Mutmaßlicher "Comodo-Hacker": "Ich bin nicht zu stoppen, also fürchtet euch"

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Es war ein spektakulärer, bedrohlicher Hack, nun gibt es ein Bekennerschreiben: Ein junger Iraner rühmt sich, Zertifikate der Firma Comodo gestohlen zu haben, eine Art Sicherheitsbasis des Webs. Er warnt Dissidenten vor Lauschangriffen - und droht mit Rache für den Stuxnet-Virus.

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Corbis

Angriff aus dem Netz: "Erfahrung von 1000 Hackern"

"Ich schreibe das an alle Welt, damit ihr mehr über mich wisst", beginnt die Nachricht in einem öffentlichen Netzforum: "Ich bin ein einziger Hacker mit der Erfahrung von 1000 Hackern." Später heißt es: "Ich bin nicht zu stoppen, also fürchtet euch, wenn ihr Grund habt, euch zu fürchten."

Es ist ein Bekennerschreiben zu einer Attacke auf eine wichtige Verschlüsselungsinfrastruktur des Internets - Zertifikate, mit denen Websites sich als echt ausweisen, verwaltet vom IT-Sicherheitsunternehmen Comodo. Der Diebstahl wurde Ende vergangener Woche bekannt. Der Angreifer könnte mit einigen weiteren, nicht ganz trivialen Kniffen die gesamte E-Mail-Kommunikation einer Region mitlesen - über Google, Yahoo und Microsoft.

Die Worte des nach eigenen Angaben iranischen Hackers könnte man nun als großspurige Prahlerei abtun - wären da nicht die Details, die geheimen Schlüssel und die Firmeninterna, die er außerdem noch ins Netz gestellt hat. Einige IT-Sicherheitsexperten halten es für möglich, dass diese Person wirklich hinter dem spektakulären Hack steht.

Experten: "Der wohl begabteste Blackhat-Hacker in Iran"

Mikko H. Hypponen, Forschungschef bei der Sicherheitsfirma F-Secure, urteilt via Twitter: "Die Veröffentlichungen sehen überzeugend aus. Ob sie aber ein 21-jähriger Einzeltäter oder die PR-Abteilung der iranischen Regierung veröffentlicht hat, weiß ich nicht." Der Hacker Jacob Appelbaum, der den Diebstahl überhaupt erst aufgedeckt und öffentlich gemacht hatte, spricht von dem Bekenner nur noch als dem "Comodo-Hacker" und bezeichnet ihn als den "wohl begabtesten Blackhat-Hacker in Iran".

Neben einer detaillierten Beschreibung seines Vorgehens hat der Autor unter dem Pseudonym Comodo-Hacker mehrere interne Unterlagen der Zertifizierungsstelle veröffentlicht. Darunter finden sich Auszüge einer Datenbank mit Details zu 467 ausgestellten Zertifikaten und der private Schlüssel eines der gestohlenen Zertifikate (laut IT-Sicherheitsforscher Robert Graham ist er authentisch). Der Informatiker Thorsten Holz beurteilt das Material so: Die technische Beschreibung klingt plausibel, und aufgrund der Menge an offengelegten Informationen scheint es sich um authentische Infos zu halten."

Was der mutmaßliche Comodo-Hacker zu sagen hat, lässt sich auf den einfachen Nenner bringen: Er arbeitet allein, aber er kämpft für den iranischen Staat. In den Worten des Bekennerschreibens: "Wenn die USA und Isreal Stuxnet erschaffen, spricht niemand darüber, niemand wird beschuldigt, nichts passiert. Wenn ich also Zertifikate unterzeichne, sollte auch nichts passieren." Hier spielt das Bekennerschreiben auf den Stuxnet-Wurm an, der die Steuerungscomputer iranischer Atomanlagen befallen hatte und über den westliche Medien umfassend berichtet haben.

"Ihr hört auf, ich höre nicht auf"

Die Verschwörungslogik wird dann noch deutlicher: "Wenn die USA und Israel meine E-Mails bei Yahoo, Hotmail, Skype, Google Mail usw. ohne Probleme mitlesen können, kann ich tun, was immer ich will. Es ist eine einfache Regel. Ihr tut etwas, ich tue es auch. Ihr hört auf, ich höre nicht auf."

Wir haben per E-Mail einige Fragen an den vermutlichen Autor des Bekennerschreibens gestellt - und Antworten erhalten. Man muss das alles sehr vorsichtig behandeln: Die Kontaktadresse fand sich in der Mitteilung eines Twitter-Accounts, den Jacob Appelbaum und andere Sicherheitsexperten für den des Bekenners halten. Dass das so ist, dafür gibt es freilich nur Indizien, keinen endgültigen Beweis.

