Net-Demografie Ein surfendes Völkchen

Mehr als die Hälfte der Deutschen sei inzwischen online, glaubt TSN Emnid. Zwar senken Frauen den Schnitt, aber den heben dann ja wieder die qualifizierten Arbeitslosen. Die kennen sich da aus – schließlich kommen sie aus der Branche.


[M] REU

Mehr als die Hälfte der Deutschen nutzt das Internet, aber weitaus weniger Frauen als Männer surfen im Netz. Das ist das Ergebnis des (N)Onliner-Atlas 2003, der umfangreichsten Erhebung über die Nutzung des Internets in der Bundesrepublik. Die dritte Studie von TSN Emnid und der Unternehmens-Initiative D 21 mit mehr als 30.000 Befragten wurde am Montag in Berlin vorgestellt.

Erstmals stehen in Deutschland mehr Menschen auf der Surfer-Seite des "digitalen Grabens": 50,1 Prozent Onlinern stehen 42,7 Prozent Internet-Muffel, so genannte Offliner, gegenüber. Etwa sieben Prozent der Befragten gaben an, sie würden das Internet gerne in der Zukunft nutzen. Im Jahr 2002 hatten noch 50,1 Prozent zu den Nicht-Nutzern und nur 41,7 Prozent zu den Nutzern gehört. Vor allem Menschen mit niedrigerem Bildungsstandard, sozial Schwächere und ältere Menschen sind nicht im Netz.

Das Internet entwickle sich immer mehr hin zum Massenmedium, aber auch zunehmend zu einem Medium der Männer, sagte Frank Wagner, Verkaufsdirektor von TSN Emnid. In diesem Jahr seien 80 Prozent der Männer zwischen 14 und 40 Jahren, aber nur 68 Prozent der Frauen im gleichen Alter online.

Als eine der größten Überraschungen wertete Wagner die Tatsache, dass jeder zweite Arbeitslose das Internet nutze - 17 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Dies hänge damit zusammen, dass viele jetzt arbeitslos gewordene Menschen in ihrem Job mit dem Internet vertraut gewesen seien.

Der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, sagte, die Stellenmärkte der Tageszeitungen würden voraussichtlich auch bei guter Konjunktur nicht mehr den Umfang von vor fünf bis sechs Jahren erreichen. Das Internet werde als Jobbörse zunehmend wichtiger. Bis Ende des Jahres werde die Bundesanstalt für Arbeit 13.000 Internet-Zugänge für Arbeitssuchende und einstellende Unternehmer einrichten. Derzeit seien es etwa 7.000 Plätze in 590 Arbeitsämtern.

Regionale Unterschiede

Insgesamt stieg die Zahl der Internet-Nutzer um 5,4 Millionen auf 32,1 Millionen Deutsche über 14 Jahren im Jahr 2003. Besonders starke Zuwächse wurden in den neuen Bundesländern verzeichnet. Hier stieg der Anteil der Internet-Nutzer von 37 auf 47 Prozent in 2003.

"Internet-Hauptstadt" Deutschlands ist zum zweiten Mal in Folge Frankfurt/Main mit 61 Prozent Nutzern, gefolgt vom IT-Standort Dresden mit 59 Prozent und Stuttgart mit 58 Prozent. Die Hauptstadt der Internet-Muffel ist Dortmund mit 47 Prozent Nicht-Nutzern, gefolgt von Leipzig und Essen mit jeweils 46 Prozent und Nürnberg mit 45 Prozent.

Ulrich Sandl, Referatsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, warnte vor einer gefährlichen Abkoppelung von Menschen mit niedrigem Bildungs- und Einkommensniveau vom Internet. Die Fähigkeit, sich im Netz zu bewegen, werde zunehmend zur Voraussetzung, um Jobs zu finden und zu behalten.

Barbara Schwarzer von der Initiative "Frauen ans Netz" erklärte, viele jüngere angestellte Frauen in niedrigen Positionen kämen beruflich nicht mit dem Internet in Berührung. Außerdem fehle es wegen der Kinder oft an Zeit. Bisher habe die bundesweite Initiative 120.000 Frauen erreicht. 30.000 Frauen sollten in diesem Jahr mit dem Netz vertraut gemacht werden.



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