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Netz-Kontrollen: China will öffentliche W-Lans überwachen

Big Brother schaut zu: W-Lan-Zugänge in chinesischen Cafés und Hotels sollen künftig von den Behörden überwacht werden. Kleinere Unternehmen können sich die kostenpflichtige Überwachungssoftware dafür aber kaum leisten - doch ohne W-Lan bleiben die Gäste weg.

Internetcafé in China: Zwang zu Installation teurer Überwachungssoftware Zur Großansicht
AFP

Internetcafé in China: Zwang zu Installation teurer Überwachungssoftware

Ein letzter - mehr oder minder - anonymer Rückzugsort für chinesische Internetsurfer schwindet: Auch öffentliche W-Lan-Hotspots sollen in China künftig überwacht werden, wie die "New York Times" berichtet. Bars, Restaurants, Buchläden, Hotels und sogar Privatschulen mit öffentlichen W-Lan-Zugängen sind demnach künftig verpflichtet, eine Überwachungssoftware zu installieren, die den Behörden anzeigt, wer sich wann und wo einloggt. "Das ist unfair. Es geht darum, den Informationsfluss zu kontrollieren", zitiert die "New York Times" einen verärgerten Café-Besitzer.

In Peking ist die neue Verordnung bereits in Kraft; bislang ist unklar, ob sie auch in weiteren Landesteilen angewendet werden soll. Die Überwachungssoftware kostet laut New York Times umgerechnet 2100 Euro; installiert ein Unternehmen mit öffentlichem W-Lan-Angebot die teure Software nicht, droht ihm ein Bußgeld von 1600 Euro.

Entwickelt wurde das Programm demnach von Shanghai Rain-Soft Software; das Unternehmen wollte aber gegenüber der "New York Times" nicht näher darauf eingehen, wie es im Einzelnen funktioniert.

Für kleine Cafés lohnt sich die teure Anschaffung nicht; viele haben ihre Hotspots bereits abgeschaltet. Doch dadurch bleibt die Kundschaft aus: Rund 30 Prozent weniger Umsatz habe er, seit er das W-Lan abgestellt habe, zitiert die "New York Times" den Geschäftsführer eines Cafés.

"Das ist für Läden wie Starbucks und McDonald's machbar, aber wir haben immer nur ein paar vereinzelte Gäste, die das Internet nutzen", beklagt sich ein Restaurantbesitzer der Zeitung gegenüber.

In chinesischen Internetcafés müssen sich Kunden schon seit langem ausweisen, bevor sie sich an einem Computer anmelden dürfen. Bei öffentlichen Hotspots war dies bisher nicht nötig.

Die Maßnahme zeigt erneut, dass China einen freien Internetzugang auf keinen Fall zulassen und die volle Kontrolle über die Internetnutzung im Lande behalten will.

kad

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1. x
mmueller60 26.07.2011
---Zitat--- Für kleine Cafés lohnt sich die teure Anschaffung nicht; viele haben ihre Hotspots bereits abgeschaltet. Doch dadurch bleibt die Kundschaft aus: Rund 30 Prozent weniger Umsatz habe er, seit er das W-Lan abgestellt habe, zitiert die "New York Times" den Geschäftsführer eines Cafés. "Das ist für Läden wie Starbucks und McDonald's machbar, aber wir haben immer nur ein paar vereinzelte Gäste, die das Internet nutzen", beklagt sich ein Restaurantbesitzer der Zeitung gegenüber. ---Zitatende--- Das ist ja nun widersprüchlich. Sind es ein paar vereinzelte oder 30%? Die Kosten müssen halt auf die Produkte umgelegt werden.
2. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Walter Sobchak 26.07.2011
Das ja ganz schoen dreist. Die Regierung laesst sich die Software auch noch bezahlen. Das sind ja geradezu kapitalistische Zuege!
3. .
c++ 26.07.2011
Die Chinesen sind unseren Politikern mal wieder einen kleinen Schritt voraus. Aber beim Aufbau eines Überwachungsstaates werden wir China sicherlich überholen können.
4. Fast wie in Deutschland
Kudi 26.07.2011
Interessant, dass der unfreie WLAN-Zugang in China für deutsche Journalisten ein Thema ist. Dabei gibt es in Deutschland kaum kostenlosen WLAN-Zugang! Begründung der Hotel- und Gaststättenbetreiber: die Rechtslage und die Auflage, jeden Benutzer identifizieren zu müssen. Also, lieber SPIEGEL: lieber vor der eigenen Haustür kehren und die eigenen Behörden anprangern. Es ist ein Armutszeugnis, dass sich Deutschland in dieser Hinsicht von China kaum unterscheidet.
5. Subtiler
Teile1977 26.07.2011
Zitat von KudiInteressant, dass der unfreie WLAN-Zugang in China für deutsche Journalisten ein Thema ist. Dabei gibt es in Deutschland kaum kostenlosen WLAN-Zugang! Begründung der Hotel- und Gaststättenbetreiber: die Rechtslage und die Auflage, jeden Benutzer identifizieren zu müssen. Also, lieber SPIEGEL: lieber vor der eigenen Haustür kehren und die eigenen Behörden anprangern. Es ist ein Armutszeugnis, dass sich Deutschland in dieser Hinsicht von China kaum unterscheidet.
In Deutschland ist der Zwang subtiler, Wenn von einem W-Lanzugang Illegale Inhalte (Musik) heruntergeladen werden muß der Inhaber haften. Wurden die Gesetze nicht mal zur Terrorbekämpfung geschaffen? Und was Illegal ist entscheidet die Politik, wie 1933 mir wird angst und Bange sollte irgendwann mal wieder so ein "Menschenverführer" an die Macht kommen. Er fände die Ideale Überwachungsinfrastruktur vor.
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