Der mutmaßliche Comodo-Hacker gibt an, 21 Jahre alt zu sein. Er habe bei seiner Arbeit keine Probleme mit der Infrastruktur und Behörden im Iran: "Mit einer einfachen ADSL-Anbindung ist alles möglich." Nach zwei Wochen Recherche habe er den Angriffspunkt für den Zertifikats-Diebstahl gefunden. Eigentlich habe er daran gearbeitet, das SSL-Protokoll zu knacken. Über dieses Protokoll verschlüsseln zum Beispiel Webmail-Anbieter wie Google die Datenübertragung zwischen dem Browser eines Kunden und ihren Servern, so dass - theoretisch - kein Dritter mitlauschen kann.

Der mutmaßliche Comodo-Hacker erklärt seinen Angriff: "Ich hatte plötzlich die Idee - wenn ich eine Zertifizierungsstelle einnehme, ist es viel einfacher, dass SSL-Protokoll zu knacken."

"Ich habe einen großen Teil des Skype-Protokolls bereits geknackt"

Der erfolgreiche Angriff auf eine Sicherheitsinfrastruktur im Netz war dieser Darstellung zufolge also eher ein Beifang. Seine Motivation für diesen Angriff beschreibt der mutmaßliche Comodo-Hacker so: "Ich will alle möglichen Verschlüsselungsprotokolle knacken - Tor, VPN, Skype. Ich habe einen großen Teil des Skype-Protokolls bereits geknackt." Er habe bereits sehr viele Schwachstellen in Skype gefunden, ebenso in dem Anonymisierungs-Dienst Tor und VPN-Diensten. Aber: "Ich will meine Erkenntnisse derzeit nicht veröffentlichen."

Er habe bei anderen Anbietern "wichtige Daten" abgegriffen, ohne dass dies bisher jemand bemerkt habe. Der mutmaßliche Comodo-Hacker schreibt: "Das werden einige Menschen für einen Bluff halten, aber vielleicht ist es besser für mich, wenn die Leute denken, dass ich bluffe."

In mehreren Äußerungen droht der Hacker den Aktivisten der gescheiterten "grünen Revolution" im Iran, er habe einen Großteil der von ihnen genutzten Verschlüsselungsprotokolle geknackt. Darauf angesprochen antwortet er: "Es gibt keine grüne Revolution in Iran, das sind nur ein paar Gangster mit Steinen und Stöcken, die normale Menschen angreifen. Sie schaden der Bevölkerung." Gruppen, die nur Schaden anrichten, haben seiner Ansicht nach kein Recht auf Datenschutz im Netz.

Als konkretes Ziel erwähnt er die iranische Exilgruppe der Volksmudschahidin: "Sie nutzen verschlüsselte Netzwerke in Deutschland, Frankreich, Kanada, den USA, Irak und Jordanien. Andere Führer der grünen Bewegung halten sich in den USA auf, wenige Bekannte in Iran. Vielleicht greift bereits jemand auf ihre Netzwerke zu, vielleicht werde ich es tun." Zu solchen Lauschangriffen sei er in der Lage: "Ich kenne Zero-Day-Lücken. Um Datenverkehr zu entschlüsseln, müsste ich einige andere Werkzeuge anwenden, die ich eingesammelt habe."

Genauere Auskünfte gibt der mutmaßliche Comodo-Hacker nicht. Er raunt nur: "Comodo hat Glück gehabt, dass man meinen Angriff entdeckt hat. Wer weiß - vielleicht hat sich eine andere Zertifizierungsstelle entschieden zu schweigen. Oder sie haben noch nichts bemerkt."

