Netz der Netzwerke: Google verbündet sich mit MySpace gegen Facebook
Es geht um zig Millionen Nutzer und Milliardenumsätze. Google will mit dem Projekt OpenSocial die vielen Netz-Communitys verknüpfen. Jetzt ist dem Konzern ein Coup gelungen: Er hat MySpace als Partner gewonnen - Internet-Shootingstar Facebook bleibt außen vor.
Es ist ein Wettstreit der Giganten: Auf der einen Seite die derzeit heißeste Seite im Web, Facebook, mehr als 60 Millionen Nutzer, nach einem Deal mit Microsoft mit rund 15 Milliarden Dollar bewertet. Auf der anderen Seite der Internet-Gigant Google, der schon eine Reihe von Social Networks mit rund 100 Millionen Nutzern für sein Projekt OpenSocial gewinnen konnte.
Globale Netzgemeinschaften: Schafft Google den Welt-Standard?
Schon vor der offiziellen Bekanntgabe der Google-MySpace-Kooperation in der Nacht hatte sich der Deal angedeutet. Joe Kraus, zuständig für Googles Community-Werkzeug OpenSocial, sagte in einer Telefonkonferenz auf eine Frage von SPIEGEL ONLINE zu MySpace: "Wir hoffen, dass sich in den nächsten 24 Stunden weitere Partner anschließen werden. Und in den kommenden Monaten." Es gebe im Augenblick "eine großartige Chance zur Standardisierung, die allen Marktteilnehmern helfen würde" - einschließlich solcher Schwergewichte wie MySpace.
"Das Netz besser zu machen bedeutet für uns, das Netz sozialer machen", sagte Kraus. Das OpenSocial-System ist eine gemeinsame Entwicklungsplattform für Netz-Gemeinschaften wie das deutsche Xing. Entwickler sollen für viele Communitys parallel Anwendungen erstellen können, und das in einer einzigen Programmierumgebung.
Das langfristige Ziel von OpenSocial sei es, dass "Sie ihre Freunde überallhin mitnehmen können, wo Sie im Netz hingehen", sagte Kraus. Die Mauern zwischen den Communitys sollen fallen. Als Beispiel wählte er ausgerechnet "eine große Internet-Auktionsplattform", auf der man durch das neue System schnell seine Freunde aus anderen Netzen wiederfinden könnte. Damit deutete er an, dass auch eBay womöglich über einen Beitritt zum geplanten Netz der Netzwerke nachdenkt. eBay hat in letzter Zeit verstärkt begonnen, Community-Funktionen in seine Auktionsplattform zu integrieren.
Die Google-Initiative sei zunächst vor allem ein Fortschritt für Entwickler und erst im zweiten Schritt für Endkunden, sagte Kraus: "Die sozialen Netzwerke haben verstanden, dass sie ihren Nutzern nicht genügend Dinge zu tun geben können." Deshalb seien externe Entwickler gefragt, die Zusatzfunktionen für die Netzwerke konstruieren.
Die US-Community Facebook hat in den vergangenen Monaten enorme Erfolge erzielt - im Mai hatte sich Facebook genau aus diesem Grund für externe Entwickler geöffnet. Die Plattform lässt auch externe Entwickler Anwendungen für die eigene Plattform basteln. Aber eben nur für die. Bei Googles Projekt will Facebook außen vor bleiben.
Gerüchte über einen Gegenangriff Googles gab es schon seit einiger Zeit. Durch den Coup mit MySpace dürfte der Konzern nun einen globalen Standard schaffen - und dem mit einer kräftigen Finanzspritze von Microsoft ausgestatteten Platzhirsch Facebook eins auswischen. Auch wenn Google-Chef Schmidt sagte, Facebook könne sich der Plattform natürlich noch gerne anschließen: "Jeder ist eingeladen, mitzumachen."
Schon 100 Millionen Nutzer im Boot?
Kraus sagte, OpenSocial erlaube Programmierern nun, für eine Reihe fremder Netzwerke Anwendungen zu entwickeln, ohne sich dabei durch unterschiedliche Entwicklungsumgebungen zu verzetteln. "Diese Entwicklerstudios sind klein, ein bis zehn Leute vielleicht. Die können nicht für 20 verschiedene Netzwerke die gleiche Anwendung entwickeln."
Zu den Gründungsmitgliedern des Bündnisses gehören die deutsche Plattform Xing, daneben LinkedIn, Viadeo, Hi5, Bebo, Friendster, Googles eigene Community-Plattform Orkut und einige andere. Insgesamt verfüge man bereits über ein Publikum von 100 Millionen Nutzern, sagte Kraus. Die Partner seien nicht schwer zu überzeugen gewesen, obwohl darunter auch direkte Konkurrenten wie Xing und LinkedIn sind, die beide an den Kontaktbedürfnissen von Business-Kunden verdienen wollen. "Die Wettbewerbssituation war so, dass die Mitspieler anerkennen mussten, dass es schwieriger sein würde, allein zu arbeiten als zusammen. Seine eigene Plattform anzubieten bedeutet, dass man um die Aufmerksamkeit der Entwickler konkurrieren muss."
Als direkten Angriff auf Facebook wollte Kraus OpenSocial nicht verstanden wissen: "Ich glaube nicht, dass deshalb jemand aufhören wird, für Facebook zu entwickeln - weil es einfach eine effektive Verteilungsplattform ist." Googles eigenes Ziel sei, "das Web besser zu machen. So, wie sich das Web entwickelt, entwickelt sich auch Google. Wenn die Menschen mehr Zeit dort verbringen, werden sie auch mehr im Web suchen."
Auf Nachfrage gab Kraus dann aber doch zu, dass man sich auch neue Kunden für das eigene Werbe-System AdSense erhofft - auch wenn OpenSocial dies nicht zwingend vorsehe. Es sei "eine fantastische Monetarisierungsplattform für Entwickler".
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Freitag, 02.11.2007 – 00:28 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 5 Kommentare
- Technik-Legende Cerf: Internet-Erfinder predigt das Weltraum-Web (01.11.2007)
- Soziale Netzwerke: Google vernetzt Menschel-Maschinen (31.10.2007)
- Spektakulärer Deal: Facebook-Gründer im Geldrausch (25.10.2007)
- Facebook als Betriebssystem: Das persönliche Internet (09.08.2007)
- Community-Fieber: IT-Giganten stricken am Menschen-Netz (25.09.2007)
- Community als Markt: Facebook verschenkt sich selbst (25.05.2007)
MEHR AUS DEM RESSORT NETZWELT
-
Best of Web
Netz-Fundstücke: Was Sie im Internet unbedingt sehen müssen -
Silberscheiben
Das lohnt sich: Die besten CD- und DVD-Schnäppchen -
Bilderwelten
Bessere Fotos: So holen Sie ganz einfach mehr aus Ihren Bildern raus -
Angefasst
Gadget-Check: Handys und anderes Spielzeug in Matthias Kremps Praxistest -
Angespielt
Game-Tipps: Spiele für Computer und Konsole im SPIEGEL-ONLINE-Test
