Soziale Netzwerke: Holtzbrinck beerdigt VZ-Netzwerke

Umbau bei den VZ-Netzwerken: SchülerVZ heißt künftig Idpool.de, für StudiVZ und MeinVZ haben die Betreiber offenbar keine Ideen mehr. Die Firma VZ-Netzwerke wird umbenannt, die Chefin spricht vom "Befreiungsschlag" - tatsächlich ist es eine Kapitulation vor Facebook.

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StudiVZ-Website: Neuer Name für die Firma, neue Strategie für SchülerVZ

Hamburg - Immerhin für eines der drei VZ-Netzwerke gibt es offenbar eine Strategie: Das SchülerVZ soll im vierten Quartal dieses Jahres unter der Adresse Idpool.de neu gestartet werden, berichtet die Branchenzeitschrift "Kontakter" in seiner aktuellen Ausgabe. Damit soll die Seite schrittweise in Richtung Lernplattform umgebaut werden - eine Nische, die noch nicht vom übermächtigen Konkurrenten Facebook besetzt ist.

Wie es mit den von Mitgliederschwund geschwächten StudiVZ und MeinVZ weitergeht, ist noch unklar. Derzeit sollen die beiden schwächelnden Communitys offenbar einfach weiterlaufen - sie verlieren seit Jahren ständig an aktiven Nutzern. Neue Optionen würden geprüft, zitiert der "Kontakter" die Firmenchefin Stefanie Waehlert. Noch vermeide sie es, MeinVZ und StudiVZ zu schließen, kommentiert das Branchenblatt Waehlerts Vorgehen. Den Umbau nennt die Managerin "Befreiungsschlag". Im vergangenen Jahr hatten die VZ-Netzwerke einen Gewinn erwirtschaftet, offenbar will man den Stecker erst ziehen, wenn kein Euro mehr mit den verwaisten Plattformen zu erlösen ist.

Allzu große Hoffnung hat VZ-Eigentümer Holtzbrinck offenbar nicht mehr. 25 von zuletzt rund 70 Mitarbeitern der VZ-Netzwerke sollen gehen, das Technikteam wird in eine neue Firma ausgelagert. Mit der neuen Strategie bekommt das Unternehmen VZ-Netzwerke auch einen neuen Namen. Das VZ verschwindet, künftig arbeiten die verbliebenen Mitarbeiter für ein Unternehmen namens Poolworks.

Facebook versucht, auch Kinder als Kunden zu gewinnen

Zuletzt hatten Holtzbrinck-Verantwortliche betont, dass die VZ-Netzwerke im vergangenen Jahr durchaus erfolgreich gewirtschaftet hätten. Die Werbekunden seien hochzufrieden, so der Chef von Holtzbrinck Digital, Markus Schunk, im Interview mit Welt Online. Mit dem Fokus auf Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche sowie Datenschutz soll sich das umbenannte SchülerVZ vom Konkurrenten Facebook absetzen. Dort dürfen Jugendliche unter 13 Jahren bisher offiziell nicht Mitglied werden, auch wenn Schätzungen zufolge mehrere Millionen unerlaubt dabei sind. Allerdings wurde gerade bekannt, dass Facebook spezielle Zugänge für Kinder testet.

Holtzbrinck hatte StudiVZ im Jahr 2007 für angeblich 85 Millionen Euro gekauft. Verhandlungen mit Facebook über eine Übernahme von StudiVZ, womöglich im Gegenzug für eine Beteiligung, hatte der Holtzbrinck-Konzern ausgeschlagen. Neben dem rasanten Aufstieg von Facebook hat das Verschlafen technischer Neuerungen wie Angeboten für Smartphones und Anwendungen von Drittanbietern mit für den Niedergang der VZ-Netzwerke gesorgt.

