Videostreaming Netflix sperrt VPN-Nutzer aus

Jetzt ist offenbar Schluss mit der Schwarzguckerei: Seit dem Wochenende blockiert Netflix Dienste, die es Nutzern ermöglichen, nicht für ihr Land freigeschaltete Serien zu sehen.

Netflix-App auf einem Smartphone: Nicht jeder darf alles sehen
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Netflix-App auf einem Smartphone: Nicht jeder darf alles sehen


Vor einigen Wochen hatte Netflix diesen Schritt angekündigt: Per Blogeintrag meldete der Videostreaminganbieter, er werde den Zugang zu Filmen und Serien aus Netflix-Katalogen fremder Länder in den kommenden Wochen einschränken. Viele Nutzer bezweifelten, dass der Konzern der Ankündigung Taten folgen lassen wird. Doch scheint die sogenannte Geoblockade jetzt tatsächlich verschärft worden zu sein. Laut "Heise.de" und anderen Tech-Portalen melden Anwender, die sich bisher über technische Tricks Zugang zu den Netflix-Katalogen anderer Länder verschafft hatten, seit dem Sonnabend fehlgeschlagenen Zugriffsversuchen auf US-Inhalte von Netflix.

Der Netflix-Katalog unterscheidet sich von Land zu Land, zum Teil erheblich. Das liegt daran, dass Netflix die Rechte für Sendungen für verschiedene Regionen einzeln aushandeln muss. Einige Kunden umgehen die Beschränkung auf das eigene Land bisher zum Beispiel mit sogenannten VPN-Diensten und Proxy-Servern. Diese Hilfsmittel gaukeln Netflix vor, dass der Nutzer aus einem anderen Land kommt, in dem die gewünschte Serie oder der Film verfügbar ist.

Bei vielen Anwendern ist Netflix' US-Angebot populär, weil man dort mehr Auswahl hat und zum Beispiel fast alle Folgen der Serie "Mad Men" anschauen kann, während bei Netflix Deutschland derzeit überhaupt keine verfügbar sind. Die Biker-Serie "Sons of Anarchy" ist in Deutschland mit nur sechs Staffeln verfügbar, in den USA gibt es alle sieben.

Netflix-Chef Reed Hastings beschwerte sich schon häufiger darüber, wie verworren das internationale Rechte-Geflecht sei. Das sei auch einer der Gründe, weshalb der Dienst verstärkt auf die Produktion eigener Filme und Serien setze. Die Inhalte könne Netflix überall gleichzeitig zeigen. Laut "heise.de" sind nun aber auch Eigenproduktionen wie etwa "Orange is the new Black" von der Blockade betroffen.

Vielfach wird vermutet, dass Netflix mit den neuen Sperren seine Verhandlungsposition gegenüber den Filmkonzernen stärken will. Diese wollen die Senderechte demnach weiterhin für jedes Land einzeln aushandeln. Auf diese Weise wollen sie die Kontrolle darüber behalten wann bestimmte Serien und Filme auf welchem Medium verfügbar werden, beispielsweise um den Abverkauf von Filme auf DVD und Blu-ray zu stärken.

Auf Twitter beklagen VPN-Nutzer aber, dass durch die neuen Sperren auch Versuche zunichte gemacht werden, die Privatsphäre durch Nutzung eines VPNs zu schützen. Eine Onlinepetition, die unter dem Titel "Mein Netflix - meine Privatsphäre" eine Abschaltung der VPN-Sperren fordert, soll bereits 30.000 Unterstützer gefunden haben.

Ohnehin aber bleibt abzuwarten, wie effektiv Netflix' Geoblockade tatsächlich sein wird. Einige Netzportale melden bereits, dass nicht alle VPN-Anbieter von den Sperren erfasst werden. So läuft es letztlich auf ein Technologie-Wettrennen der VPN-Anbieter mit Netflix hinaus, bei dem künftig mal die eine, mal die andere Seite vorne liegen dürfte.

mak/gru

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