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insgesamt 58 Beiträge
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1. Blender?
bullermann 29.03.2011
Wenn er geschafft hat was man erzählt, würde er nicht großspurige Ansagen machen sondern sich auf die Lauer legen.
2. Niedlich
veremont 29.03.2011
Das klingt für mich irgendwie alles zu sehr nach Propaganda. Fehlt nurnoch das "der Hacker" etwas in der Art wie "Ich bin der Schrecken der die Nacht durchflattert, fürchtet euch, buuuuh buuuuh!", schreibt. Wahrscheinlicher ist doch, dass sich ein Team von Hackern dahinter verbirgt die von der Iranischen regierung gesponsort werden und die nach Außen hin ein ganz doll böses Image haben soll. Füüüüürchtet euch, buuuu buhhhh!
3. Nicht Neues
Auswahlaxiom, 29.03.2011
Zitat von sysopEs war ein spektakulärer, bedrohlicher Hack, nun gibt es ein Bekennerschreiben: Ein junger Iraner rühmt sich, Zertifikate der Firma Comodo gestohlen zu haben, eine Art Sicherheitsbasis des Webs. Er warnt Dissidenten vor Lauschangriffen - und droht mit Rache für den Stuxnet-Virus. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,753764,00.html
Ja, ja ... ich krieg schon Angst. Und natürlich frage ich mich, wie man so eine alberne Story im Spiegel unterbringen kann. Also: Nehmen wir doch mal an, ein einzelner iranischer Hacker hätte im Alleingang Zertifikate gestohlen. Nehmen wir außerdem an, er sei regimetreu (er gibt sich immerhin so, also ist die Annahme valide). Dann könnte der Trottel sich doch in die Dienste des iranischen Geheimdienstes stellen und groß Asche verdienen. Was macht er stattdessen? Er outet sich und bringt sich so um seine Karriere in dem lustigen Land. Widerspruch. Es bleibt also an sich nur die Variante, dass nicht ein Einzelhacker, sondern, wie es im Artikel heißt, die PR-Abteilung der Regierung für den Angriff verantwortlich ist. Und die macht jetzt genau das, was die ganze Welt erwartet: Überhebliche Sprüche kloppen, sich selbst loben, die Reformierer einschüchtern, etc. Eigentlich nichts Neues, oder?
4. Interessant
querlatte 29.03.2011
Egal, ob der Typ nun glaubwürdig ist oder nicht, interessant ist es allemal. Grundsätzlich neige ich dazu, ihm zu glauben, ich bin selbst IT-Techniker und kenne die Schwachstellen, jeder halbwegs begabte Amateur ist ohne weiteres in der Lage, Malware zu programmieren und anzuwenden, da ist der Weg zum Hacker nicht weit. Wer sich als Profi diesem Gebiet verschreibt und sich da richtig reinkniet - denn en passant geht das nicht, man muss schon richtig "arbeiten" - der wird auch Erfolg haben. Interessant ist es insofern, dass noch einmal klar und deutlich aufgezeigt wird, dass es in der digitalen Datenkommunikation keine Sicherheit gibt. Doch das sollte jeder gebildete User eigentlich inzwischen wissen.
5. Vielleicht kommt was Neues?
ulrich_rust, 29.03.2011
Zitat von AuswahlaxiomJa, ja ... ich krieg schon Angst. Und natürlich frage ich mich, wie man so eine alberne Story im Spiegel unterbringen kann. Also: Nehmen wir doch mal an, ein einzelner iranischer Hacker hätte im Alleingang Zertifikate gestohlen. Nehmen wir außerdem an, er sei regimetreu (er gibt sich immerhin so, also ist die Annahme valide). Dann könnte der Trottel sich doch in die Dienste des iranischen Geheimdienstes stellen und groß Asche verdienen. Was macht er stattdessen? Er outet sich und bringt sich so um seine Karriere in dem lustigen Land. Widerspruch. Es bleibt also an sich nur die Variante, dass nicht ein Einzelhacker, sondern, wie es im Artikel heißt, die PR-Abteilung der Regierung für den Angriff verantwortlich ist. Und die macht jetzt genau das, was die ganze Welt erwartet: Überhebliche Sprüche kloppen, sich selbst loben, die Reformierer einschüchtern, etc. Eigentlich nichts Neues, oder?
Eigentlich schon. Wenn er das gleiche fertig bringt wie der Westen im Iran, AKW´s stören. Wäre doch niedlich und passt genau ins timing.
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So funktioniert das DNS-System
DNS ist das Kürzel für "Domain Name System" und steht für eine Technik, die es erheblich erleichtert, das Internet zu benutzen. Das dem Internet als Netzstandard zugrunde liegende Internet-Protocol (IP) legt fest, dass jede Website durch eine aus vier Zahlen zusammengesetzte, vier- bis zwölfstellige IP-Adresse identifiziert wird. Im Grunde müsste man beim Websurfen deshalb immer Adressen nach dem Muster 195.71.11.67 (SPIEGEL ONLINE) in die Adresszeile des Browsers eingeben. Doch wer könnte sich schon die IP-Adressen all seiner Lieblings-Websites in dieser Form merken?

Als Lösung für dieses Problem wurde das DNS-System entwickelt. Dabei handelt es sich um Datenbanken, in denen jeder IP-Adresse ein für Menschen verständlicher Name zugeordnet ist. Im Fall von SPIEGEL ONLINE übersetzt eine solche Datenbank die Browsereingabe www.spiegel.de in die IP-Adresse 195.71.11.67. Weil aber eine einzige Datenbank nicht ausreichen würde, um die Anfragen aller Internetnutzer zu beantworten, gibt es davon etliche Kopien, welche die Zugangsanbieter auf ihren eigenen DNS-Servern bereithalten und deren Datenbestände regelmäßig untereinander abgleichen.

Zudem bleibt es oft nicht bei einer einzigen DNS-Anfrage, wenn eine Seite aufgerufen wird, da es in der Natur des Web liegt, Seiten miteinander zu vernetzen. Beispielsweise wenn Bilder, Texte oder Videos aus anderen Quellen eingebunden werden, können beim Aufruf der Seite mehrere DNS-Anfragen nötig sein, um alle Inhalte laden zu können - und das kann Zeit kosten.

Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

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