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Netz-Archivierung: 115 Millionen Euro für Webseiten-Kopien

Per Rechtsverordnung entscheidet die Bundesregierung jetzt, wie Nachrichtenportale und Blogs ihre Inhalte bei der Deutsche Nationalbibliothek abliefern sollen. Der Branchenverband Bitkom erwartet, dass das Firmen 115 Millionen Euro jährlich kostet.

Berlin - 60.000 digitale Doktorarbeiten hat die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) bislang auf ihren Servern archiviert. Jetzt soll der Archivbestand massiv ausgeweitet werden – um deutschsprachige Netzpublikationen. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) erarbeitet derzeit eine Rechtsverordnung, die regelt, ob und wie deutsche Internet-Unternehmen Webseiten bei der DNB abzuliefern haben. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) protestiert: Web-Autoren dürften nicht mit übertriebener Bürokratie belastet werden.

Bibliothek der FU Berlin: Kann man Webseiten als Einzelexemplare sammeln wie Bücher?
DDP

Bibliothek der FU Berlin: Kann man Webseiten als Einzelexemplare sammeln wie Bücher?

Laut dem Entwurf für die Vorschriften müssten Unternehmer und Blog-Betreiber in Zukunft regelmäßig elektronische Kopien ihrer Webseiten abliefern, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Die Verordnung werde damit "unverhältnismäßig weit gefasst". Eine monatliche Pflichtabgabe der Webseiten dürfte deutsche Web-Firmen nach einer Bitkom-Modellrechnung jährlich 115 Millionen Euro kosten.

Häufig aktualisierte Seiten wie Nachrichtenportale und Blogs könnten einer weitaus intensiveren Meldepflicht unterliegen, erklärte Bitkom. Zudem seien in den Berechnungen des Verbandes nur Seiten mit der Endung ".de" berücksichtigt worden. Grundsätzlich hält es der Branchenverband für richtig, dass die Nationalbibliothek wichtige Internet-Publikationen etwa für die Wissenschaft und zur historischen Dokumentation archivieren kann. Wenn der Staat bestimmte Internetinhalte aufbewahren wolle, müsse er den nötigen Aufwand aber selbst betreiben, erklärte Rohleder. Mit der geplanten Verordnung schieße die Bundesregierung über ihr ursprüngliches Ziel hinaus, die gesetzlichen Pflichten klar zu begrenzen.

Verordnung noch nicht beschlossen

Derzeit hört der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Verbände an, eine endgültige Entwurf der Verordnung gibt es noch nicht. Stephan Jockel, Sprecher der Deutschen Nationalbibliothek rechnet aber mit einem baldigen Erlass. Zu SPIEGEL ONLINE sagte er: "Wir rechnen damit, dass wir im Herbst auf Basis der neuen Verordnung über die Pflichtablieferung und der Sammelrichtlinien mit dem Einsammeln von Webseiten beginnen können." Über die Verfahren könne erst auf Basis der Verordnung entschieden werden. Jockel: "Wir werden verschiedene Methoden zum Sammeln und vor allem zum Archivieren auf lange Zeit erproben müssen."

Nationalbibliothek: Crawlen ist eine Option

Die DNB besteht dabei nicht auf einer Ablieferung der Inhalte – Crawlen ist eine Option. Jockel betont: "Klar ist, dass niemand seine Webseiten einschicken muss. Das Gesetz spricht ja ausdrücklich davon, dass Medienwerke in unkörperlicher Form nach Maßgabe der Bibliothek zur Abholung bereitgestellt werden können."

lis/AFP

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