Plauderstunde mit Neal Stephenson Schwerter sind toll, Twitter enttäuscht

Der Schriftsteller Neal Stephenson tritt bei der diesjährigen Sicherheitskonferenz Black Hat als Stargast auf. Im Bühnen-Interview mit dem Journalisten Brian Krebs spricht er über Schwertkämpfe, fehlende Haikus auf Twitter - und darüber, wie Fiktion Technologie voranbringen kann.

Aus Las Vegas berichtet

Neal Stephenson: Der Autor wirbt für ein Schwertkampf-Spiel

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Als der Science-Fiction-Schriftsteller Neal Stephenson morgens auf der Bühne des Caesar's Palace in Las Vegas sitzt, ist der große Saal nicht voll besetzt. Dabei hat die Black Hat mit ihm einen Star geladen, der in der Szene viele Fans hat - nur sind viele von denen noch gar nicht wach. Zu exzessiv war die letzte Nacht, zu viele Drinks gab es bei der schicken Party, die eine der Sponsoren-Firmen geschmissen hat.

Manche schauen noch mit müden Augen auf das, was ihnen da auf der Bühne geboten wird - und das eignet sich durchaus zum Zurücklehnen. Denn Stephenson hält keinen Vortrag, sondern lässt sich auf der Bühne vom Journalisten Brian Krebs interviewen. Es war eine kleine Live-Talkshow, zwei Männer in Sesseln plaudern über dies und das.

Soziale Netzwerke seien nicht so sehr seine Sache, sagt Stephenson zum Beispiel. Von Twitter sei er enttäuscht, er habe sich von dem Dienst Haiku-artige Tweets erhofft, aber die bekäme man dort nur selten zu sehen. Spiele begeisterten ihn hingegen sehr, "Halo" zum Beispiel. Außerdem sei er ein Schwerter-Geek. Deshalb habe er jüngst eine halbe Million Dollar über Kickstarter für sein Projekt "Clang" gesammelt, um den Schwertkampf in Videospielen realistischer zu gestalten.

Wie er denn zu Schusswaffen stehe? "Ich sehe mich da auf dem Mittelweg. Ich hasse sie nicht, aber ich wünsche mir auch nicht, dass sie verschwinden", er selbst besitze sogar ein paar. "Aber sie zu benutzen wäre nur ein sehr teurer Weg, Löcher in Papier zu machen."

Ob denn seine Bücher nicht verfilmt werden, möchte Krebs wissen. "Die meisten sind zu lang, eine Kurzgeschichte eignet sich besser für eine Leinwand-Adaption. Ich aber schreibe dicke, fette Romane". Er arbeite jedoch mit dem britischen Filmemacher Joe Cornish am Langzeitprojekt, seinen Roman Snow Crash zu verfilmen.

Zwischenzeitlich wirkt die lockere Plauderei auf der Fachkonferenz fast etwas fehl am Platz. Er sei auch bisher noch nie auf der Black Hat gewesen, sagt er, und im privaten Gebrauch nehme er das mit der Sicherheit schon länger nicht mehr so genau. "Ich habe das für eine Weile gemacht, zum Beispiel alle meine Mails zu verschlüsseln. Das hat technisch funktioniert, aber sozial nicht". Jetzt gehe er einfach "relaxed" damit um, "ich habe ja keine solchen Geheimnisse zu hüten wie die National Security", sagt er. "Ich versuche einfach, ein wenig nachzudenken, bevor ich eine E-Mail schreibe."

Ein 20 Kilometer hoher Turm

Doch bei allen Unterschieden findet er einen Zusammenhang zwischen seinem eigenen Schaffen und dem des Konferenzpublikums: "Meetings und PowerPoint-Präsentationen sind nicht gerade der unterhaltsamste Weg, alle an einem Strang ziehen zu lassen." Science-Fiction aber könne den Menschen ein "gemeinsames Bild geben, an dem sie mitmalen können." Selbst fiktiv zu schreiben sei vielleicht auch eine gute Übung, denn man müsse nicht nur etwas erdenken, sondern es auch einbetten in einen ökonomischen Rahmen. Man stelle sich als Autor Fragen, die sich auch Technologen stellen müssen: "Warum wäre das cool? Warum sollten Leute das benutzen wollen? Wie würde es ihr Leben beeinflussen?"

Dafür allerdings dürfe das Genre nicht so dystopisch sein, sondern müsse optimistischere Blicke in die Zukunft werfen. Daran arbeite er auch, zum Beispiel mit einem Text über die Idee, einen 20 Kilometer hohen Turm zu bauen, "ein ziemlich schwieriges und interessantes Problem". Zunächst aber müssten seine Romane zukunftssicher werden, damit die Technik sie nicht allzu schnell überholt; in seinem neuesten Werk "Reamde" zum Beispiel hat er Begriffe wie iPhone oder Blackberry einfach durch "phone" ersetzt - damit sie nicht schon in wenigen Jahren veralten.

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