Videostreaming Netflix sperrt VPN-Nutzer aus

Jetzt ist offenbar Schluss mit der Schwarzguckerei: Seit dem Wochenende blockiert Netflix Dienste, die es Nutzern ermöglichen, nicht für ihr Land freigeschaltete Serien zu sehen.

Netflix-App auf einem Smartphone: Nicht jeder darf alles sehen
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Netflix-App auf einem Smartphone: Nicht jeder darf alles sehen


Vor einigen Wochen hatte Netflix diesen Schritt angekündigt: Per Blogeintrag meldete der Videostreaminganbieter, er werde den Zugang zu Filmen und Serien aus Netflix-Katalogen fremder Länder in den kommenden Wochen einschränken. Viele Nutzer bezweifelten, dass der Konzern der Ankündigung Taten folgen lassen wird. Doch scheint die sogenannte Geoblockade jetzt tatsächlich verschärft worden zu sein. Laut "Heise.de" und anderen Tech-Portalen melden Anwender, die sich bisher über technische Tricks Zugang zu den Netflix-Katalogen anderer Länder verschafft hatten, seit dem Sonnabend fehlgeschlagenen Zugriffsversuchen auf US-Inhalte von Netflix.

Der Netflix-Katalog unterscheidet sich von Land zu Land, zum Teil erheblich. Das liegt daran, dass Netflix die Rechte für Sendungen für verschiedene Regionen einzeln aushandeln muss. Einige Kunden umgehen die Beschränkung auf das eigene Land bisher zum Beispiel mit sogenannten VPN-Diensten und Proxy-Servern. Diese Hilfsmittel gaukeln Netflix vor, dass der Nutzer aus einem anderen Land kommt, in dem die gewünschte Serie oder der Film verfügbar ist.

Bei vielen Anwendern ist Netflix' US-Angebot populär, weil man dort mehr Auswahl hat und zum Beispiel fast alle Folgen der Serie "Mad Men" anschauen kann, während bei Netflix Deutschland derzeit überhaupt keine verfügbar sind. Die Biker-Serie "Sons of Anarchy" ist in Deutschland mit nur sechs Staffeln verfügbar, in den USA gibt es alle sieben.

Netflix in Deutschland: Seit dem 16. September ist das in den USA erfolgreiche Filmportal auch in Deutschland verfügbar. Streaming in SD-Qualität kostet 7,99 Euro im Monat, wer Filme und Serien in HD sehen will, muss 8,99 Euro zahlen. Für das eingeschränkte Angebot an Ultra-HD-Filmen und Serien werden 11,99 Euro fällig.

Endgeräte: Netflix läuft auf diversen Geräten, vom Computer über Smart-TVs, Smartphones und Tablets bis hin zu den zwei aktuellen Konsolengenerationen von Microsoft, Sony und Nintendo. Das Angebot enthält Eigenproduktionen wie "Orange Is the New Black", aber auch deutsche Serien, wie etwa "Stromberg".

Szene aus "Breaking Bad": Mittlerweile gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich die US-Serie legal im Internet anzusehen. Drei von vier Videoanbietern, die wir im Folgenden vorstellen, haben "Breaking Bad" im Angebot.

Maxdome-Startseite: Außer bei Watchever und Amazon Prime Instant Video gibt es "Breaking Bad" auch im Monatspaket von Maxdome. Der Dienst gehört zu ProSiebenSat.1, er kostet 7,99 im Monat.

Suchergebnis zu "Sopranos": Hat Maxdome die gewünschte Serie nicht im Programm, werden dem Nutzer andere Filme und Serien vorgeschlagen. Aber ob der Mafiaserien-Interessierte wirklich Sabrina Setlur spannend findet?

Serienübersicht: Zu den beliebtesten Serien zählen bei Maxdome gerade "Under the Dome" und "The Walking Dead".

Filmübersicht: Aus den Top 25 des Kinoportals IMDB.com hat Maxdome nur zwei Filme im Programm.

Watchever-Startseite: Der Flatrate-Dienst, hinter dem der Medienkonzern Vivendi steht, kostet 8,99 Euro pro Monat, der zweite Monat ist derzeit gratis. Maxdome kann man einen Monat gratis testen.

Startscreen der iPad-App: Watchever hat gerade unter anderem alle Staffeln von "Star Wars: The Clone Wars" im Angebot.

Serienübersicht: Die meistgesehene Serie bei Watchever ist derzeit "Lost". Ansonsten gibt es dort zum Beispiel "The Wire" und "Dexter".

Meistgesehene Filme: Wie Maxdome lässt sich Watchever auch auf Spielkonsolen wie der Xbox 360 oder der Playstation 4 nutzen. Eine Xbox-One-App steht noch aus.

Sky-Snap-Startseite: Mit 3,99 Euro im Monat ist der Dienst der günstigste. Will man Filme auch ohne Internetverbindung auf dem iPhone oder iPad gucken können, werden 6,99 Euro fällig.

Snap-iPad-App: Der Dienst hat einige Blockbuster wie "Inception" und "Der Pate" im Angebot. Leider macht die Suchfunktion manchmal Probleme.

Meistgesehene Filme: Derzeit kann man Sky Snap bis Ende Oktober kostenlos testen, man muss dafür kein Sky-Kunde sein. Bei der Anmeldung verlangt das Unternehmen aber, die Nutzerdaten für Werbung nutzen zu dürfen - auch über das Vertragsende hinaus, wenn man nicht per E-Mail Einspruch erhebt.

