Napster-Hack 252 Audio-CDs zum Nulltarif

Für 15 Dollar pro Monat können Musikfans in den USA bei Napster so viel Musik downloaden und auf ihren MP3-Player überspielen, wie sie wollen. Brennen ist eigentlich nicht erlaubt, doch es geht offenbar trotzdem, die richtige Software vorausgesetzt.


Napster to go: "Das DRM ist intakt"

Napster to go: "Das DRM ist intakt"

Vor einigen Jahren, als Napster noch eine viel besuchte, illegale Tauschbörse war, saugte sich mancher Nutzer rund um die Uhr seine Festplatte mit MP3s voll. An diese Zeiten hofft der inzwischen juristisch saubere Napster-Dienst anzuknüpfen. Beim neuen Angebot "Napster to go", einer Art Musik-Flatrate, dürfen die Kunden nämlich so viel saugen, wie sie wollen.

Die Songs im WMA-Format können auf dem (Windows-)PC und auf bestimmten portablen Playern beliebig oft abgespielt werden. Das funktioniert allerdings nur so lange, wie die monatlichen Abogebühren von 15 Dollar bezahlt werden. Wer sein Abo kündigt, kann die Tausende herunter geladenen Songs nicht mehr anhören, das sogenannte Digitales Rechtemanagement (DRM) macht's möglich. Streng genommen handelt es sich bei "Napster to go" deshalb gar nicht um eine Flatrate, sondern eher um eine Musikmiete. Der Katalog, aus dem man sich frei bedienen kann, umfasst nach Napster-Angaben mehr als eine Millionen Titel.

Brennen darf der Musik-Mieter seine Songs nicht - das wäre ja auch zu schön für die Abonnenten. Für drei Monate ein Abo abschließen, alles herunterladen, was einem gefällt, auf CD archivieren, und danach das Abo kündigen.

Doch es gibt einen Weg, die Downloads auf Audio-CDs zu verfrachten. In einem Blog wird detailliert beschrieben, wie man während des zweiwöchigen Probeabos seine Musiksammlung um 252 randvoll gefüllte Audio-CDs erweitern kann. Ein bei Napster unerwünschtes Back to the Roots.

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Nötig ist lediglich das verbreitete Musikprogramm Winamp und ein zusätzliches Plugin. Sobald Winamp einen bei Napster herunter geladenen Titel abspielt, legt das Plugin den Song als unkomprimierte WAV-Datei auf der Festplatte ab - das DRM wird dabei offenbar ausgetrickst.

14 Tage kostenloses Probeabo, so rechnet der Blogger vor, seien 336 Stunden, was genau 252 CDs mit je 80 Minuten Musik entspricht. Man brauche drei PCs, einen schnellen Internetzugang und "ein paar engagierte Leute", um die CDs rund um die Uhr zu befüllen. Ein Rechner erledige die Downloads, der zweite erzeuge daraus die WAV-Dateien, der dritte brenne die CDs.

Bei Napster reagierte man gelassen auf die publik gewordene Brennoption. Derartige Techniken seien nicht neu und auch bei anderen Angeboten möglich. "Das DRM ist intakt", sagte ein Sprecher CNN. "Im Grunde nehmen die Leute die Musik direkt von der Soundkarte auf."

In dem Blog wurde diese Aussage jedoch bestritten. Es handle sich um keine Redigitalisierung des analogen Signals am Soundkartenausgang. Die Daten würden vielmehr ohne Verluste aus dem WMA-Format und WAV gewandelt. "Die Musik verlässt nie das Reich des Digitalen." Qualitätsverluste würden erst auftreten, wenn man die WAV-Dateien anschließend ins MP3-Format komprimiert.

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