Netzausfall Unterseekabel gerissen - viele Länder ohne Internet

Mehrere Länder des Nahen Ostens und Asiens sind vom Internet abgeschnitten. Auch Telefonverbindungen wurden durch den Riss von Unterseekabeln zerstört. Offenbar handelt es sich um dieselben Leitungen, die vor wenigen Monaten im Mittelmeer durchtrennt wurden.


Drei Untersee-Datenkabel, die Europa mit dem Nahen Osten verbinden, sind offenbar durchtrennt worden. Die Unterbrechung hatte zur Folge, dass Ägyptens Internet-Anbindung fast vollständig zusammengebrochen ist. Nur noch 20 Prozent der ursprünglichen Kapazität sollen derzeit noch zur Verfügung stehen, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

Zudem sollen die Internet-Verbindungen von weiteren 13 Ländern durch den Kabelausfall gestört worden sein. Das Betreiberunternehmen des betroffenen Kabels, France Telecom, listet in einer Meldung unter anderem Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Taiwan als betroffen. Die Malediven sollen demzufolge sogar vollständig vom Internet abgeschnitten sein.

Die Unterbrechnung ist laut France Telecom am frühen Freitagmorgen festgestellt worden. Demnach wurden zwischen 7:28 Uhr und 8:06 Uhr nacheinander die Kabel "Sea Me We 4", "Sea Me We 3" und "FLAG" durchtrennt. Alle drei Kabel wurden auf einer Strecke zwischen Sizilien und Tunesien im Mittelmeer durchtrennt. Die Ursache ist noch unklar.

Ähnlicher Ausfall schon im Januar

Eines der beiden in der Region stationieren Reparaturschiffe, die "Raymond Croze", wurde umgehend von der France Telecom auf den Weg geschickt. Das Schiff wird am Montag an der Unglücksstelle erwartet, soll die Trennstelle mit 20 Kilometer Ersatzkabel flicken. France Telecom erwartet, dass "Sea Me We 4" am 25 Dezember wieder voll funktionsfähig sein wird. Bis zum 31. Dezember, so das Unternehmen, soll sich die Lage insgesamt wieder normalisiert haben.

Eine ähnliche Störung an Unterseekabeln hatte bereits im Januar zur erheblichen Problemen mit den Internet-Verbindungen im Nahen Osten und Asien gesorgt. Damals waren innerhalb weniger Tage vier unterseeische Internet-Kabel durchtrennt worden. Auch damals hatte alles damit angefangen, dass ein Kabel, das zwischen Palermo in Italien und Alexandria in Ägypten verläuft, durchtrennt wurde.

Der Ausfall von Daten- und Sprachverbindungen hatte damals die Wirtschaft der betroffenen Länder zum Teil erheblich geschädigt. In Indien etwa hatten beispielsweise Callcenter unter Problemen zu leiden, weil ihre Mitarbeiter schlicht nicht mehr erreichbar waren. Die Umleitung der Daten über Backup-Systeme hatte nur teilweise funktioniert.

Die Vielzahl fast gleichzeitig auftretender Störungen hatte Anfang des Jahres Verschwörungstheorien genährt, wonach die Kabel womöglich absichtlich durchtrennt worden seien. Wenig später aber wurde zumindest nahe einer der Unfallstellen ein abgetrennter Anker gefunden. Anker wie dieser wurden bereits kurz nach dem Auftreten der Störungen von den Betreibergesellschaften der Kabel als wahrscheinlichste Ursache für die Durchtrennung der Kabel genannt.

mak



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