Musik-Streaming: Spotify startet ohne Gema-Vertrag

Noch keine Einigung: Der schwedische Musikdienst Spotify hat sein deutsches Angebot ohne Abkommen mit der Gema gestartet. Der Chef der Verwertungsgesellschaft gibt sich aber optimistisch - man werde bald zusammenkommen.

Streaming-Dienste: Spotify und die deutsche Konkurrenz Fotos

Die Musik-Verwertungsgesellschaft Gema erwartet eine baldige Einigung mit dem Internetdienst Spotify, der an diesem Dienstag in Deutschland gestartet ist. Gema-Vorstandschef Harald Heker sagte bei der Gema-Jahrespressekonferenz, es gebe bislang keinen Vertrag mit Spotify. Man habe noch keine Einigung erzielt. Heker: "Wir hoffen, diese möglichst bald zu finden." Für den 26. März sei eine letzte Verhandlungsrunde geplant. "Ich bin durchaus optimistisch, dass wir hier zusammenkommen."

Bei den Verhandlungen gehe es nicht nur um die Höhe des Tarifs für das Musik-Streaming, sondern auch um andere Punkte, sagte Heker. Nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz sei die Gema verpflichtet, auch bei Spotify den derzeit geltenden Streaming-Tarif anzusetzen.

Die Verwertungsgesellschaft verlangt von werbefinanzierten Streaming-Angeboten mit hoher Interaktivität (direkte Songsuche, Überspringen) laut Preisliste einen mit 0,006 Euro vergleichsweise hohen Mindestbetrag je Abruf eines Musikstücks. Einige Anbieter weisen diesen Tarif als zu hoch zurück - das Risiko sei zu hoch, die fixen Kosten je Abruf ließen sich über Werbeeinnahmen kaum einspielen (hier ein Überblick zum Thema).

Seit Jahresbeginn haben einige Streaming-Anbieter wie Deezer und Rdio ihre Dienste auf den deutschen Markt ausgedehnt. Doch bisher wagte es niemand, in Deutschland ein ähnlich umfassendes Gratisangebot wie Spotify anzubieten - ein komplett kostenloses, werbefinanziertes Angebot gab es in Deutschland bislang nicht. Der deutsche Streaming-Dienst Simfy beschränkt den kostenlosen Zugriff nach zwei Monaten auf fünf Stunden im Monat. Spotify schränkt in anderen Staaten die Gratisnutzung ebenfalls ein (nach sechs Monaten auf zehn Stunden je Monat und fünf Wiedergaben eines Titels). Ob dies auch in Deutschland geplant ist, sagt Spotify nicht.

Spotify äußert sich nicht zu Gesprächen und Vereinbarungen mit der Gema. Der schwedische Online-Musikdienst Spotify bietet deutschen Nutzern von Dienstag an einen kostenlosen, werbefinanzierten Zugriff auf gut 16 Millionen Musikstücke. Mit einer speziellen Software kann man die Musik unbeschränkt auf jedem Computer von Spotify-Servern abrufen. Wer werbefrei Musik hören will, muss 4,99 Euro im Monat zahlen, wer Spotify ohne Internetverbindung auch auf Smartphones nutzen will, zahlt dafür 9,99 Euro Abogebühren monatlich (hier der umfangreiche Vergleich mit anderen Angeboten).

