Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Netz-Communities: Google gewinnt schon wieder

Von

Mit der Ankündigung, dass auch MySpace sich der Entwicklungsplattform OpenSocial anschließen wird, hat Google einen Coup gelandet. Die Konkurrenten Facebook und Microsoft stehen dumm da, Google hat sich als dominierende Kraft im Netz durchgesetzt.

Es geht um die Frage, wer künftig wieviel verdient im Web. Es findet eine Art Armdrücken der Giganten statt, und die Frontlinien sind seit gestern Abend ziemlich klar: Auf der einen Seite steht Google, mit einer nun höchst eindrucksvollen Reihe von Verbündeten, darunter das größte Community-Netzwerk der Welt, MySpace. Und auf der anderen Seite Microsoft und Facebook, das Community-Netz, das in den vergangenen Monaten mehr Aufmerksamkeit erzeugt und Wachstum erlebt hat als irgendein anderes.

Googles Marktkapitalisierung: Aktuell auf Platz fünf in den USA
SPIEGEL ONLINE

Googles Marktkapitalisierung: Aktuell auf Platz fünf in den USA

Womit soll das Geld verdient werden? Mit Werbung, wie meistens im Netz. Warum bricht gerade jetzt ein Kampf um Werbung im Netz aus? Weil eine neue Art, sie zu servieren, im Entstehen ist - und alle Beteiligten offenbar fest daran glauben, dass diese neue Art, Reklame zu machen, die Landschaft ähnlich stark revolutionieren wird, wie Googles passend zu Suchanfragen geschaltete Anzeigen das getan haben. Googles gigantischer Erfolg als Werbevermarkter lässt sich sehr schön an der nebenstehenden Grafik ablesen: An der Marktkapitalisierung gemessen ist die Suchmaschine derzeit das fünftgrößte Unternehmen in den USA, hinter Exxon Mobil, General Electric, Microsoft und AT&T.

Google-Aktien sind seit kurzem über 700 Dollar pro Stück wert. Das liegt fast ausschließlich an den unschuldigen kleinen Textanzeigen, die als "sponsored links" oberhalb und rechts von den eigentlichen Suchergebnissen auftauchen, wenn man ein Wort ins Suchfenster eingibt. Diese Textanzeigen haben einen unschlagbaren Vorteil gegenüber allem, was vorher da war: Sie haben etwas zu tun mit dem, was der Nutzer gerade möchte - mal mehr, mal weniger. Jemand, der nach "Flachbildschirm" sucht, wird womöglich unter den "sponsored links" einen Online-Händler finden, der tatsächlich sein Wunschgerät im Angebot hat. Näher kann man an perfekter Passung von Nachfrage und (Werbe-) Angebot kaum sein.

Vermarkter lieben soziale Netzwerke

Der nächste Schritt zur idealen Werbung im Netz soll nun folgen: Werbung, die nicht deshalb passt, weil man nach dem Beworbenen gesucht hat, sondern weil das Beworbene zu den eigenen überdauernden, als Teil der eigenen Identität betrachteten Interessen passt. Und Werbung, die das Gütesiegel trägt, dass die eigenen Freunde das beworbene Produkt auch gut finden. Soziale Werbung eben.

Kursverlauf: Googles Wert steigt in rasantem Tempo
SPIEGEL ONLINE

Kursverlauf: Googles Wert steigt in rasantem Tempo

Social Networks wie Facebook sind für Vermarkter toll, weil die Menschen dort erstens viel über sich verraten - Lieblingsbands zum Beispiel, oder ihre Vorliebe für Single Malt Whiskeys - und weil die Communities zweitens Mundpropaganda automatisiert haben. Wer sich bei Facebook etwa die Anwendung iLike ins Profil holt, teilt seinen Freunden automatisch mit, welche Musik ihm gerade am besten gefällt. Und wenn ein Song gefällt, kann er mit einem Klick bei Amazon oder iTunes erworben werden, iLike kassiert dann eine Provision dafür. Dieses System, hoffen zumindest die Vermarkter, ist unendlich viel wirksamer als eine musikalische Empfehlung durch Anzeigen, Werbespots oder andere herkömmliche Werbemittel - lässt sich aber mit ihnen kombinieren.

Hunderte Millionen Dollar Werbeumsatz bei MySpace

Werbung in sozialen Netzwerken ist aus diesen zwei Gründen ein Boomgeschäft - auch wenn die Auswertungs-Mechanismen für die komplexen Informationen aus den Profilseiten der Nutzer eigentlich noch in den Kinderschuhen stecken. Google jedenfalls ist vorne mit dabei: Die Werbung bei MySpace wird mit dem System der Suchmaschinisten serviert und soll im kommenden Jahr laut Rupert Murdoch Hunderte von Millionen Dollar einbringen.

Die Werbung bei Facebook - zumindest in den USA - wird dagegen von Microsoft ausgeliefert. Gerüchten zufolge will Facebook in der kommenden Woche eine eigene Werbeplattform für soziale Netzwerke vorstellen. Eigentlich, vermuten viele Kommentatoren, hatten die Betreiber gehofft, Googles Erfolg bei den Such-Anzeigen wiederholen zu können, gewissermaßen das GoogleAds der Communities zu werden. Nun hat Google mit einem strategischen Schachzug dafür gesorgt, dass das zumindest deutlich schwieriger werden wird.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Um Himmels willen
SirRobin 02.11.2007
Es reicht... Jetzt werden noch mehr Inhalte miteinander verknüpft und es wird noch genauer Profile geben... Klar alleine mit diesem Schritt nicht aber wartet mal ab was uns in den nächsten Jahren da erwartet - oder droht? "Don't be evil" - lol... Wer das google noch glaubt... Sicher: Keine Paranoia... aber mehr Vorsicht, das wäre klasse. Und bitte Spiegel: Verkneift euch indirekte Lobeshymnen wie "Die Konkurrenten Facebook und Microsoft stehen dumm da, Google hat sich als dominierende Kraft im Netz durchgesetzt" - der Sachverhalt lässt sich auch neutral darstellen... In diesem Sinne eine Adresse die sich lohnt: http://masterplanthemovie.com/
2. Brutstadium
Eiermann 07.11.2007
Interessante Sache, neben Android ja das zweite große Ding von Google in den letzten Tagen. Nur scheint sich das ganze noch viel mehr im absoluten Brutstadium zu befinden und erscheint mir der Rummel darum ziemlich verfrüht. Wenn man nach Open Social googelt, findet man einen einstündigen englischsprachigen Vortrag über die Plattform. Interessant wäre zu erfahren, wie die Plattform für die User aussehen soll, welche Vorteile sie bringt usw. Den Hype um Facebook verstehe ich außerdem auch nicht ganz. Die paar Male, wo ich versucht habe, mir das Ding zu erschließen, habe ich immer nur nichts weiter als Profile mit Foto und Namen gefunden. Was soll das? Oder bin ich zu blöd für die Benutzung? Dagegen ist StudiVz ja wirklich eine Kommunikationsplattform, auf der man vergleichsweise viel über einzelne Leute erfährt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: