Nach dem Web-Hype Verglühte Netzsternchen

Dick, tapsig, peinlich, aber irgendwie sympathisch: Brolsma, "Tourist Guy" oder "Star Wars Kid" machten sich vor Millionenpublikum im Internet zum Affen, mussten Spott und Häme einstecken. Manche der Kurzzeitpromis leiden noch immer, andere verdienen damit heute ihr Geld.

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Ein dicker Junge sitzt in einem kärglichen Zimmer vor seinem Computer, das Monitorbild spiegelt sich in seiner Brille. Ein rumänisches Poplied wummert aus dem Computer, er reißt die Arme hoch, haut sie zum Bass in die Luft, der Schreibtisch wackelt, ebenso die Webcam, die all das filmt. Der Junge singt: "Ma-ia-hii, mai-ia-huu, mai-hoo, ma-ia-haha". Das 97-Sekunden-Filmchen hat Gary Brolsma Nikolaus 2004 ins Internet gestellt - um ein paar Freunde zu unterhalten, wie er immer wieder erklärte.

Heute, zweieinhalb Jahre später kennt den Jungen aus New Jersey fast jeder Netz-Nutzer. 700 Millionen Menschen haben das Video gesehen, schätzte die britische Marketing-Beratung "The Viral Factory" im November 2006. Brolsma ist der "Numa Numa"-Typ - 106.000 Treffer zeigt Google für Gary Brolsma, 1,3 Millionen für Numa, Numa, eine Textzeile aus jenem unsäglichen Pop-Lied.

Eine Zeit lang hat Brolsma versucht, den Wirbel um sein Filmchen zu ignorieren. Nach ersten Auftritten bei den großen US-TV-Sendern hat er keine Interviews mehr gegeben, einen Auftritt bei NBC sagte er ab, mit der "New York Times" sprach er nicht, die ihn am 26. Februar 2005 auf der Titelseite erwähnte - als "unfreiwilligen, peinlich berührten" Star.

Inzwischen hat sich Brolsma mit seinem Image als dicker Karaoke-Komiker, als "Numa Numa"-Typ arrangiert. Er präsentiert sich wieder im Netz. Aber über sein Leben verrät Gary Brolsma kaum etwas auf seiner Seite: Gitarre lernt er, produziert selbst etwas Techno. Seine Berühmtheit will er jetzt nutzen, um Geld zu verdienen.

Jetzt vermarktet Brolsma sein Image

Im vorigen September brachte Brolsma ein Video zu einem russischen Pop-Titel heraus, der eigens für ihn geschrieben wurde. Produziert und vermarktet wird der Song von einem E-Commerce-Unternehmen. Das neue Video kommt auf YouTube gut an, aber keinesfalls spektakulär.

Rund sechs Millionen Zuschauer in zehn Monaten - das reicht zwar nur für Platz 68 der meistgesehenen YouTube-Clips aller Zeiten. Aber trotzdem: Brolsmas Vermarkter haben einen Sponsoring-Partner gewonnen - einen Hersteller drahtloser Kopfhörer. Interviews mit Brolsma kosten inzwischen Geld: 300 Dollar via Webcam, 100 Dollar via E-Mail, erklärte Brolsmas Assistent James Egge auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Brolsma hat seine Bekanntheit professionell genutzt. Doch andere wollten nie in die Öffentlichkeit, leiden noch immer. SPIEGEL ONLINE hat den Geschichten der Netzsterne wider Willen nachgespürt.

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