Nazi-Videos Zentralrat der Juden geht gegen Google vor

Der Zentralrat der Juden will Google vor Gericht bringen. Der Konzern mache sich mit seiner Tochter YouTube der Mittäterschaft an "Rassenhass und Diskriminierung" schuldig. Dort seien rassistische und antisemitische Videos zu sehen.


Hamburg - "Die rechte Szene nutzt YouTube massiv als Plattform", sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer. Man habe bei einem Hamburger Gericht eine einstweilige Verfügung beantragt. "Wir werfen Google vor, dass sie sich mit ihrer Tochter, der Videoplattform YouTube zu Mittätern an Rassenhass und Diskriminierung machen", so Kramer. Auf YouTube fänden sich volksverhetzende Videos, so Kramers Begründung. Als Beispiel nannte er ein Video auf dem ein Bild des verstorbenen Zentralrats-Präsidenten Paul Spiegel verbrannt wird. Im Hintergrund seien Hakenkreuze zu sehen gewesen. Monatelang habe man den Film bei YouTube abrufen können.

Hitler-Clip bei YouTube (Archivbild): Zentralrat nennt Betreiber "Mittäter an Rassenhass und Diskriminierung"

Hitler-Clip bei YouTube (Archivbild): Zentralrat nennt Betreiber "Mittäter an Rassenhass und Diskriminierung"

Es ist nicht das erste Mal, dass derartige Vorwürfe gegen YouTube laut werden. Im Jahr 2006 wurden dort Filme mit rechtsextremen und anderen höchst fragwürdigen Inhalten gefunden, im November 2007 waren trotz einer neuen Filtersoftware Nazi- Propagandafilme wie "Jud süß" dort zu finden.

Kramer sagte, die YouTube-Betreiber gingen augenscheinlich nicht wirksam gegen Nazipropaganda vor. Der Konzern wies die Vorwürfe zurück. Google-Sprecher Kay Oberbeck sagte bei einer Veranstaltung der Kampagne "Laut gegen Nazis" in Hamburg: "Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst."

YouTube setzt in erster Linie auf Selbstreinigung - Nutzer können Videos, die ihnen aus irgendeinem Grund unpassend erscheinen, mit einem Mausklick melden. "Diese Beschwerden werden von geschulten Mitarbeitern in Empfang genommen", sagte Oberbeck. Wenn Inhalte von der Plattform verbannt würden, könnten sie dank einer speziellen Technologie nicht erneut geladen werden.

Zudem arbeite das Unternehmen mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia (FSM) zusammen, um jugendgefährdendes Material fernzuhalten. Kramer forderte die Betreiber auf, zusätzliches Personal einzustellen, um das eigene Angebot gezielt nach extremistischen und gefährdenden Inhalten zu durchforsten. Vorbildlich sei die Zusammenarbeit mit dem Online-Auktionshaus Ebay.

cis/dpa



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