Musikmarkt iTunes wird immer dominanter

Apples iTunes-Store rollt den US-Musikmarkt weiter auf: Inzwischen ist iTunes nicht mehr nur größter Download-Laden, sondern mit weitem Abstand der größte Musikhändler der Vereinigten Staaten überhaupt. Ein Trend hin zum Download-Schwergewicht, der nirgendwo weniger ausgeprägt ist als hierzulande: Deutsche Musikkäufer ticken anders.

Nicht zu stoppen: iTunes Einfluss auf den Musikmarkt wächst immer weiter
ddp

Nicht zu stoppen: iTunes Einfluss auf den Musikmarkt wächst immer weiter


Als die Großlabels der Plattenindustrie im Jahr 2003 ausgerechnet der Computerfirma Apple den Zuschlag für die Eröffnung eines Musik-Downloadshops mit besonders günstigen Preisen gaben, entpuppte sich das schnell als bittersüßer Deal: Zum einen zeigte Apple schnell, dass es die Kunst des Online-Verkaufs weit besser beherrschte als die kläglichen Shop-Versuche der Musikindustrie selbst. Zum anderen aber gelang es Apple, durch eine höchst geschickte Verquickung von Shop und Hardware nicht nur sich selbst zu sanieren, sondern auch, den Online-Musikverkauf zu dominieren und der Musikindustrie seine Bedingungen zu diktieren.

Seit Jahren ist das Verhältnis zwischen Apple und der Musikbranche deshalb von Hassliebe geprägt. Doch es ist, als hätte das Musik-Business einen Pakt mit Mephistopheles geschlossen: Alle Versuche, durch Bevorzugung von iTunes-Konkurrenten wie Amazon und anderen iTunes Markt-Vorherrschaft zu brechen, sind gescheitert. Noch immer hält iTunes rund 69 Prozent des legalen amerikanischen Downloadmarktes, anderenorts ist es oft noch mehr. Amazon, Apples größter Konkurrent auf dem Download-Markt, kommt gerade einmal auf 8 Prozent Marktanteil - und das ist schon Apples größter Konkurrent.

Apple wird zur Marktmacht

Doch damit nicht genug. Downloads sind auf dem Weg, vom Nischengeschäft zum vielleicht wichtigsten Vertriebskanal für digitale Musik zu werden. Bereits 35 Prozent aller Musikverkäufe in den USA, behauptet das US-Marktforschungsunternehmen NPD-Group in einer aktuellen Studie, geschehen am virtuellen Tresen - vor zwei Jahren waren es noch 20 Prozent. Was dazu geführt hat, dass Apples iTunes Store nicht mehr nur der größte Downloadshop der Welt ist, sondern auch allgemein der wichtigste Musikhändler in den USA. Satte 25 Prozent aller Musikverkäufe in den Vereinigten Staaten werden demnach aktuell über iTunes abgewickelt. Apples größer Konkurrent auf dem Gesamtmarkt, Walmart, muss da schon alle Verkäufe inklusive des CD-Absatzes zusammennehmen, um auf 14 Prozent zu kommen.

Wie so oft tickt auch in diesem Bereich der deutsche Markt deutlich anders als der Rest der Welt. Laut dem Marktforschungsunternehmen GfK betrug der Marktanteil von Download-Shops am Musikhandel 2008 gerade einmal 5,1 Prozent. iTunes trifft in Deutschland auf starke Konkurrenz wie Musicload, Phononet und andere, was Apples Shop nur Marktanteile um 40 Prozent erlaubt.

Deutsche sind Exoten

Auch der Anteil der Downloadshops am Gesamtmarkt wächst in Deutschland vergleichsweise langsam. Weltweit wuchs der Download-Markt laut der Musik-Lobby Ifpi um rund 34 Prozent, in Deutschland kommt man da gerade auf ein Wachstum von rund 14 Prozent am Umsatz. Dafür gehen hierzulande überproportional viele Alben über die Leitung: Gegenüber dem Vorjahr stieg der Absatz von Gesamtalben per Download in der ersten Jahreshälfte 2009 um stolze 55 Prozent. Die Umsätze aus dem so genannten Bundle-Verkauf überschritten in Deutschland erstmals die Umsätze aus Single-Downloads.

Anders als die anderen Käufer sind wir allerdings auch in anderer Hinsicht: Der deutsche Michel zieht nach wie vor die gute alte CD vor, 81 Prozent aller Umsätze werden nach wie vor mit Silberscheiben gemacht. Dieser Marktanteil ist seit rund fünf Jahren stabil. Wir mögen halt unsere Altmedien: Ein Umsatzplus von fast 30 Prozent legte im letzten Jahr auch ein traditionsreiches Nischenprodukt hin - die gute alte Schallplatte, neuerdings auch als Vinyl Disc in digital aufgemotzter Form als Hybridmedium für Platten- und CD-Spieler erhältlich.

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Preis Song 0,69 - 1,29 Euro 0,68 bs 0,99 0,79 bis 1,99 Euro 0,99 0,99
Preis Album Preise von 4,99 bis 25,99 Euro Preise von 4,99 bis 185 6,95 bis 14,95 Euro 9,99 ab 9,95


*iTunes-Titel sollen nach Apple-Angaben seit April 2009 komplett DRM-frei herunterladbar sein ** gilt für das Download-Angebot "light"
Quelle: Herstellerangaben, eigene Recherche
Stand: April 2009

pat



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