Netz der Netzwerke: Google verbündet sich mit MySpace gegen Facebook

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Es geht um zig Millionen Nutzer und Milliardenumsätze. Google will mit dem Projekt OpenSocial die vielen Netz-Communitys verknüpfen. Jetzt ist dem Konzern ein Coup gelungen: Er hat MySpace als Partner gewonnen - Internet-Shootingstar Facebook bleibt außen vor.

Es ist ein Wettstreit der Giganten: Auf der einen Seite die derzeit heißeste Seite im Web, Facebook, mehr als 60 Millionen Nutzer, nach einem Deal mit Microsoft mit rund 15 Milliarden Dollar bewertet. Auf der anderen Seite der Internet-Gigant Google, der schon eine Reihe von Social Networks mit rund 100 Millionen Nutzern für sein Projekt OpenSocial gewinnen konnte.

Globale Netzgemeinschaften: Schafft Google den Welt-Standard?
SPIEGEL ONLINE

Globale Netzgemeinschaften: Schafft Google den Welt-Standard?

Und nun also noch MySpace dazu: Google teilte am Donnerstag mit, die größte Netzgemeinschaft mit mehr als 150 Millionen registrierten Nutzern werde sich der eigenen OpenSocial-Plattform anschließen. "Die Geschichte dahinter ist, dass sich das Netz auf seine nächste Entwicklungsstufe zubewegt hat", sagte Google-Geschäftsführer Eric Schmidt zu dem Deal. MySpace-Chef Chris DeWolfe begrüßte, dass Googles neuer Standard eine gemeinsame Basis für Programmierer schaffen werde. "200 Millionen Nutzer werden erreicht. Das ist viel größer als alles andere dort draußen", sagte er. "OpenSocial wird faktisch der Standard werden."

Schon vor der offiziellen Bekanntgabe der Google-MySpace-Kooperation in der Nacht hatte sich der Deal angedeutet. Joe Kraus, zuständig für Googles Community-Werkzeug OpenSocial, sagte in einer Telefonkonferenz auf eine Frage von SPIEGEL ONLINE zu MySpace: "Wir hoffen, dass sich in den nächsten 24 Stunden weitere Partner anschließen werden. Und in den kommenden Monaten." Es gebe im Augenblick "eine großartige Chance zur Standardisierung, die allen Marktteilnehmern helfen würde" - einschließlich solcher Schwergewichte wie MySpace.

"Das Netz besser zu machen bedeutet für uns, das Netz sozialer machen", sagte Kraus. Das OpenSocial-System ist eine gemeinsame Entwicklungsplattform für Netz-Gemeinschaften wie das deutsche Xing. Entwickler sollen für viele Communitys parallel Anwendungen erstellen können, und das in einer einzigen Programmierumgebung.

Das langfristige Ziel von OpenSocial sei es, dass "Sie ihre Freunde überallhin mitnehmen können, wo Sie im Netz hingehen", sagte Kraus. Die Mauern zwischen den Communitys sollen fallen. Als Beispiel wählte er ausgerechnet "eine große Internet-Auktionsplattform", auf der man durch das neue System schnell seine Freunde aus anderen Netzen wiederfinden könnte. Damit deutete er an, dass auch eBay womöglich über einen Beitritt zum geplanten Netz der Netzwerke nachdenkt. eBay hat in letzter Zeit verstärkt begonnen, Community-Funktionen in seine Auktionsplattform zu integrieren.

Die Google-Initiative sei zunächst vor allem ein Fortschritt für Entwickler und erst im zweiten Schritt für Endkunden, sagte Kraus: "Die sozialen Netzwerke haben verstanden, dass sie ihren Nutzern nicht genügend Dinge zu tun geben können." Deshalb seien externe Entwickler gefragt, die Zusatzfunktionen für die Netzwerke konstruieren.

Die US-Community Facebook hat in den vergangenen Monaten enorme Erfolge erzielt - im Mai hatte sich Facebook genau aus diesem Grund für externe Entwickler geöffnet. Die Plattform lässt auch externe Entwickler Anwendungen für die eigene Plattform basteln. Aber eben nur für die. Bei Googles Projekt will Facebook außen vor bleiben.

