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Musikmarkt in den USA: Noch nie wurden so wenige Musikalben verkauft

HipHop-Star Wiz Khalifa: Mit 90.000 verkauften Alben an die Chartspitze Zur Großansicht
DPA

HipHop-Star Wiz Khalifa: Mit 90.000 verkauften Alben an die Chartspitze

Der Erfolg von Spotify und Co. hat drastische Auswirkungen auf den Handel: In den USA wurden vergangene Woche so wenige Alben verkauft wie mindestens seit 1991 nicht mehr. Und die Digitalverkäufe sind sogar schon eingerechnet.

In den USA sind vergangene Woche erstmals weniger als vier Millionen Musikalben verkauft worden. Diese Zahl ist ein historischer Tiefstwert, mindestens seit 1991, schreibt das Online-Magazin "Billboard". Damals hatte das Nielsen mit seinem System SoundScan begonnen, die Verkäufe zu erfassen.

Vom üblichen Sommerloch abgesehen, lässt sich diese Zahl damit erklären, dass Streamingdienste wie Spotify immer beliebter werden. Menschen nutzen immer häufiger Musikflatrates, statt sich einzelne Alben zu kaufen. Die Nielsen-Marktforscher beispielsweise zählten im ersten Halbjahr 2014 über 33 Milliarden On-Demand-Audiostreams, fast elf Milliarden mehr als im selben Zeitraum 2013. Spotify gab im Mai bekannt, mittlerweile zehn Millionen zahlende Nutzer zu haben.

In der vorletzten Augustwoche sind in den USA nur 3,97 Millionen Alben verkauft worden - in der Vergleichswoche vor einem Jahr waren es 4,88 Millionen. Den größten Anteil hatte diesmal mit 90.000 Exemplaren das neue Album "Blacc Hollywood" des HipHop-Stars Wiz Khalifa, die Platte stieg damit auf Platz eins in die Albencharts ein.

SoundScan erfasst sowohl klassische CD-Käufe als auch digitale Albenverkäufe. Den Daten zufolge wird derzeit auch im Digitalbereich weniger verkauft als früher. Wie "Heise Online" berichtete, ging der Verkauf digitaler Alben im ersten Halbjahr 2014 gegenüber 2013 um 11,6 Prozent zurück. Beim Verkauf einzelner Musikdateien gab es ein Minus von 13 Prozent.

Ein anonym zitierter Vertriebsmitarbeiter sagte "Billboard": "Was ich über die Verkaufszahlen dieser Woche sagen kann? Ich erinnere mich daran, wie die Albumverkäufe unter zehn Millionen fielen. Die Industrie reagierte, als wäre dies eine Tragödie."

mbö

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insgesamt 38 Beiträge
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1.
silenced 29.08.2014
Ganz normale Entwicklung. Damals war nie die Musik die man mochte immer irgendwo verfügbar. Es gab nur rel. wenige Radiosender und die spielten nie das was der Kunde hören wollte. Daher kaufte man sich eben die Schallplatten, Kassetten oder CDs. Dann kam das Internet, und die immer und jederzeit verfügbare Lieblingsmusik. Die Entwicklung ging dahin, daß man sich im Internet seine Genres zusammenstellen konnte die man gerne hört, und man bekommt nur das was man möchte. Nicht auch all das, was einem die Industrie geben wollte. Das ist ein ganz normaler Entwicklungsschritt den die Musikindustrie einfach von Anfang an verschlafen hat. Es geht weg von der Gelddruckmaschine hin zu mehr Kundenfreundlichkeit. Eine schlechte Entwicklung, das ist wohl wahr. Sehr schlecht. Nur nicht für den Kunden, der bekommt genau das was er möchte, das ist wahre Kundenfreundlichkeit. Mit der lässt sich aber bekanntlich nicht soviel Geld verdienen.
2. Ist nur noch Geräuschbrei
cola79 29.08.2014
Es wird doch heute alles im Studio zu einem einzigen Brei gestampft, es hört sich alles gleich an. Im besten Fall hört man noch die unterschiedlichen Drums raus, bei der Gitarre klingts alles mittlerweile nach Retorte, und den Bass hört man in der Regel kaum. Dazu noch autotune-Stimmchen, die Banalitäten säuseln oder schreien. Dafür Geld zahlen? Überhaupt gucken, was angeboten wird? Nö! Vor 15 Jahren klangen die Bands noch unterschiedlich, die Aufnahmen waren auch nicht auf Perfektion getrimmt, sondern auf Individualität.
3. Wenn die Musik
inovatech 29.08.2014
zunehmend schlechter wird wundert man sich über stagnierende Verkaufszahlen ? Respekt!
4. Musik?
herumnöler 29.08.2014
Ist ja kein Wunder: Eine Hintereinanderreihung von ziemlich wahllosen Toenen ist keine Musik mehr. Gelegentlich hoere ich mir die Hits aus den 1960ern bis 1980ern an, da waren noch echte Perlen dabei. Aber heute? Und "Flatstream" sagt ja schon alles: Es ist einfach flach.
5. Erfolg?
sapalot 29.08.2014
Eine traurige Entwicklung für Musik, sowie Künstler und nicht zuletzt für den Musikliebhaber! Eingeläutet hat diese Entwicklung doch die Musikindustrie selbst, die nur noch auf den Konsum und keinesfalls auf Nachhaltigkeit ausgerichtet war und ist. Unter Zeitdruck entstanden Alben mit nichtssagenden Songs, lieblosen Booklets und einer Gesamtlänge von einer Dreiviertelstunde: wer möchte diese denn besitzen? Produzenten spülten Songs immer weicher: es entstand ein Einheitsbrei. Kein Künstler wurde nachhaltig aufgebaut - stattdessen war alles auf schnellen Erfolg getrimmt. Der Onlineverkauf und auch das Streaming wurde total verschlafen, wobei man dem Kunden auch noch Eigentum für Besitz vormachte (siehe Kopiermöglichkeiten). Ergo bekommt die Musikindustrie, was sie verdient - ansonsten siehe erster Satz!
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