor und meint, das sei wohl kein schlechter Deal. Bis zum Jahresende will Simfy eine sechsstellige Anzahl an Premiumnutzern gewonnen haben.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
stafford, 10.06.2010
1. egal
Zitat von sysopMuss der Hörer Musik noch besitzen? Nein, glauben On-Demand-Musikdienste, die den Benutzern jeden musikalischen Wunsch per Mausklick erfüllen. Die Musikindustrie sieht den Trend mit gemischten Gefühlen: Offene Fragen der wirtschaftlichen Teilhabe von Autoren und Künstlern bremsen die Entwicklung. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,699475,00.html
die goldenen zeiten der musikbranche sind vorbei und das schon lange, da wird auch so ein streamimg kram nichts mehr ändern können, so einfach ist das.
shi 10.06.2010
2. .
Ich will mir eine CD kaufen, die ich in der Hand halten kann. Ich habe keine Lust Geld für seelenlose MP3 Daten zu bezahlen. Und ich habe mich schon darüber aufgeregt, daß es nun anscheinend bei neu veröffentlichten Alben "Bonus Tracks" gibt, die man nur über iTunes bekommt und sich NICHT auf der CD befinden. In solchen Fällen halte ich es für total legitim sich die Songs über P2P Netzwerke zu beschaffen.
DJ Doena 10.06.2010
3. Never ever
Man braucht doch bloß mal bei Youtube gucken, wie viele Songs wöchentlich verschwinden, weil sie "für dieses Land nicht freigegeben" sind um zu sehen, dass es eine ganz schlechte Idee ist, von anderen abhängig zu sein, wenn man mal ein bisschen Querbeetmusik hören will. Dann doch lieber ein Zufallsgenerator über meine lokale MP3-Sammlung.
fatboy92 10.06.2010
4. Warum eigentlich
hat die Musikbranche so ein Problem mit dem Downloading (legal oder illegal) und dem Streaming. Nun, nach meinem Dafürhalten, weil sie über Dekaden hin fette und ungerechtfertigte Gewinne gemacht haben. Jedes mal wenn ich eine CD kaufte, weil ich den Hitsong mochte, habe ich 10 oder so andere bekommen, die ich vielleicht nicht mochte. Ich hab so 300 CDs und jetzt höre ich fast nur noch deezer, weil der in dem Land wo ich wohne nicht gesperrt ist. Simfy geht bei mir nicht. Aber mal ehrlich die Millionengagen die z.B. ein M. Jackson bekam sind auch nicht unbedingt gerechtfertigt. Jetzt legt die goldene Ganz nur noch wenige Eier und die Maden, die in diesem Speck lagen beklagen sich bitterlich. Ich kenne einige wenige Musiker, unbekannte, die auf kleinem Fuß leben, weil Musik eben nur wenige reich macht. Das ist in dem Allen natürlich auch die andere Saite: viele Musiker werden wohl nicht mehr von ihrer Arbeit leben können. Schade, aber wahre Kreativität wird wohl weiterbestehen. Und, .. es gibt ja jetzt auch Leute, die berühmt werden, weil sie was ins Internet gestellt haben. Jedenfalls weine ich den Mediagiganten, die 10€ Gewinn an einer CD machten keine Träne nach. Schönen Tach noch. fatboy92
homernarr 10.06.2010
5. Tja Pech gehabt MI
Es nutzt nichts mehr auf alles Neue aufzuhopsen. Der MP3-Zug ist abgefahren. Wau, schon 300.000 Leute zahlen für Streaming-Dienste! Das sind nicht viele, man kann sich ja Dinge auch schön reden. Übrigens Nappster gibts auch schon vor Itunes, scheint wohl nicht so durchzuschlagen der Erfolg? Schönes Beispiel sind die abgeschalteten Lieder bei Youtube, wenn was nicht passt wird mir von anderer Stelle der Hahn abgedreht... Ne, das wird nix. Achja, Herr Döpfner: Das IPad wird die Zeitungsindustrie leider auch nicht retten können.
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