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MyCokeMusic: Die Zukunft des Downloadens?

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Die Stereoanlage hat ausgedient, Musik ist heute mobil, auf jeden Fall aber digital. Legalen Nachschub sollen kommerzielle Download-Börsen bieten, und solche Shops darf bald jeder betreiben. Coca Cola macht in Großbritannien den Anfang � und zeigt, wie kommerzielle Downloadbörsen künftig aussehen könnten.

"MyCokeShop": Aufwendig programmiert, teils in Flash

"MyCokeShop": Aufwendig programmiert, teils in Flash

Im Wohnzimmer hat der Festplattenrekorder soeben die Hifi-Anlage ersetzt, in der Küche steht eine MP3-fähige Minianlage, unterwegs ist immer der MP3-Stick dabei? In immer mehr Haushalten ist das so, bis hin zum MP3-fähigen Autoradio. Der Trend hin zur digitalen Musik im trauten Heim ist kräftig, die Möglichkeiten, die Digi-Musik verheißen, sind zu verlockend.

Bisher bleibt zur "Befüllung" der schönen neuen Hardware nur die Digitalisierung eigener CD-Bestände (was durch Kopierschutz zunehmend verhindert wird), sowie die illegalen P2P-Börsen. Überfällig ist dagegen die Einführung legaler Internet-Musikshops auch in Europa.

Und zwar richtig, und nicht wie bei den ersten zaghaften Experimenten der Musikindustrie: Die Kunden wollen den "One Stop Shop" - den Musikladen, in dem es alles gibt.

Die schießen gerade regelrecht ins Kraut. Apples iTunes Music Shop ist nur der prominenteste einer ganzen Reihe bestehender oder entstehender Online-Musikläden, die alles bieten wollen. Nur in Europa ist das alles noch nicht so recht angekommen.

Der Vorreiter: Coke lässt den Korken knallen

Dabei sollte es Anfang des Jahres losgehen. In Großbritannien ist das am Dienstag mehr oder weniger gelungen: Mit großem Werbe-Tamtam hob Coca Cola sein Musikkaufhaus "MyCokeMusic" aus der Taufe. Denn genau so sieht das Konzept für die Zukunft aus: Die Industrie hat den Fabrikverkauf aufgegeben und lizenziert stattdessen ihre Produkt-Portfolios an freie Shopbetreiber. Wer das Digital Rights Management gewährleistet, sich an die Regeln hält und das nötige Kleingeld mitbringt, soll Musikläden eröffnen können. Von der Discotheken- bis zur Frittenkette soll schon bald jeder die "Mucke" verkaufen können, die er für passend hält.

Coke kommt natürlich mit einem jugendlich gebürsteten Angebot daher, kooperiert dabei mit OD2, der von Peter Gabriel mitbegründeten Online-Musikvertriebsfirma. Tatsächlich liegt der Shop sogar auf den Servern von OD2.

Gabriels Firma gehört bereits zu den "Altgedienten", experimentiert seit mehr als zwei Jahren in Europa mit digitalem Musikvertrieb. Entsprechend zuversichtlich ging der Cokeshop an den Start, entsprechend peinlich geriet dieser. Denn am ersten Tag war der Shop nur zeitweilig erreichbar - und Apple-User müssen bis auf weiteres draußen bleiben. Sie sind reine Zaungäste, denn der Cokeshop stützt sich ganz und gar und in jeder Hinsicht auf Technik von Microsoft.

Das fängt beim Format der verkauften Dateien an: WMA sorgt dafür, dass alles schön reibungslos auf Windows-Systemen läuft (so diese den Media Player 9 installiert haben), verhindert aber die Nutzung auf anderen Betriebssystem-Plattformen (selbst Microsofts Mediaplayer für Apple wird mit dem Format nicht fertig) und die Nutzung auf zahlreichen Endgeräten. Denn natürlich müssen auch diese WMA-fähig sein. Das aber gilt nur für einen Teil der gängigen Endgeräte - Gates mag sich das anders wünschen, doch der Standard heißt nun einmal MP3. Allein bei den mobilen Sticks setzt sich das WMA-Format als zweite Möglichkeit langsam durch.

Immerhin erlaubt der Cokeshop seinen Nutzern nicht nur das Musikhören am PC, sondern auch das Brennen auf CD sowie das Überspielen auf mobile oder stationäre digitale Player.

Minderheiten müssen draußen bleiben

Marken- und Zielgruppengerecht bunt - und trotzdem übersichtlich

Marken- und Zielgruppengerecht bunt - und trotzdem übersichtlich

Ärgerlich ist dagegen, dass die Microsoft-Orientierung des Shops so weit reicht, dass das Angebot noch nicht einmal mit alternativen Browsern zu nutzen ist. Mozilla, Netscape oder Opera bieten ihren Nutzern bekanntlich mehr als der Internet Explorer, prallen aber vom Cokeshop ab: Der will vom Seitenaufruf bis zum Musikhören Microsoft-Software.

