Netz-Schnüffler Neue Suchmaschine erstellt Personenprofile

Eine Art Personen-Google will der neue Webdienst ZoomInfo zur Verfügung stellen. Die Suchmaschine stellt biographische und andere personenbezogene Daten zusammen. Bislang enthält der Such-Service nach Angaben des Betreibers Dossiers über 25 Millionen Menschen.


Menschenmenge: ZoomInfo sammelt Personendaten
DPA

Menschenmenge: ZoomInfo sammelt Personendaten

Ein amerikanisches Unternehmen hat einen neuen Dienst entwickelt, der die im Internet verfügbaren Informationen über Personen aufbereitet. Anstatt bei Google einen Namen in Anführungszeichen einzugeben und sich dann von den Ergebnissen überraschen zu lassen, erhält man bei ZoomInfo ein übersichtliches Web-Profil.

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bislang Profile von 25 Millionen Personen erstellt - mit Daten, die im Internet über diese Personen zu finden sind. Wer sich bei dem Dienst registriert, kann das eigene Profil auch kostenlos verändern; zum Nachweis der Identität werden die Daten der Kreditkarte verlangt. Wer gar nicht in der Datenbank aufgeführt sein will, hat auch die Möglichkeit, den eigenen Eintrag entfernen zu lassen.

Die Personen-Suchmaschine zeigt zunächst Angaben zum Werdegang einer Person an - am Beispiel von Richard Stallman wird etwa angezeigt, dass der Pionier der Bewegung für freie Software in Harvard, Brüssel und Glasgow studiert hat. Danach folgen Angaben zur Anzahl der im Web vorgefunden Quellen über diese Person mit Informationen über wichtige Projekte. Am Ende der Seite kann man diese Quellen dann in einer ähnlichen Übersicht aufrufen, wie man sie von Suchmaschinen gewöhnt ist. Die "erweiterte Suche" findet auch alle in der Datenbank enthaltenen Mitarbeiter einer bestimmte Firma. Die Profile zeigen an, ob sie automatisch erstellt oder von den entsprechenden Personen bearbeitet wurden.

"Wesentliche Informationen über eine Person"

"Mit unserem Angebot wird es möglich, sich selbst so zu präsentieren, wie man es gerne möchte", erklärt ZoomInfo-Manager Russell Glass. Vorstandschef Jonathan Stern erklärt, dass sein Unternehmen nur das tue, was auch bei Google und Yahoo üblich sei. Hinzu komme eine übersichtliche Zusammenfassung mit der Konzentration auf die wesentlichen Informationen über eine Person.

Dennoch stößt ZoomInfo auf die Kritik von Datenschützern. Der auf den Schutz persönlicher Daten spezialisierte Internet-Experte Richard Smith aus Brookline spricht von einem Tool für das Ausspionieren von Personen und sagt: "Nette Leute schnüffeln nicht ihre Nachbarn aus." Und Preston Gralla, Mitautor des Buchs "The Complete Idiot's Guide to Internet Privacy and Security" vergleicht ZoomInfo mit der Arbeit eines Privatdetektivs, der die Bewegungen einer Zielperson auf öffentlichen Plätzen ohne dessen Wissen verfolgt. Es sei ein Unterschied zwischen den ungeordnet im Internet verfügbaren persönlichen Daten und einer gezielten Zusammenstellung dieser Informationen zu einem Dossier.

ZoomInfo: Kritik von Datenschützern

ZoomInfo: Kritik von Datenschützern

Neben der kostenlosen Suche nach Personen bietet ZoomInfo auch einen kommerziellen Dienst an, der Unternehmen bei der Einstellung neuer Mitarbeiter gezielt mit einzelnen Informationen über Bewerber versorgt. Zu den Kunden gehören nach Angaben der Firma auch große Unternehmen wie Microsoft und AOL.

ZoomInfo führt Web-Profile von 57 eigenen Mitarbeitern - viele von ihnen individuell bearbeitet. Das Unternehmen sei bislang bekannt für sorgfältig geführte Projekte, sagt Chris Sherman vom Fachinformationsdienst "Search Day". Bislang gebe es noch kein optimales Mittel für die Internet-Suche nach Personen. Daher habe ZoomInfo die Chance, zum Marktführer in dieser Nische zu werden. "Wenn sie es richtig machen, könnten sie zu einer vertrauenswürdigen Quelle werden."

Jay Lindsay (AP)



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