Gerüchte über einen Gegenangriff Googles gab es schon seit einiger Zeit. Durch den Coup mit MySpace dürfte der Konzern nun einen globalen Standard schaffen - und dem mit einer kräftigen Finanzspritze von Microsoft ausgestatteten Platzhirsch Facebook eins auswischen. Auch wenn Google-Chef Schmidt sagte, Facebook könne sich der Plattform natürlich noch gerne anschließen: "Jeder ist eingeladen, mitzumachen."

Schon 100 Millionen Nutzer im Boot?

Kraus sagte, OpenSocial erlaube Programmierern nun, für eine Reihe fremder Netzwerke Anwendungen zu entwickeln, ohne sich dabei durch unterschiedliche Entwicklungsumgebungen zu verzetteln. "Diese Entwicklerstudios sind klein, ein bis zehn Leute vielleicht. Die können nicht für 20 verschiedene Netzwerke die gleiche Anwendung entwickeln."

Zu den Gründungsmitgliedern des Bündnisses gehören die deutsche Plattform Xing, daneben LinkedIn, Viadeo, Hi5, Bebo, Friendster, Googles eigene Community-Plattform Orkut und einige andere. Insgesamt verfüge man bereits über ein Publikum von 100 Millionen Nutzern, sagte Kraus. Die Partner seien nicht schwer zu überzeugen gewesen, obwohl darunter auch direkte Konkurrenten wie Xing und LinkedIn sind, die beide an den Kontaktbedürfnissen von Business-Kunden verdienen wollen. "Die Wettbewerbssituation war so, dass die Mitspieler anerkennen mussten, dass es schwieriger sein würde, allein zu arbeiten als zusammen. Seine eigene Plattform anzubieten bedeutet, dass man um die Aufmerksamkeit der Entwickler konkurrieren muss."

Als direkten Angriff auf Facebook wollte Kraus OpenSocial nicht verstanden wissen: "Ich glaube nicht, dass deshalb jemand aufhören wird, für Facebook zu entwickeln - weil es einfach eine effektive Verteilungsplattform ist." Googles eigenes Ziel sei, "das Web besser zu machen. So, wie sich das Web entwickelt, entwickelt sich auch Google. Wenn die Menschen mehr Zeit dort verbringen, werden sie auch mehr im Web suchen."

