Nachrichtendominanz: Kein Tag ohne Google
Manchmal wünscht sich SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Christian Stöcker, er könnte sich Google entziehen. Zumindest kurzzeitig. Doch der rastlose US-Konzern produziert Nachrichten über Nachrichten - es gibt kein Entkommen.
Es ist nicht immer leicht, als Journalist über das Internet zu schreiben. Nicht nur, weil es so groß, chaotisch, weltverändernd, seltsam und vielfältig ist. Sondern auch, weil so viel von dem, was darin passiert, von so wenigen großen Unternehmen dominiert wird. Und man ununterbrochen über deren Wirken berichten muss, ob man nun will oder nicht.
Der, rein nachrichtlich, dominanteste dieser Konzerne war auch 2010 wieder: Google.
Im Januar präsentierten die Suchmaschinisten ihr erstes eigenes Handy.
Im Februar startete mit gewaltigem Brimborium der Twitter-plus-Facebook-plus- Googlemail-Dienst Buzz - und sorgte für Empörung, weil Google sich grobe Schnitzer in Sachen Privatsphäre erlaubt hatte.
Google fliegt aus China raus
Im März kündigte der Konzern an, man werde wegen Hacker-Angriffen in China künftig Suchergebnisse nicht mehr zensieren - und flog daraufhin aus dem Land.
Im Mai wurde bekannt, dass die Street-View-Kamerawagen nicht nur Fotos gemacht, sondern auch W-Lan-Hotspots erfasst hatten - mitsamt, wie sich später herausstellte, bruchstückhaften Daten aus den Funknetzen, einschließlich E-Mail-Adressen, Passwörtern und Web-Adressen.
Im August wurde ein offizielles Startdatum für Straßenansichten aus 20 deutschen Städten verkündet, und in Berlin nutzten diverse Minister die Gelegenheit, das Sommerloch um einen Aufreger zu bereichern. Am Ende widersprachen über 240.000 Haushalte der Abbildung ihres Heims bei Street View.
Im Dezember eröffnete der Digitalbuchladen der Suchmaschinisten, eine direkte Konkurrenz zu Amazon.
Google generiert Nachrichten wie kaum ein anderes Unternehmen - viele davon haben allerdings keinen Bestand: Buzz kann getrost als Flop bezeichnet werden, wird demnächst womöglich ebenso eingestellt wie schon der Google-Kommunikationsdienst Wave. Das Google-Handy Nexus One wird in den USA schon seit August nicht mehr verkauft. Das Google-Betriebssystem Chrome OS und die TV-Boxen namens Google TV wurden angekündigt und dann doch vertagt.
Und trotzdem: Auch 2011 wird unweigerlich wieder ein Google-Jahr werden. Zumindest aus Journalisten-Sicht.
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- Freitag, 24.12.2010 – 11:59 Uhr
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Glanzlichter, Tragödien, Katastrophen, Glücksmomente - auf SPIEGEL ONLINE schildern Redakteure, Reporter und Autoren, wie sie die besonderen Ereignisse des Jahres erlebten.
JANUAR
Björn Hengst und Marc Pitzke erlebten das Erdbeben in Haiti, Barbara Hans blickt zurück auf den Missbrauchsskandal in Kirchen und Schulen
FEBRUAR
Severin Weiland schreibt über FDP-Chef Westerwelle und die "spätrömische Dekadenz" , Barbara Hans erinnert an den Rücktritt der Bischöfin Margot Käßmann
MÄRZ
Axel Bojanowski mühte sich phonetisch beim Ausbruch des Eyjafjallajökull in Island
APRIL
Philip Bethge war dabei, als die Ölpest am Golf eine einmalige Naturlandschaft zu zerstören drohte
MAI
Sebastian Fischer traf der Rücktritt des Bundespräsidenten Köhler überraschend, Mike Glindmeier staunte über den Eurovisions-Siegeszug der Lena Meyer-Landruth
JUNI
Stefan Schultz beschäftigte das Comeback der Atomkraft
JULI
Julia Jüttner und Jörg Diehl über die Love-Parade-Katastrophe, Katharina Peters über Spanien als Fußballweltmeister , Jochen Leffers über die gescheiterte Schulreform in Hamburg , Hendrik Ternieden über Lothar Matthäus , Matthias Kremp über Stuxnet und die Cyberkrieger
AUGUST
Ann-Dorit Boy war Augenzeugin der Brände in Russland , Hasnain Kazim bei der Flutkatastrophe in Pakistan , Roman Büttner fuhr einen Mercedes SLS auf der Nordschleife des Nürburgrings
SEPTEMBER
Hasnain Kazim und Anna Reimann über die Thesen des Thilo Sarrazin, Florian Gathmann über Grüne auf Rekordhoch , Hendrik Ternieden über blutigen Protest bei Stuttgart 21
OKTOBER
Klaus Ehringfeld erlebte die Rettung chilenische Bergarbeiter , Simone Utler berichtete über giftigen Rotschlamm in Ungarn , Annette Langer verfolgte einen Kinderpornografie-Skandal in Belgien
NOVEMBER
Ole Reißmann und Christoph Seidler über die Castor-Transporte nach Gorleben, Yassin Musharbash über Terror-Alarmismus , Frank Patalong über IT-Sicherheit und Christian Stöcker über die Nöte von Journalisten, die ständig über Google schreiben müssen .
DEZEMBER
Yasmin El-Sharif fragt sich, wie sich die Hartz-IV-Debatte auf Kinder auswirkt, Marc Pitzke dokumentiert die Rückkehr der Gier an der Wall Street , Christoph Seidler war Augenzeuge beim Klimagipfel in Cancún , Sven Böll warnt vor teutonischer Euro-Arroganz und Niels Reise fragt sich, wohin Schweden steuern wird.
Dieses Tool lädt allerdings geradezu zu Missbrauch ein. Nicht nur, weil man damit natürlich beliebig viele Anträge auch für Fremde stellen kann. Sondern auch, weil Google ausdrücklich nicht nur die Adresse des jeweiligen Gebäudes für die Zusendung des Codes akzeptiert. Man kann den Code auch an eine andere Adresse senden lassen. Scherzbolde könnten Google auf diese Weise zu einem dramatischen Anstieg der Portokosten verhelfen. Dass sich das allerdings spürbar auf den Jahresgewinn des Konzerns auswirkt, ist zu bezweifeln.
Google Germany GmbH
Betr. Street View
ABC-Straße 19
20354 Hamburg
Der Antrag sollte neben der genauen Adresse des Hauses auch den Namen des Mieters oder Eigentümers sowie eine grobe Beschreibung der Hausfassade (Farbe, Material, Dachform) enthalten.
Widersprüche, die nach dieser Frist eingehen, werden erst nach der Einführung von Street View in das Angebot eingearbeitet. Häuser, die auf diese Weise nachgemeldet werden, sind also vorerst noch online zu sehen.
Am Widerspruchsverfahren kann auch teilnehmen wer in einem Ort wohnt, der noch nicht von Street View erfasst wurde. So kann man schon im Vorfeld icherzustellen, dass sein Haus unkenntlich gemacht wird, sollte die jeweilige Ortschaft zu einem späteren Zeitpunkt in Street View eingebettet werden.
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