Meistgesehene Serien: Sky Snap zeigt hier nicht ganze Serien oder Staffeln an, sondern einzelne Episoden. Dadurch ist diese Übersicht sehr "Game of Thrones"-lastig.

Schwache Suchfunktion: Hier haben wir "Pate" gesucht. Der Film "Der Pate" ist nicht unter den Ergebnissen, obwohl Sky Snap ihn im Angebot hat.

Amazon Prime Instant Video: Amazons Videodienst kann man für 7,99 pro Monat nutzen. Alternativ kann man für 49 Euro im Jahr Prime-Mitglied werden, dafür gibt es dann zusätzlich schnelleren Versand bei Amazon.

Suche nach "Lost" bei Prime Instant Video: So richtig schick ist die Webversion des Dienstes nicht. Sie sieht aus wie die Amazon-Standardseite.

iPad-App von Prime Instant Video: Amazon hat auch selbstproduzierte Serien wie "Alpha House" und "Betas" im Programm.

Serienübersicht: Gerade sind bei den Instant-Video-Nutzern unter anderem die Serien "Flintstones" und "Prison Break" beliebt.

Filmübersicht: Aus den IMDB-Top-25 hat Amazon drei Filme im Angebot, darunter "Schindlers Liste". Einen wirklich umfangreichen Katalog hat keiner der Flatrate-Dienste.

Netflix-Chef Reed Hastings beschwerte sich schon häufiger darüber, wie verworren das internationale Rechte-Geflecht sei. Das sei auch einer der Gründe, weshalb der Dienst verstärkt auf die Produktion eigener Filme und Serien setze. Die Inhalte könne Netflix überall gleichzeitig zeigen. Laut "heise.de" sind nun aber auch Eigenproduktionen wie etwa "Orange is the new Black" von der Blockade betroffen.

Vielfach wird vermutet, dass Netflix mit den neuen Sperren seine Verhandlungsposition gegenüber den Filmkonzernen stärken will. Diese wollen die Senderechte demnach weiterhin für jedes Land einzeln aushandeln. Auf diese Weise wollen sie die Kontrolle darüber behalten wann bestimmte Serien und Filme auf welchem Medium verfügbar werden, beispielsweise um den Abverkauf von Filme auf DVD und Blu-ray zu stärken.

Auf Twitter beklagen VPN-Nutzer aber, dass durch die neuen Sperren auch Versuche zunichte gemacht werden, die Privatsphäre durch Nutzung eines VPNs zu schützen. Eine Onlinepetition, die unter dem Titel "Mein Netflix - meine Privatsphäre" eine Abschaltung der VPN-Sperren fordert, soll bereits 30.000 Unterstützer gefunden haben.

Ohnehin aber bleibt abzuwarten, wie effektiv Netflix' Geoblockade tatsächlich sein wird. Einige Netzportale melden bereits, dass nicht alle VPN-Anbieter von den Sperren erfasst werden. So läuft es letztlich auf ein Technologie-Wettrennen der VPN-Anbieter mit Netflix hinaus, bei dem künftig mal die eine, mal die andere Seite vorne liegen dürfte.

mak/gru

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insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
merho2 29.02.2016
1. Irgendwie ist es Netflix, Amazon und Co...
Irgendwie ist es Netflix, Amazon und Co. viel einfacher ihre Kunden zu orten, wenn sie ihre Rechnungen stellen sollen, als wenn sie die Gewinne, die sie in einen Land erziehen, korrekt zu schätzen und entsprechend zu besteuern. Dann wird's wirklich schwierig zu verstehen, wo die Kunde sitzt, BRUTAL schwierig!
dt1011047 29.02.2016
2. Wer VPN nutzt, kann auch gleich per Torrent
Die Filmindustrie macht sich damit keine Freunde und schädigt sich damit evtl. auch selbst: Wer eh schon gelernt hat, VPN einzusetzen, und damit auch i.d.R. anonym surft (es gibt jedenfalls eine Menge VPN-Anbieter, die genau dies bewerben), kann nun auch ebenso wieder auf Torrents zurückgreifen, und Dank der Anonymität auch ohne Angst, erwischt zu werden. Die neue VPN-Regelung drängt die ehrlichen Netflix-Kunden geradezu dazu.
lenslarque 29.02.2016
3. Was für eine Aufregung
um etwas, das ich einfach kündigen kann.
ulfD 29.02.2016
4.
Erstaunlich, wieviele Leute angeblich einen US-Netflix-Account hatten, dazu auch noch einen (oft kostenpflichtigen) Proxy und jetzt kündigen sie entrüstet wieder... Sorry, ich denke eher, dass hier viele jubeln, weil sie endlich wieder "mit gutem Gewissen" die Sachen kostenlos "ziehen" können, bisher kamen sie doch in Erklärungsnöte, weil das über Netflix USA so gut ging...
dbrown 29.02.2016
5. Schwachsinn,
Länder für bestimmte Inhalte auszusperren, fördert man damit doch nur das 'illegale' Beschaffen dieser Inhalte. Wer gucken will, der tut das auch. Entweder 'vor Ort', oder halt über Umwege. Das verstehen leider diverse Herren nicht.
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