Streamingdienste im Überblick
Angebot Spotify Simfy Napster Deezer Rdio Juke
Titel im Katalog 16 Mio. 16 Mio. 15 Mio. 13 Mio. 15 Mio. 15 Mio.
Browser nein ja ja ja ja ja
Player Desktop Windows, MacOS, Linux, iOS, Android, Blackberry Windows, MacOS, Linux, iOS, Android, Blackberry Windows / MacOS nein Windows / MacOS nein
Player Mobil iOS, Android, Blackberry, WP 7 iOS, Android, Blackberry iOS, Android iOS, Android, Blackberry iOS, Android, Blackberry, WP 7 iOS, Android
Offline-
Modus (Desktop)
ja (9,99 Euro) ja (9,99 Euro) ja ja (9,99 Euro im Monat, 1 Rechner) nein ja
Offline-
Modus (mobil)
ja (9,99 Euro) ja (9,99 Euro) ja (9,95 Euro) ja (9,99 Euro im Monat, 1 Gerät) ja (9,99 Euro im Monat) ja
Eigene Daten (Desktop) ja ja nein ja ja nein
Eigene Daten (mobil) ja (9,99 Euro im Monat) nein nein ja ja (9,99 Euro im Monat) nein
App-
Plattform
ja nein nein nein nein nein
Künstler-
Radio
ja ja ja ja ja nein
Bitrate 160 Kbit/s Dektop, 320 Kbit/s (99 % 9,99 Euro) 192 - 320 Kbit/s 128 Kbit/s (Streaming Dekstop), 192 Kbit/s AAC offline bis zu 320 Kbit/s bis zu 320 Kbit/s keine Information
Gratis werbe-
finanziert (sechs Monate unbegrenzt auf dem Desktop, welt-
weit begrenzt auf 10 Stunden nach sechs Monaten)
werbe-
finanziert (20 Stunden Streaming auf Desktop / per Browser, 5 Stunden nach zwei Monaten)
Testversion 7 Tage 30 Sekunden zum Reinhören / Testversion 15 Tage Premium Testversion 7 Tage Unlimited nein
Bezahl-Angebot 1 4,99 Euro (unbe-
grenztes Streaming Desktop)
4,99 (unbe-
grenztes Streaming auf Desktop / per Browser)
7,95 (Streaming Desktop) 4,99 (Browser / Desktop), 9,99 (Mobil, Offline-Funktion) 4,99 (Browser / Desktop), 9,99 (Mobil, Offline-Funktion) -
Bezahl-Angebot 2 9,99 Euro / Monat 9,99 Euro / Monat 9,95 (Desktop und Mobil) 9,99 (Mobil, Offline-Funktion) 9,99 (Mobil, Offline-Funktion) 9,99
Stand: 10.8.2012
Dass digitaler Musikvertrieb inzwischen auch in Deutschland durchaus als Wachstumsbranche gelten kann, zeigt diese Infografik von Statista, basierend auf Zahlen von PriceWaterhouseCoopers. Die Verluste aus dem Datenträgerverkauf allerdings können die digitalen Vertriebswege kaum ausgleichen.

Infografik von Statista: Digitaler Musikvertrieb holt auf Zur Großansicht
Statista

Infografik von Statista: Digitaler Musikvertrieb holt auf

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lis/dpa

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insgesamt 27 Beiträge
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    Seite 1    
1. vergleichsweise dumm
slava grof 13.03.2012
die GEMA verlangt also mit 0,006 Euro eien "vergleichsweise hohen Mindestbetrag ". bei werbeeinnahmen im zweistelligen centbereich pro klick halte ich diesen betrag eher für eine unverschämtheit.
2. nur mit facebook-konto nutzbar
miauwww 13.03.2012
... also spotify ohne mich.
3.
boeseHelene 13.03.2012
Zitat von miauwww... also spotify ohne mich.
Man muss bei Facebook ja nicht den richtigen Namen angeben ;)
4.
darksystem 13.03.2012
Der Betrag ist definitiv zu hoch. Bei 100000 Abrufen täglich ergibt das 600 Euro pro Tag und 18000 Euro monatlich und 216000 Euro jährlich. Bei 10 Cent pro Bannerklick müsste demnach alle 16 Stream-Aufrufe ein Klick auf ein Werbebanner stattfinden. Und das alleine um die Gema-Kosten zu decken. Von Serverbetriebskosten, die in diesem Fall sehr hoch ausfallen werden, noch nicht mal eingerechnet. Wenn ich mal meinen täglichen YouTube Stream Vergleich als Querschnitt nehme (ca 5 - 10 Streams täglich) würde meine Rechnung oben auf 16666 - 8333 Benutzer entfallen. Bei 5 Stream Aufrufen pro Benutzer müsste jeder 3. ein Banner anklicken, bei 10 Streams jeder 6.. Die GEMA kann erzählen was sie will. Das ist nicht möglich.
5. -
Reiner_Habitus 13.03.2012
Zitat von boeseHeleneMan muss bei Facebook ja nicht den richtigen Namen angeben ;)
Und wenn ich ein Abo will für das ich zahlen möchte......
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Cloud-Dienste: Musik aus der Datenwolke