Auf Nachfrage gab Kraus dann aber doch zu, dass man sich auch neue Kunden für das eigene Werbe-System AdSense erhofft - auch wenn OpenSocial dies nicht zwingend vorsehe. Es sei "eine fantastische Monetarisierungsplattform für Entwickler".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
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1. Pseudo-englisch
jstm 01.11.2007
Zitat von sysopEs geht um zig Millionen Nutzer und die Hoffnung auf Milliarden-Umsätze. Google will mit dem Projekt OpenSocial die bislang getrennten Netz-Communitys verknüpfen. Außen vor bleiben will der Internet-Shootingstar Facebook. Dafür scheint Google schon sehr bald die Mega-Plattform MySpace zu gewinnen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,514889,00.html
Erst einmal nur zum Sprachgebrauch: das Wort "Shootingstar" klingt zwar englisch/amerikanisch, ist es aber nicht! Der im englischen Sprachraum hierfür verwendete Begriff ist "rising star" oder auch "up-and-coming star". Ich finde es überaus albern und peinlich, vom Deutschen aus englische Worte zu erfinden, also Worte zu verwenden die es so im Englischen gar nicht gibt (siehe auch "handy", "talkmaster", "beamer" u.s.w.).
2. Schlicht ein guter Zug
obs 01.11.2007
Der Artikel von Herrn Stöcker zeichnet auch durch die Zitate ein realeres Bild als das in 'Google vernetzt Menschel-Maschinen' Ich bin verwundert über die Qualität des Artikels von mak. Es werden beinahe reiserische Floskeln verwendet, die Idee von Open Social wird nicht richtig wiedergegeben. Dass es letztendlich auch um Geld geht, ist keine Frage. Es scheint der Autor habe eine recht voreingenommene Meinung und berücksichtigt nicht die Technologien von denen die Rede ist. Die Frage ist, was hat Facebook so erfoglreich gemacht, und kann dieses Prinzip abstrahiert und standardisiert werden. Wenn ja, dann kann das und wird sehr wahrscheinlich auch ein finanzieller Erfolg für die Beteiligten sein, aber es profitiert davon eben auch das Phänomen Internet als Ganzes. Ich kann nur auf die Blog Artikel von Mr. Marc Andreessen hinweisen. Obwohl er auch involviert ist läßt er sich nicht von der Google-Paranoia beeinträchtigen, sondern schildert kristallklar die Konzept, Innovationen und Motive. http://blog.pmarca.com/2007/10/open-social-a-n.html http://blog.pmarca.com/2007/06/analyzing_the_f.html Man darf gespannt sein wo der 'social graph' überall Einzug halten wird. MfG Obs P.S. Von einem Medium mit dem Titel 'Spiegel' erwarte ich bessere Qualität als jene, die demonstriert wurde. Einen Vorschlag an mak: mögliche Entwicklungszeit/Zeitpunkt der Entwicklungsentscheidung von Open Social bitte vergleichen mit dem Zustand, in dem sich Facebook damals befunden hat. Danach über einige Bemerkungen in dem Artikel nachdenken.
3. An den Linuisten
DrDividian 02.11.2007
Zitat von jstmErst einmal nur zum Sprachgebrauch: das Wort "Shootingstar" klingt zwar englisch/amerikanisch, ist es aber nicht! Der im englischen Sprachraum hierfür verwendete Begriff ist "rising star" oder auch "up-and-coming star". Ich finde es überaus albern und peinlich, vom Deutschen aus englische Worte zu erfinden, also Worte zu verwenden die es so im Englischen gar nicht gibt (siehe auch "handy", "talkmaster", "beamer" u.s.w.).
Herzlichen Dank für den Beitrag. Er hat zwar nichts mit dem Thema zu tun; aber ein bißchen pöbeln kann man ja immer ... In diesem Sinne
4. facebook / xing
wintersommer 02.11.2007
ich war/bin bei xing, mich regt das nur noch auf uns werde meine daten randomisieren, und so mehr als nutzlos machen... facebook find ich im gegensatz richtig gut, und hat einen offenen und NICHT KOMMERZIELLEN ansatz
5. Wir werden BORG!
Doncavallo 02.11.2007
Neben vielen redundanten und überflüssigen Mitmachangeboten, nun also die standartisierte Plattform des Marktoroberes, für Alles was mittlerweile - berechtigt oder nicht - den heilvollen Zusatz "Social" trägt. Sicher, die erweiterten Möglichkeiten zur Integration, schaffen mehr Orientierung und trennen vorerst die Spreu vom Weizen. Dennoch die freudige Gleichschaltung über allgemeine Schnittstellen beschneiden nicht nur bestehende Geschäftsmodelle grundlegend, sondern egalisieren insbesondere den inhaltlichen Kern und Nutzen vieler Communities. Vorab klingen die Pläne denn auch wie ein unbegrenztes Affliliate Programm, um neues Wachstum zu generieren und auf ewig verlorenes Marketingterrain mit Synergien abzuarbeiten. Insgesamt bleibt jedoch abzuwarten, ob der undifferenzierte Trend zur generellen Wertschätzung sozialer Demokratisierungen im Web x.0 bestand haben kann. Dies zumal man sich fragt, wer denn die Zeit und das Bedürfnis hat überall "social" zu sein, sich bis aufs letzte Piecing zu veröffentlichen, um dann trotz aller marginaler Mitmachhysterie als naiver Lead addressiert und abgerechnet zu werden. Was hierbei grundsätzlich übersehen wird, ist das Ende jeder Professionalität, die steigende Bedeutung von Aktualität im Rahmen wirtschaftlicher Prozesse sowie schlicht der Umstand, dass sozialer Austausch in der virtuellen Welt nicht zwingend Popularität in der realen Welt nach sich ziehen muss. Insofern bleibt offen, was OpenSocial als Meta-Community mit seinem unbegrneznten Potnetial zukünftig ermöglichen wird.
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