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Neonazi-Videos auf YouTube: Google bastelt den Super-Filter

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YouTube-Eigentümer Google gibt sich kämpferisch: Mit bald verfügbarer Hashing-Technik sollen einmal als unerwünscht markierte Inhalte nie mehr eingestellt werden können - sei es nun Neonazi-Propaganda oder urheberrechtlich geschütztes Filmmaterial.

Verzerrte Gitarren, die ein Punk-Riff spielen. Eine Fotomontage, auf der George W. Bush den Hitlergruß macht. Eine Männerstimme, die grölt: "Opa war Sturmführer bei der SS." Schlagringe, Hakenkreuze, Hitler vor dem McDonalds-Logo. Eine Kommentarleiste, in der steht: "Diese scheiss verdammten Medien. Alles verjudet."

NS-Propagandafilm "Jud Süß": Bei YouTube frei zum Abruf
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NS-Propagandafilm "Jud Süß": Bei YouTube frei zum Abruf

Rechtsradikale Videoclips auf Online-Plattformen wie YouTube sind so abstoßend wie befremdlich - und kaum tot zu kriegen. Nicht nur das Kunstwerk ist im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit unausrottbar, sondern auch das hetzerische, strafbare Machwerk.

Nutzer können einzelne Videos zwar als unangemessen markieren. YouTube überprüft dann den Inhalt und löscht den Clip gegebenenfalls. Doch digitale Videos können beliebig kopiert und immer wieder neu ins Netzwerk geschleust werden.

Nazi-Zensur per Hashing-Verfahren

Diesem Hase-Igel-Problem will YouTube nun per sogenannter Hashing-Technik Herr werden. "Wir arbeiten an einem Verfahren, mit dem einmal gelöschte Videos nicht wieder online gestellt werden können", sagt Kay Oberbeck, Google-Sprecher für Nordeuropa, zu SPIEGEL ONLINE.

Von dieser Technik spricht YouTube allerdings schon seit Monaten - im Zusammenhang mit Urheberrechtsverletzungen: Auch geschützte Musikstücke und Videoclips will das Unternehmen via Hashing-Technik dauerhaft aus dem Netzwerk verbannen.

Wie zuverlässig die maschinelle Erkennung von Musik und Bewegtbildern funktioniert, ist ungeklärt; wann das Verfahren eingesetzt wird, ebensowenig. Genauere Angaben will Google vorerst nicht machen. Auch nicht dazu, ob Neonazi-Inhalte für alle Zuschauer weltweit oder allein für deutsche Nutzer gesperrt werden sollen. Schließlich ist in den Vereinigten Staaten weit mehr erlaubt als in Deutschland.

Mit länderspezifisch gefilterten Angeboten hat der Google-Konzern Erfahrung: Bei der deutschen Version der Suchmaschine entfernt man unerwünschte Treffer aus dem Suchindex, die bei der US-Version weiter zu finden sind. Bekanntes Beispiel: das Porno-Portal Youporn.

Hintergrund der Filter-Versprechen: Samuel Korn, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, erwägt, Strafanzeige gegen YouTube zu erstatten. Plädieren will man auf "Beihilfe zur Volksverhetzung". Rechtsexperten räumen dem Versuch wenig Chancen ein.

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