Hat man die installiert, fährt man allerdings gut und bequem. Der Shop erlaubt das kostenlose Probehören von 30 Sekunden langen Samples, verkauft einmalig zu hörende Streams für einen Pence und zudem den Verkauf.

Die Sache ist also nicht gerade billig: Analog zu den in Großbritannien generell überhöhten Preisen für Musik schlägt auch der Cokeshop heftiger zu als etwa der Apple-Shop in den USA das tut oder die kommenden europäischen Shops das angeblich vorhaben. Der Einzelsong kostet regulär 99 Pence, was unter dem Strich und im Vergleich zu den 99 US-Cent im Apple-Shop einem Aufpreis von rund 80 Prozent entspricht (99 Pence entsprechen 1,81 US-Dollar). Für Festland-Europa denkt die Musikindustrie Preise um 99 Euro-Cent an (entspricht rund 68 Pence).

Rabatt nur gegen Konsumzwang

Immerhin bekommt man Rabatte, wenn man direkt große Kontingente kauft: Ab einem Investment von 40 Pfund sinkt der Preis für den Einzelsong auf 80 Pence. Denn so läuft das: Der Kunde kauft per Kreditkarte ein Punktekontingent, das dann "ausgegeben" werden kann. Das ist einerseits traumwandlerisch bequem, andererseits aber auch nicht ohne Tücken: Die Punkte haben eine Halbwertszeit. Sie sind nur zwölf Monate lang gültig. Wer sein Geld innerhalb eines Jahres nicht ausgibt, hat quasi eine Spende geleistet - eine absolute Frechheit, wie sie sich sonst nur Telekommunikationsunternehmen herausnehmen.

Und was ist drin?

Das Angebot gehört nicht zu denen, die mit Hunderttausenden von Liedern strotzen können: Die Zahl der bisher freigeschalteten Songs ist gerade mal fünfstellig. Selbst das ist eine Menge, wie man feststellt, wenn man durch den Katalog surft. Natürlich sind die Charts der letzten Jahre rauf und runter vertreten, dazu die gängigen Größen von Rock-Dinosauriern bis hin zu Restaurant-Beschallungen auf der Phil-Collins-Schiene. Überraschend groß das Jazz-und Klassikangebot, während andere Genres abseits des Mainstreams eher schlecht repräsentiert sind.

Der Beweis: Coke-Trinker hören Heino, aber weder die Fantastischen Vier noch Ramstein

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Mit seltsamen Ausnahmen. So bietet der Shop allein acht Heino-Alben, Marika Röck, Gottlieb Wendehals und diverse andere Megaseller. Das man diese in einem wilden Durcheinander falsch zugeordneter Genres findet, verbuchen wir tolerant als skurril: Was wohl Wir sind Helden, Deichkind und die Sterne davon halten, sich ihr Genre "Deutschpop" friedlich mit Peter Alexander oder Karel Gott zu teilen? DJ Ötzi ist dagegen wie Heintje klar "Deutscher Schlager", und auch die harten Töne von Etwas gehören laut MyCokeMusic in diese finstere Ecke.

Doch was soll's? Das sich all diese deutschen Töne überhaupt im britischen Coke-Angebot finden, stimmt allein schon hoffnungsfroh: Da hat wer schon beim Shop-Basteln an den deutschen Markt gedacht. Italienische, französische oder spanische Sangeskünstler fehlen dagegen so vollständig, als hätten sie Hausverbot.

Fazit: Gemischte Gefühle

Die zunehmend freie Lizenzierung durch die Musikindustrie macht auch Shops denkbar, die stark auf Zielgruppen zugeschnitten sind. Falls das für den Coke-Shop gelten sollte (was seine Lücken erklären würde), dann zeigt es, wie viel die Rechte-Hantierer noch zu lernen haben.

Unter dem Strich bleibt der Eindruck eines aufwendig programmierten, hip gestylten Musikshops mit hinreichend einfacher Benutzerführung, der deutlich weniger zu bieten hat als selbst die kleinste illegale Tauschbörse. Das hat er mit bisher allen in Europa implementierten legalen Musikshops gemein, und da muss noch etwas passieren. Besonders ärgerlich sind die Software-Vorgaben und die damit verbundenen Kompatibilitätsprobleme.

Letztlich ist das Apple-Konzept da überlegen, das statt auf schrille Website-Schnittstellen auf die Integration in eine Software setzt. Aber jeder Jeck ist anders, wie man in Köln sagt und meint, dass die Bedürfnisse halt verschieden sind: Da werden verschiedene Marken auch verschiedene Shops anbieten. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

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