Weniger als 50 Millionen Visits zählten die VZ-Netzwerke im April dieses Jahres laut IVW. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 225 Millionen, im Jahr 2010 sogar fast 450 Millionen. Dem Netzwerk laufen die Nutzer davon, zwischen vier und fünf Millionen könnten es noch sein. Facebook zählt nach einer inoffiziellen Statistik auf Basis von Werbedaten unterdessen mehr als 23 Millionen Mitglieder in Deutschland. Wie die Infografik von Statista zeigt, haben auch andere deutsche Social Networks an Nutzer verloren aber bei weitem nicht so massiv wie die VZ-Gruppe.

Infografik: Soziale Netzwerke verlieren Nutzer Zur Großansicht
Statista

Infografik: Soziale Netzwerke verlieren Nutzer

Auf den Bildungsbereich zielt auch So.cl von Microsoft - ein Zusatz für Facebook, mit dem Schüler und Studenten zusammen im Web Themen recherchieren können sollen.

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insgesamt 39 Beiträge
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1. .
Methados 11.06.2012
Zitat von sysopUmbau bei den VZ-Netzwerken: SchülerVZ heißt künftig Idpool.de, für StudiVZ und MeinVZ haben die Betreiber offenbar keine Ideen mehr. Die Firma VZ-Netzwerke wird umbenannt. Die Firmenchefin spricht vom "Befreiungsschlag" - tatsächlich ist es eine Kapitulation vor Facebook. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,838115,00.html
nachdem die holtzbrinck manager es lustig fanden, bei SCHÜLER vz eine art PRANGER einzurichten, indem jeder ein foto von jedem kommentieren bzw abstimmen konnnte im sinne von " ist der cool oder schwul" ist der verein für mich gestorben. sowas zu bringen, ein tool was es nur darauf anlegt, schulklassenmobbing zu betreiben bzw zu unterstützen, wegen der profitgier, ist einfach nur verachtenswert.
2. Wie die Samwer-Brüder...
systembolaget 11.06.2012
...ihre abgekupferten Geschäftsmodelle an fachlich Unkundige verhökern, so geschah es auch hier. Sagenhaft, wie oft sich schon gestandene Unternehmen auf diese Weise reinlegen ließen, und Totholz kauften.
3. Holtzbrinck hat's vergeigt!
gregor1979 11.06.2012
Schade, dass viele Verlage im Online-Geschäft einfach kein Land sehen. Gerade die Deutschen weisen diverse Eigenheiten im E-Business auf (siehe z.B. Marktanteil Firefox in D. vs. Rest der Welt). Die VZ-Netzwerke hatten hierzulande einen hohen Marktanteil, bevor Facebook alles dominierte.Zugegeben, die Sache stand am Scheideweg, aber Holtzbrinck hat dem VZ den Rest gegeben. Das Erlahmen von Innovation war erschreckend. Wieso hat man es nciht geschafft, sich unter dem Stichwort Datenschutz zu positionieren? Wieso hat man nicht bei älterem Usern mit der viel übersichtlicheren Oberfläche gepunktet? Bis heute gibt es keine sichtbare Verbindung der VZ mit den Verlagsangeboten. Der Tod des VZ-Projekts ear m.E. vermeidbar.
4. Ruhe in Frieden, Copycat
PatrickTunkl 11.06.2012
Facebook hatte schon immer eine unglaubliche Dynamik, sie wagten auch das, was hier in Deutschland zur dieser Zeit keiner gewagt hätte: Öffnen für Fremdentwickler! Das war ein großer Schritt. (Heute ein Standard). Ich habe StudiVZ schon sehr früh verlassen (als Facebook noch englisch war) und die VZ's sterben einen gerechten Tot: 1:1 Samwer-Copycats haben für mich eh keine Existenzberechtigung. Patrick
5. Ja
Steinwald 11.06.2012
Ja, das ist eine Kapitulation vor Facebook, aber na und? Was ist dabei? So läuft das in der Geschäftswelt. Einer hat die Nase vorn. Ist doch nicht schlimm. Jetzt gibts halt was Neues. Die, die sich daran bereichern wollten, haben das ja zur genüge getan. Und alle anderen haben nichts mehr von. Also.
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