Netz-Ikone: Vint surft für Google

Mit Vint Cerf, Mitentwickler des Internet-Grundprotokolls TCP/IP, leistet sich Google einen prominenten "obersten Internet-Propheten". Cerf selbst sagt, dahinter stecke weit mehr als ein PR-Gag: Er habe sich regelrecht um den Job beworben.

Internet-Pionier Vinton Cerf: Ab sofort Googles "oberster Internet-Prophet"
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Internet-Pionier Vinton Cerf: Ab sofort Googles "oberster Internet-Prophet"

Der 62 Jahre alte Vinton Cerf wird oft und gern als einer der Väter des Internet bezeichnet. Falsch ist das nicht: Bereits als Student an der UCLA nahm er 1968 an den Versuchen teil, das Arpanet aufzubauen. Später entwickelte er zusammen mit Robert E. Kahn das dem Datenpaket-Verkehr des Internet zugrunde liegende TCP/IP-Protokoll.

Auf der Gehaltsliste der Pentagon-Entwicklungsschmiede Darpa feilte er von 1976 bis 1982 weiter an der Vervollkommnung der Netzwerkprotokolle. Im letzten Jahr bekam Cerf zusammen mit Kahn den Turing-Preis, was unter Informatikern einer Nobel-Auszeichnung, die es für Computerwissenschaft ja nicht gibt, gleichkommt.

Das klingt nicht nach einem Menschen, der Klinken putzen geht, um sich einen Job zu suchen - zumal Cerf eine ganze Reihe von Posten und Ehrenämtern innehat.

Im Falle Google aber sei das so gelaufen, sagt Cerf: Er habe vor rund zwei Monaten Google-Chef Eric Schmidt angesprochen und sich für einen Beraterposten ins Gespräch gebracht. Bei Schmidt, stets auf der Suche nach Themen, um Google positiv in die Presse zu bringen, rannte die Web-Ikone damit offene Türen ein. Jetzt gab Google bekannt, Cerf werde künftig als "chief Internet evangelist" für das Unternehmen wirken.

Wenige Stunden nach Bekanntgabe der Nachricht konnte Schmidt bereits mehrere Hundert Berichte in aller Welt ernten. Doch auch, wenn sich die Personalie so als großartige PR-Nummer erweist, stecke ja viel mehr dahinter: "Cerf ist offensichtlich einer der großen technologischen Vordenker unserer Zeit!"

Bei Google will Cerf vor allem über Copyright- und Datenschutzrichtlinien, sowie über die Schaffung neuer Infrastrukturen für "die nächste Generation von Internet-Applikationen" nachdenken. Cerf erwartet dabei durchaus, in die Pflicht genommen zu werden: "Was ich früher getan habe, zählt bei Google nicht. Worauf es ankommt ist, was ich heute tue und was sie damit morgen anfangen können. Daran werde ich gemessen."

Trotzdem darf man wohl annehmen, dass der Jobbewerber Cerf etwas gleicher war als die anderen: Zum "obersten Internet-Propheten" der prominentesten Internet-Firma der Welt wird man ja auch nicht gleich jeder ernannt.

Der pompös-lakonische Titel ist nicht nur Google-typisch, sondern eine Hommage an die Sitten der aufstrebenden Dotcom-Community Mitte der Neunziger. Die Zeitschrift "Wired" etwa führt seit ihrer Gründung Marshall McLuhan als "Patron Saint" ("Schutzheiligen") im Impressum.

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