Nachrichten vom Krieg "...bereiten sich die USA auf ein Gemetzel vor"

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2. Teil: Im zweiten Teil: Zeugenberichte, Lobby-Perspektiven und die Sichtweisen des Irak-Kriegs im angrenzenden Ausland - das Internet hat auch die Nachrichten globalisiert und macht uns Medien zugänglich, von denen man früher nur im Fernsehen hörte. Weiter...


Groß ist da die Nachfrage nach abwägenden Quellen, die dem Leser die Suche im Dickicht der Propaganda erleichtern, am besten noch eigenes Zeugentum beisteuern können. Indymedia wagt wie stets den Blick aus der Straßenperspektive: Heute steuert Rosemarie Gillespie ihre Sicht der Dinge zum großen Bilde bei. Sie steht als menschlicher Schutzschild vor einem Wasserwerk in Bagdad und kann berichten, was sie selbst sieht: "Die zielen auf die Brücken".

Mainstream-Medien gegen Indymedia, das ist wie Guido Knoop gegen Bernt Engelmann: Der eine erzählt vom Wüten der Heerführer, der andere vom Leiden der Bauern. Beide tragen zur Wahrheit bei, obwohl sie unterschiedliche Geschichten erzählen.

Das versucht auch das AlterNet, das professionelle Medienquellen mit solche aus dem "egagierten Lager" zusammenführt. Im Gewand einer Nachrichtenseite kommt ElectronicIraq daher, eine Kooperation zwischen dem humanitären Irak-Projekt Voices in the Wilderness und der Electronic Intifada, einem höchst parteiischen alternativen News-Netzwerk: "Gegen die israelische Maschinerie" heißt das Motto der Organisations-Website.

Eng verwandt ist die Website des Iraq Peace Team, die dem Newsfluss der tagesaktuellen Medien den Zeugenbericht entgegen stellt: Auch diese Website kommt aus den Kreisen von Voices in the Wilderness, einer Organisation, die sich als "absolut gewaltfrei" bezeichnet - die zur Electronic Intifada und ihrer Glorifizierung des gewalthaltigen Widerstands aber keine Berührungsängste zu haben scheint. Zeugenberichte sammelt auch Jeremy Scahill von Democracy Now! auf seiner Website IraqJournal - dem Trommelfeuer der Kriegsnachrichten können die freien, alternativen Nachrichtenanbieter fast nur noch die subjektive Perspektive entgegensetzen.

Die andere Profi-Perspektive: Arabische Medien

Das wirklich aktuelle Ereignis hingegen findet kaum einen Niederschlag. Zum Glück mehrt sich auch die Zahl der ins Englische übertragenen arabischen Newsseiten. Al-Dschasira, eine Quelle, auf die viele hoffte, überlebte im Web nur wenige Stunden, bevor das arabische CNN-Gegenstück von wahrscheinlich amerikanischen Hackern so gründlich abgeschossen wurde, dass die Server völlig kollabierten.

Doch es gibt noch zahlreiche andere Quellen von stramm islamistisch bis zu moderat. Zu letzteren könnte man ArabicNews zählen, die gerade deshalb einen interessanten Einblick in die Effekte des Krieges auf muslimische Gesellschaften bieten.

IraqDaily ist da eher ein Etikettenschwindel: das WorldNewsNetwork sammelt hier einfach AP- und Reutersmeldungen, die meisten Quellen scheinen den Yahoo!-News "entliehen". Weit originärer sind da schon die Angebote der Tageszeitungen aus verschiedenen Nationen der Region (siehe Linkverzeichnis). Einige, wie Kurdishmedia, haben natürlich ihre spezifische Perspektive. Bei anderen, wie Al Thawra, klingt unverhohlen die Wut über den Angriff aus dem Westen durch.

All das sind nicht mehr als Schlaglichter auf die Realität aus wechselnden Perspektiven. Genau das aber hat erst das Internet in dieser Form für jedermann möglich gemacht: Wer will, surft hinaus und sieht sich an, wie andere Menschen auf Nachrichten reagieren, wie sie sie deuten und bewerten. Die Propaganda ist überall, aber man muss sich ihr zumindest nicht ausliefern. Irgendwann dann weiß man, wer am wenigsten gelogen hat über diesen Krieg.

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  • 2. Teil: Im zweiten Teil: Zeugenberichte, Lobby-Perspektiven und die Sichtweisen des Irak-Kriegs im angrenzenden Ausland - das Internet hat auch die Nachrichten globalisiert und macht uns Medien zugänglich, von denen man früher nur im Fernsehen hörte. Weiter...
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