Glossar der Musikindustrie
Independent / Major
Als unabhängige Label gelten alle Plattenfirmen, die nicht zu den vier großen international tätigen Unternehmen Sony Music, Emi, Warner Music und Universal Music gehören. Die großen vier (Majors) machen 70 bis 80 Prozent des Musikumsatzes weltweit - der Rest entfällt auf die kleinen Independent-Labels. Zum Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT) gehören in Deutschland 1200 Firmen, der internationale Indie-Verband Merlin hat nach eigenen Angaben um die 12.000 Mitglieder.
Label
Welche Arbeit die Plattenfirma für den Künstler erledigt, ist von Vertrag zu Vertrag unterschiedlich. Ein Extrafall ist der sogenannte Bandübernahmevertrag: Da gibt ein Künstler eine fertige Produktion ab, das Label organisiert nur noch Hersteller und Promo, wickelt die Abrechung ab. Ein Label kann aber auch die Produktion finanzieren und organisieren. Je mehr das Label erledigt, umso höher ist in der Regel dessen Anteil an den Einnahmen. Wenn das Label die Aufnahme bei einem anderen, vielleicht professionelleren Produzenten finanziert hätte, würde es mit dem Künstler einen sogenannten Künstlervertrag und mit dem Produzenten einen Produzentenvertrag abschließen. Bei fast allen Verträgen trägt letztendlich das Label das Warenrisiko: Wenn weniger Platten gekauft werden als produziert wurden, bleibt das Label auf den angefallenen Kosten für Herstellung und Werbung sitzen.
Musikverlag
Während die Label Vervielfältigungs- und manchmal auch Leistungsschutzrechte wahrnehmen, werten Musikverlage die Urhebernutzungsrechte der Musiker an ihren Kompositionen und Texten aus. Sie kümmern sich um die Gema-Abrechnung, auch der Live-Auftritte, und manche Verlage bemühen sich, die von ihnen betreuten Stücke Radiostationen und Werbeagenturen anzupreisen, in Spielfilmen zu platzieren, und überwachen, dass die Werke nicht von anderen ohne Genehmigung bearbeitet werden. All das kann ein Musiker auch selbst machen - ein Verlag nimmt ihm gegen Beteiligung die Arbeit ab. Manche Verlage beschäftigen eigene Mitarbeiter, die sich um die Verwertung in Radio und Werbung bemühen, um zusätzliche Einnahmen für Künstler und Verlag zu erzielen. Inzwischen bauen viele Label eigene Verlage auf, um mehr Rechte auszuwerten.
Booking
Die Booking-Agentur organisiert die Live-Auftritte eines Künstlers. Großen Stars zahlen solche Agenturen oft vorab ein hohes Garantiehonorar aus, das sie dann refinanzieren müssen. Die meisten Booking-Agenturen arbeiten aber auf Provisionsbasis - ein Anteil von 20 Prozent an den Einnahmen der Künstler ist gängig.
360-Grad-Vertrag
Das Schlagwort bezeichnet die Strategie von Labels, mit Künstlern nicht mehr allein beim Tonträger-Vertrieb zusammenzuarbeiten, sondern auch bei der Auswertung von Urhebernutzungsrechten (als Musikverlag), beim Livegeschäft (als Booker) und beim Merchandising.
Gema
Die Gema nimmt Gebühren für alle Verwertungen von Musik ein, die das Urheberrecht an den Stücken betreffen. Wer CDs mit vom Gema-Vertragspartner geschriebener Musik herstellt, die Songs digital verkauft, in Werbespots nutzt, live spielt oder im Netz als Download, Stream oder im Webradio vertreibt, zahlt dafür Gebühren. Die Gema schüttet die Einnahmen - nachdem die Verwaltung bezahlt ist - an Komponisten, Autoren oder ihre Musikverlage aus.
GVL
GVL steht für Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten. Ein Leistungsschutzrecht bezieht sich immer auf die bestimmte Aufnahme eines Stücks. Wer daran Leistungsschutzrechte hält, hängt von den Produktionsverträgen ab. Im Prinzip hat jeder ein Leistungsschutzrecht an einem Stück, der Musik einspielt oder einsingt. So können auch Produzenten Leistungsschutzrechte an einer Aufnahme haben oder Labels, wenn sie die Produktion abgewickelt haben. Wenn ein Musiker im Studio seine Stück selbst einspielt, erwirbt er auch Leistungsschutzrechte an dieser Aufnahme, genauso wie bezahlte Studiomusiker. Der Verkauf der Musik im Laden oder Download-Shop ist die Erstverwertung dieser Rechte - dafür kriegen die Musiker in der Regel einen Vorschuss und einen Teil der Einnahmen. Wenn die von ihnen eingespielte oder produzierte Musik aber im Radio, Fernsehen oder Kaufhaus läuft, bei Veranstaltungen abgespielt wird, müssen die Sender und Veranstalter für diese Zweitverwertung der Rechte an die GVL zahlen. Diese Zusatzeinnahmen schüttet die GVL an die Mitglieder aus.


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