Zeitverwirrung: Wie eine Sekunde das Netz ins Stolpern brachte

Die Schaltsekunde war zu viel für einige Internetserver und -programme: Als am 1. Juli die Uhren eine Sekunde zurückgestellt wurden, gingen gleich an mehreren Stellen die Lichter im Netz aus. Dabei hätte der Fehler wohl leicht verhindert werden können.

Zeitwackler (Symbolbild): Die Fehleranalyse ist in vielen Fällen schon abgeschlossen. Zur Großansicht
DPA

Zeitwackler (Symbolbild): Die Fehleranalyse ist in vielen Fällen schon abgeschlossen.

Das war kein gutes Wochenende für das Internet: Erst setzen Gewitter den Amazon-Rechenzentren zu, dann machte die Schaltsekunde Befürchtungen wahr, die man noch vom Wechsel ins Jahr 2000 kennt: Das Internet kam ins Stolpern! So meldete die News-Community Reddit Probleme durch ein Datenbankproblem, das Blog-Netzwerk von Gawker war 45 Minuten lang nicht zu erreichen, Mozillas Bug-Jäger entdeckten einen schwerwiegenden Schaltsekunden-Fehler in der Java-Programmiersprache und bei der australischen Fluggesellschaft Quantas mussten rund 50 Flüge verschoben werden. Berichte, nach denen besonders viele Linux-Server am Schaltsekunden-Tag zusammenbrachen, erwiesen sich allerdings als Falschmeldung.

Ganz schön viel Ärger, den eine zusätzliche Sekunde auslösen kann - und vermutlich ist er noch nicht vorbei. In den nächsten Tagen werden noch weitere Fehlermeldungen und zunächst unbemerkte Schäden auftauchen, die auf den so genannten "Leap Bug" zurückführbar sein werden. Die Fehleranalyse jedenfalls scheint in den bekannten Fällen schon abgeschlossen: Für die meisten Ausfälle dürfte entweder eine Schwachstelle in der Programmiersprache Java oder ein fehlerhafter Programmcode im Linux-Betriebssystem verantwortlich sein.

Gerade die Probleme mit Linux sorgen nun für etwas Aufregung. Denn die Schwachstelle in Linux war schnell gestopft; nur wurde die Verbesserung laut Serverfault.com nicht von den Linux-Firmen entdeckt und verbreitet. Vielleicht, glaubt Serverfault-Blogger Daniel Sterlin, sollten sich Web-Entwickler ein Beispiel an Google nehmen und deren Vorschlag für einen anderen Umgang mit der Schaltsekunde umsetzen - veröffentlicht vor fast einem Jahr.

Darin schlägt Google vor, die Schaltsekunde in Millisekunden-Bruchteilen über den ganzen Tag zu verteilen, dem sogenannten "Leap Smear" (etwa: Schaltspur). Damit würden Server am Ende des Tages nicht ins Straucheln kommen, wenn eine Extrasekunde plötzlich beispielsweise Schreibvorgänge sabotiert. So heißt es nun entspannt im Google-Firmenblog: "All unsere Server konnten ganz normal weitermachen, wohlig der Schaltsekunde unbewusst, die gerade an ihnen vorbeistrich."

kno

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
singlesylvia 02.07.2012
Zitat von sysopDie Schaltsekunde war zu viel für einige Internet-Server und -Programme: Als am 1. Juli die Uhren eine Sekunde zurückgestellt wurden, gingen gleich an mehreren Stellen die Lichter im Netz aus. Dabei hätte der Fehler wohl leicht verhindert werden können. Netzaus nach Schaltsekunde: Sekunde legt Teile des Internets lahm - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,842031,00.html)
Noch weniger Probleme hätte es vermutlich gegeben, wenn man möglicherwiese nicht nur Google's Vorschalg gefolgt wäre, sondern gleich ganz auf die Schrecksekunde verzichtet hätte. Für wen oder was ist die nützlich? Oder ist sie genauso unsinning wie die Zeitumstellungen 2 Mal im Jahr? Würde man weniger Probleme bekommen, wenn man die Schrecksekunde bei der nächsten Zeitumstellung mit einfließen ließe?
2. Server-Ausfall Zürich Flughafen
Cosmopol 02.07.2012
Jetzt verstehe ich wieso alle Bildschirme gestern in Zürich am Flughafen ausgefallen waren und der Start sich um rund eine stunde aufstockte.. Dann passierte noch was, der Luftraum über Polen war gesperrt, etwas mit Stromausfall, vermutlich auch wieder was mit dieser Sekunde.
3. Ich verstehe das nicht.
simieto 02.07.2012
Da die Uhr in meinem Notebook nicht wirklich richtig geht, wird immer wieder die Zeit über NTP richtig gestellt. Ich habe noch nie Probleme dabei bekommen. Selbst mehrere Sekunden konnten dem System nichts anhaben.
4. Einheitliches Zeitsystem
Markus Landgraf 02.07.2012
Zitat von singlesylviaNoch weniger Probleme hätte es vermutlich gegeben, wenn man möglicherwiese nicht nur Google's Vorschalg gefolgt wäre, sondern gleich ganz auf die Schrecksekunde verzichtet hätte. Für wen oder was ist die nützlich? Oder ist sie genauso unsinning wie die Zeitumstellungen 2 Mal im Jahr? Würde man weniger Probleme bekommen, wenn man die Schrecksekunde bei der nächsten Zeitumstellung mit einfließen ließe?
Die Schaltsekunde brauchen wir, damit nicht irgendwann um 12:00 Mittags (CET) die Sonne untergeht. Wegen der Gezeitenwechselwirkung ist der Tag etwas länger geworden als zum Referenzdatum 1.1.1900, als er noch exakt 86400 Sekunden lang war. Dabei ist die metrische Sekunde damals so definiert worden, dass der 1.1.1900 genau 86400 lang war, in dem die entsprechende Anzahl an Schwingungen eines Hyperfeinstrukturübergangs von Cäsium zugeordnet wurde. In Zeiten von globaler Vernetzung und globalen Navigationssystemen ist ein einheitlich definiertes Zeitsystem unerlässlich. Ausserdem soll es natürlich auch mit der subjektiv erfahrenen Uhrzeit einigermassen übereinstimmen, also es soll nicht um 12:00 mittags dunkel werden. Ad Astra!
5. Links falsch
Alex B 02.07.2012
Fast alle Hyperlinks in dem Artikel verweisen auf ein falsches Ziel...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Internet
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Montag, 02.07.2012 – 10:46 Uhr
  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 24 Kommentare
Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.