Nachwuchs bei Facebook Grundregeln für das Netzgemüse

Keine Panik, ist doch nur Internet! Wie Eltern die Internet-Erziehung ihrer Kinder ganz entspannt angehen können, verraten Tanja und Johnny Haeusler in ihrem Buch "Netzgemüse - Aufzucht und Pflege der Generation Internet". Wir präsentieren einen Auszug.

Buchcover "Netzgemüse": Wegweiser für Eltern
Verlagsgruppe Random House GmbH

Buchcover "Netzgemüse": Wegweiser für Eltern


Die oft erzählte Geschichte geht so: Da gibt es den Firmenchef oder den Personalentscheider, bei dem sich ein junger Mann und eine junge Frau nach ihrem Schulabschluss um einen Ausbildungsplatz bewerben. Der Personalentscheider sucht nach Erhalt der Bewerbung nach den Namen der beiden bei Facebook und findet von dem jungen Mann Fotos, auf dem der Jugendliche bei der Abifeier angetrunken zu sein scheint, und von der jungen Dame die "Like"-Angabe bei einer politischen Gruppierung.

Der Personalentscheider sagt beiden ab, denn er will in der Firma niemanden, der Alkohol trinkt, und vertritt eine andere politische Meinung als die Bewerberin. Dieser Fall der Effekte von Facebook-Profilen, die nicht nur für Freunde einsehbar sind, ist konstruiert, doch er ist möglich und sogar wahrscheinlich. Es gibt Personalentscheider, die so funktionieren.

Hart gesagt gibt es also nur zwei mögliche Ratschläge für Sie und Ihre Kinder in Bezug auf die Nutzung von Facebook oder dem Internet generell, das schließlich auch an vielen anderen Stellen Möglichkeiten zur Selbstdarstellung bietet.

Der erste davon lautet: Veröffentlichen Sie keinerlei persönliche Meinungen, Fotos, Interessen oder Vorlieben im Internet. Egal, was Sie öffentlich im Netz tun - und fast alles, was Sie im Netz tun, ist mehr oder weniger öffentlich: Irgendjemand könnte im Verlauf Ihres Lebens daran Anstoß nehmen und Ihre Karriere negativ beeinflussen, indem er Ihnen zum Beispiel einen Job nicht gibt.

Schaffen Sie es, Nein zu sagen

Oder aber Sie befolgen den zweiten Ratschlag: Erziehen Sie Ihre Kinder zu starken und eigenständigen Persönlichkeiten, die den Job von einem solchen Personalentscheider erst gar nicht wollen, der offenbar zu bigott ist, um zugeben zu können, dass er auch mal gefeiert hat, und der sich an der politischen Einstellung einer jungen Frau stört, noch bevor er sie als mögliche Mitarbeiterin kennengelernt hat. Und sorgen Sie, soweit dies in Ihrer Macht steht, vor allem dafür, dass Ihre Kinder in ihrem zukünftigen Berufsleben anders mit Menschen umgehen als dieser Personalentscheider.

Die beiden Ratschläge sind Extreme, das tatsächliche Online-Verhalten unserer Kinder wird im gesunden Mittelweg liegen. Doch im Kern sind die Aussagen korrekt, denn die gesellschaftlichen Herausforderungen, vor die uns das Internet im Allgemeinen oder Facebook im Speziellen stellen, sind menschlicher Natur, und für welchen persönlichen Umgang mit den digitalen Medien wir uns entscheiden, hängt von unserer individuellen Sozialisierung, unserem beruflichen und privaten Umfeld und unserem Charakter ab.

Niemand zwingt Sie, Facebook zu nutzen. Vielleicht haben Sie Freunde, die sie dazu drängen wollen, weil es "so schön einfach" sei, vielleicht wollen Sie von diesen Freunden jedoch gar nicht täglich über deren Aktivitäten informiert werden, vielleicht haben Sie auch einfach genug andere Dinge zu tun oder Ihnen ist ein bisschen unwohl bei dem Gedanken daran, dass Mark Zuckerberg weiß, welche Musik Sie mögen. Dann sagen Sie "Nein" zu Facebook. Sie schaffen das.

Keine totale Kontrolle über Daten

Für Ihre heranwachsenden Kinder stellt sich die Sache ab einem gewissen Alter unter Umständen jedoch etwas anders dar. Gerade bei angehenden Teenagern und Jugendlichen, die bereits mitten in der Pubertät stecken, kann der Wunsch nach Gruppenzugehörigkeit, der Drang zur Selbstdarstellung und die eigene Eitelkeit solche an sich freien Entscheidungen mit beeinflussen und der soziale Druck wachsen, bei Facebook mitmachen "zu müssen". Weil alle anderen ja auch ... na, Sie wissen schon.

Natürlich geben wir unseren Kindern dabei generelle Empfehlungen mit auf den Weg. Wir legen ihnen den gewissenhaften Umgang mit ihren Privatsphären-Einstellungen bei Facebook ans Herz. Wir raten ihnen bei der Veröffentlichung von Fotos, auf denen Dritte zu sehen sind, diese vorher um Erlaubnis zu fragen. Und wir bitten sie inständig, nichts zu veröffentlichen, das nicht sowieso jeder sehen oder wissen darf - denn selbst, wenn ein Foto auf Facebook nur für drei Freunde sichtbar ist, kann jeder von ihnen das Foto auf seinem lokalen Computer speichern und es dann per Handy oder E-Mail an Dritte weiterleiten. Völlig kontrollierbar sind digitale Daten also nie.

