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Musik-Streaming: Neues Portal zum Verklagen

Von Carolin Neumann

Ein 15-jähriger Amerikaner hat einen YouTube-Player für den Desktop entwickelt. Muziic greift direkt auf die Datenbank des Video-Riesen zu - angeblich vollkommen legal. Ob das wirklich so ist, will YouTube jetzt überprüfen.

Die Welt der Musik-Streaming-Angebote ist seit Februar um einen Anbieter reicher: Muziic ist ein Desktop-Player zum Herunterladen, der die Datenbank von YouTube durchsucht und dann Streams der Songs abspielt. Henning Dorstewitz, Pressesprecher bei YouTube in Deutschland, erklärte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, es werde derzeit geprüft, ob Muziic den Richtlinien entspricht. Seit letztem Jahr ist es unter bestimmten Bedingungen erlaubt, Applikationen für YouTube zu bauen oder YouTube auf der eigenen Website zu integrieren.

Streaming-Dienst Muziic: Eines von Dutzenden Angeboten, die YouTube-Daten "durchreichen" - es ist umstritten, ob das legal ist

Streaming-Dienst Muziic: Eines von Dutzenden Angeboten, die YouTube-Daten "durchreichen" - es ist umstritten, ob das legal ist

Entwickelt hat Muziic der 15-jährige David Nelson gemeinsam mit seinem Vater. Laut dem US-Online-Dienst Cnet.com hat er sogar seine öffentliche Schule verlassen und wird jetzt online unterrichtet, um sich ganz dem Projekt widmen zu können. Nach eigener Aussage haben Nachwuchsentwickler Nelson und seine Unterstützer sich sehr darum bemüht, den Nutzungsbedingungen gerecht zu werden. So ist im Muziic-Player zum Beispiel auch das Video integriert, aus dem gerade Musik gestreamt wird.

Im Streaming-Land nichts Neues

Das Muziic-Prinzip ist nicht neu: Man sucht einen Song, der Anbieter durchforstet das Internet - oder im aktuellen Fall ausschließlich die YouTube-Datenbank - nach dazu passenden Audiodaten und bietet diese dann als Stream an. Das Ungewöhnliche und zugleich der größte Nachteil an Muziic: Um das Angebot nutzen zu können, muss man sich erst einen eigenen Muziic-Player herunterladen.

Der ist zwar nett anzusehen und leicht zu bedienen. Praktischer sind jedoch webbasierte Dienste wie Spool.fm, Fiql, Skreemr oder Songza, die bereits seit 2007 kostenlose Streams von Audiodateien zur Verfügung stellen. Zum Teil kann man Songs sogar ohne Anmeldung abspielen, nur fürs Speichern seiner Playlist braucht man einen kostenlosen Account.

In Zeiten, in denen die Musikkonzerne heftig gegen Urheberrechtsverletzungen vorgehen, können sich Angebote in der rechtlichen Grauzone nicht lange halten. In Deutschland etwa läuft derzeit eine Urheberrechtsklage des Musikkonzerns Warner Music und des Bundesverbands der Musikindustrie gegen den Berliner Streaming- und Download-Dienst Songbeat, der seitdem offline ist. Das wohl populärste Streaming-Portal SeeqPod, dass sich neben zahlreichen Musik-Blog-Quellen auch großzügig an den YouTube-Streams bedient, hat seit Anfang letzten Jahres gleich zwei Klagen am Hals, eine von EMI und die andere ebenfalls von Warner Music.

Denn was rund zwei Jahre galt, ist seit einigen Wochen durchaus nicht mehr gegeben: YouTube verfügt nicht mehr über Lizenzdeals mit allen großen Labels. Warner hatte 2008 bereits all seine Videos von YouTube löschen lassen und verhandelt derzeit neu über die Lizenzen. Als erstes Major-Label erzielte kürzlich Sony eine neue Einigung mit der Google-Videotochter. Universal, bisher populärster Label-Kanal bei YouTube, verhandelt dagegen in neuer Richtung: In Kooperation mit YouTube könnte ein Musik-Clip-Portal entstehen, das gewisse Parallelen zum neuen Streaming-Portal Muziic aufweist. Der Schritt wäre logisch, weil er der Musikfirma mehr und flexiblere Möglichkeiten der Refinanzierung gäbe, als nur in Videos eingeblendete Werbung.

Eine Stellungnahme des Bundesverband Musikindustrie zur Legalität von Streaming-Diensten, die sich an lizenzierte Angebote wie YouTube anhängen, steht noch aus.

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