Nach Hacker-Angriffen: NSA und Provider wollen Rüstungsfirmen schützen

Der Supergeheimdienst der USA, die National Security Agency, soll künftig in enger Zusammenarbeit mit Providern Rüstungskonzerne vor Web-Angriffen schützen. Das berichtet die "Washington Post". Eine Bürgerrechtsorganisation warnt vor dem Staatszugriff auf den Internetverkehr.

Logo der National Security Agency (NSA): Staatszugriff auf den Internetverkehr Zur Großansicht
AFP

Logo der National Security Agency (NSA): Staatszugriff auf den Internetverkehr

Washington - Es ist eine heikle Zusammenarbeit: Der US-Geheimdienst NSA will die wichtigsten Rüstungsfirmen des Landes besser vor Hackern schützen. Die National Security Agency arbeite dabei mit großen Internet-Providern zusammen, um den Datenverkehr von Waffenkonzernen wie Lockheed Martin oder Northrop Grumman auf Bedrohungen hin zu überwachen, berichtete die "Washington Post" am Freitag. US-Datenschützer warnten davor, das Programm über Rüstungskonzerne hinaus auszudehnen.

Die NSA verwende bei ihrem Pilotprogramm eine "neue Generation" von Werkzeugen, um E-Mails und anderen Datenverkehr nach "Fingerabdrücken" und nach Verhaltensmustern von schädlicher Software zu untersuchen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf ranghohe Quellen in Industrie und im Verteidigungsministerium.

Dabei klinkt sich der Geheimdienst offenbar nicht in die Firmennetze ein, sondern stellt Providern lediglich Signaturen bereit, nach denen spezielle Computer im Internet-Datenstrom fahnden sollen. Die spärlichen Informationen deuten auf eine "Deep Packet Inspection" genannte Technik hin: Die Provider leiten Daten nicht einfach weiter, sondern kontrollieren, was in den Datenpaketen enthalten ist. So soll ein Eindringen auf Server der Rüstungsunternehmen verhindert werden.

An dem Programm beteiligten sich auf freiwilliger Basis die drei großen Internet-Provider AT&T, Verizon und CenturyLink sowie 15 Waffenkonzerne. Bei dem Telekomgiganten AT&T hatte die NSA bereits nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Überwachungstechnik installiert. In einem Netzknoten in San Francisco klinkte sich der Geheimdienst ein, sämtlicher Datenverkehr konnte offenbar überwacht werden.

Jede Ausweitung des Programms über Rüstungsfirmen hinaus müsse Garantien beinhalten, dass privater Internetverkehr vor dem Zugriff der Regierung geschützt werde, mahnte der Vizepräsident der Bürgerrechtsorganisation "Zentrum für Demokratie und Technologie", James Dempsey. "Keiner will, dass dies zu einem Hintertürchen für Überwachung wird", betonte er.

Die Hackerszene scheint derzeit besonders aktiv. Rüstungsriese Lockheed Martin wurde vorigen Monat Ziel einer Cyber-Attacke, auch der Internationale Währungsfonds und der US-Senat wurden ins Visier genommen. Erst vor wenigen Tagen hatte die Hackergruppe LulzSec (Lulz Security) die Web-Seite des US-Geheimdienstes CIA mit massenhaften Abfragen zum Erliegen gebracht.

ore/dpa-AFX

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insgesamt 2 Beiträge
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1. EXKLUSIVINFO - Hacker wollen Regierung Südafrikas stürzen!
2010sdafrika 18.06.2011
Die Hackergemeinschaft um Anonymous will die südafrikanische Regierung von Jacob Zuma stürzen, da dieser nach Einschätzung der Hacker ihre Legitimität verloren hätte: http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/06/13/hacker-wollen-regierung-sudafrikas-sturzen/. Was meinen Sie hierzu ???
2. +
roflem 18.06.2011
Zitat von 2010sdafrikaDie Hackergemeinschaft um Anonymous will die südafrikanische Regierung von Jacob Zuma stürzen, da dieser nach Einschätzung der Hacker ihre Legitimität verloren hätte: http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/06/13/hacker-wollen-regierung-sudafrikas-sturzen/. Was meinen Sie hierzu ???
ich meine wenn man diesen Kindergarten einfach ignorieren würde, wären die ganz bald das was sie wirklich sind: Kleinkinder mit Grössenwahn die nur spielen wollen.
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Das nach eigenen Angaben kleine Hackerkollektiv LulzSec hat sich auf das Aufspüren und Ausnutzen von Sicherheitslücken spezialisiert. Ziele waren unter anderem Sony, Nintendo, die Nachrichtenseite PBS und der Cyber-Sicherheitsverband InfraGard. LulzSec steht für "Laughing at your security". Die "Lulz", der Spaß am Unsinn, sind eine Erfindung aus dem Anarcho-Bilderforum 4Chan, in dessen Umfeld auch die lose organisierte Spaßguerilla Anonymous entstanden ist. Der Werbespruch im Twitter-Profil von LulzSec lautet: "Weltmarktführer in Sachen Spitzenunterhaltung auf Eure Kosten."

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