Unsere Eltern-Einschätzung dessen, was jeder sehen und wissen darf, unterscheidet sich dabei aber wahrscheinlich massiv von der unserer Kinder. Als Eltern mögen wir ein wenig zu besorgt sein und eine endlose negative Tragweite im Falle eines Falles befürchten, während unsere Kinder naiver und sorgloser mit ihren Daten umgehen. Gerade für junge Menschen, denen Mode, Styling und Selbstdarstellung enorm wichtig sind und die sich gerne erwachsen und manchmal auch "sexy" präsentieren wollen, ist es mitunter nicht leicht, den Vorstellungen der Eltern zu entsprechen. Für die es wiederum oft schwer ist, den Selbstdarstellungsdrang ihrer Kinder zu ertragen.

Beistand, Hilfe - und im Notfall die Polizei

Ein Stück weit müssen wir da durch. Und ein anderes Stück weit gilt es, im Gespräch mit den Kindern deutlich zu machen, warum wir uns sorgen, wenn wir zum Beispiel ihre Fotos zu aufreizend oder zu privat finden. Reden Sie hierbei Klartext mit Ihrem Sohn und Ihrer Tochter: Es gibt Menschen, die freizügigere Fotos als Einladung für Flirtversuche oder im wahrsten Sinne des Wortes schlichte Anmache missverstehen. Und mit diesen will das Netzgemüse sicher nichts zu tun haben, denn sie sind mindestens nervig und aufdringlich und im schlimmsten Fall auch gefährlich.

Um solche Menschen generell zu vermeiden, sollten Sie sich und Ihre Kinder zusätzlich mit den diversen Sperr-, Melde- und Blockierverfahren bei Facebook und anderen Diensten vertraut machen. Zusätzlich zu den generellen Einstellungen zur Privatsphäre kann jeder Teilnehmer ohne Angabe von Gründen einzelne andere Facebook-Nutzer dauerhaft blockieren, also völlig vom eigenen Profil aussperren, diesen ist es danach nicht mehr möglich, Kontakt aufzunehmen oder Fotos oder andere eigene Veröffentlichungen einzusehen. Eindeutig aufdringliche Personen oder gar Menschen, die einem ungefragt Fotos mit etwa sexuellen Inhalten schicken, kann man zudem mit wenigen Klicks bei Facebook nicht nur sperren, sondern zusätzlich auch wegen Missbrauchs und Belästigung nicht nur bei Facebook, sondern in letzter Konsequenz auch bei der Polizei melden, also anzeigen.

Sprechen Sie auch über diese Möglichkeiten mit Ihren Kindern, bestehen Sie darauf, dass sie diese Funktion kennen und im Falle eines Falles auch nutzen. Und versichern Sie ihnen vor allem, dass sie auch im Fall von Online-Problemen mit Ihnen reden können und Beistand und Hilfe finden.

Dieses Kapitel ist ein Auszug aus "Netzgemüse" von Tanja und Johnny Haeusler. Das Buch erscheint Mitte November im Goldmann-Verlag und kann ab sofort vorbestellt werden.

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insgesamt 3 Beiträge
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dutchinnz 12.11.2012
1. Wieder ein Buch
dessen Titel eigentlich sein sollte: "Wie mache ich Geld aus ein Buch für Leute, die zu beschränkt sind um selbst zu denken", das in der Serie: "....... for dummies", welche, berechtigterweise, in den VS so beliebt ist.
alettoria 12.11.2012
2. Wieso schreibe ich einen Kommentar...
... wenn ich der deutschen Sprache nicht mächtig, also selbst ein Dummy bin? Es könnte ja durchaus Erwachsene geben, die sich mit dem Internet und erst recht Facebook nicht auskennen, ihren Kindern aber zur Seite stehen wollen. Es soll da tatsächlich welche geben, die sich aus Büchern informieren. Und nebenbei vielleicht sogar deutsch lernen...
zila 12.11.2012
3. Twitter is a simple tool for smart people, FB is a smart tool for simple people.
Natuerlich sollte man davon ausgehen, dass bei einer Bewerbung oder im fruehen Stadium einer Beziehung jemand neugierig ist und bei FB das oeffentliches Profil einsieht. Es gibt genug, die ihre Gesundheitsprobleme ueber FB eroertern oder noch ueber Kunden und Aerzte herziehen, wenn vielleicht auch ohne direkte Namensnennung. Die haben das Medium nicht kapiert. Ein gut gemachtes FB-Profil kann natuerlich auch positiv zurueckscheinen. Bei Twitter ist die Gefahr aufgrund der Kuerze dort etwas geringer, aus 1500 Follows und 1000 Followern ein Profil zu erstellen ist wenig aussagekraeftig. Je groesser und diffuser ein Profil wird, desto besser fuer den Besitzer.
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