Netzwelt-Ticker 17 Wii pro Sekunde

Der Erfolg der Nintendo-Spielkonsole sprengte 2007 jedes Maß - und die Kapazitäten des Herstellers. Außerdem im Überblick: Datenschützer kritisieren Versicherer, ein Student erfindet die Zukunft der Computerspiele und vieles mehr.


Süßer die Kassen nie klingen. Allein am 10. Dezember schoben Kunden aus 200 Ländern 5,4 Millionen Produkte in ihre virtuellen Einkaufskörbe beim Online-Versand Amazon.

Warten auf die Wii: Trotz erhöhter Kapazitäten konnte Nintendo nicht genügend Konsolen produzieren, um die Nachfrage zu befriedigen
AFP

Warten auf die Wii: Trotz erhöhter Kapazitäten konnte Nintendo nicht genügend Konsolen produzieren, um die Nachfrage zu befriedigen

Das entspricht 62,5 Einkäufen pro Sekunde. Die Amazon-Presseabteilung feiert den Erfolg mit einer Trivial-Statistik:

Amazon verkaufte so viele HD-Player, dass deren Gesamtfläche, würde man sie nebeneinander hinlegen, der Fläche von sieben Football-Feldern entspräche. Rohrzangen mit einer Gesamtlänge, die der Daytona-500-Rennstrecke entspricht, seien verkauft worden.

Herausragend war aber der Erfolg der Nintendo Wii-Spielkonsole. Über das Jahr gerechnet konnte Amazon 17 Stück davon pro Sekunde über den Online-Tresen schieben. Aber nur, solange sie vorrätig waren ...

Datenschützer kritisieren Versicherer

Die geheimen Risikolisten der deutschen Versicherer stoßen bei Deutschlands Datenschützern auf scharfe Kritik. Die Aufsichtsbehörden seien sich einig, dass das Verfahren, mit dem Daten von Millionen Versicherten ausgewertet werden, nicht datenschutzkonform sei, sagte am Donnerstag der Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, der Nachrichtenagentur AP. Die Daten können angeblich bei Versicherungsanträgen zu Risikozuschlägen oder zur Ablehnung des Kunden führen - ohne dass der je erführe, warum. Damit erinnern diese Listen an die ebenso heftig kritisierte Risikoeinschätzung durch die Schufa, die nach Eigenaussage im Besitz von fast 400 Millionen Einzeldaten von 64 Millionen Personen ist und damit etwa drei Viertel aller Deutschen erfasst habe.

Die Versicherungswirtschaft betreibt bereits seit 1993 ein gemeinsames Hinweis- und Informationssystem (HIS). Es dient nach Angaben des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft "insbesondere zur Aufdeckung und Prävention von Versicherungsbetrug und -missbrauch”. Datenschützer kritisieren jedoch die mangelnde Transparenz des Systems. Die Weitergabe der Daten an Versicherer stelle sogar eine unzulässige Datenübermittlung dar.

Die Daten werden nach Angaben der Versicherungswirtschaft fünf Jahre lang gespeichert und dann automatisch gelöscht. Insgesamt enthält die Liste derzeit rund 9,5 Millionen Datensätze.

Die Zukunft der Computerspiele?

Apropos Nintendo Wii: Mit einer so einfachen wie genialen Idee bringt Johnny Chung Lee, ein Tüftler von der Carnegie Mellon University Computerspieler um den Verstand. In einem YouTube-Video demonstriert Lee, wie er mit der günstigen Wii sogenanntes Headtracking realisiert, also Kopfbewegungen nutzt, um die Spielgrafik zu beeinflussen.

Der Effekt ist verblüffend! Der Fernseher wird zu einem Fenster in eine andere Welt. Wie ansonsten nur aufwendig mit Shutter-Brille oder Virtual-Reality-Helm machbar, scheinen Gegenstände aus dem TV-Bildschirm herauszuragen, kann sich der Spieler dahinter verstecken oder daran vorbeilaufen. Wer’s nicht gesehen hat, kann den Reiz nicht verstehen. Wer den Reiz versteht, will sofort so ein Ding und die dazu passenden Spiele haben. Da es solche Spiele aber noch nicht gibt, machen sich Spielfans in Lees Blog Gedanken, wie man die Wii-rtual-Reality noch weiterdrehen kann.

Top of the Swaps

Wer wissen will, was Leute online anschauen und anhören, muss nur einen Blick in die Download-Charts der Filesharing-Szene werfen. Die Download-Zahlen bei P2P-Netzwerken gelten längst als vertrauenswürdiges Barometer dafür, was bei Medien-Junkies angesagt ist oder nicht. Ein einfaches Motto, dem das US-Magazin "Wired" folgt: Zusammen mit den Filesharing-Beobachtern von BigChampagne Online Media Measurement suchten sie nach den meistgetauschten Filmen, Songs und Fernsehserien. Und oh, welch Überraschung: Bei den Musik-Downloads dominieren Künstler, die gerade einmal einen Song veröffentlichten: Singles sind König, Alben veraltet.

Ebenso große Überraschung bei den Film-Downloads: "Resident Evil: Extincion", eine Videospielverfilmung sitzt auf dem Thron - die massiven Kinoerfolge "Shrek 3" und "Spiderman 3" schafften es aber nicht einmal in die Top Ten, "Transformers" gerade mal auf Platz 7.

Bei den TV-Serien ist "Heroes” klar die Nummer eins. Interessant an den Download-Zahlen: "Heroes" war on- wie offline, legal wie illegal ein immenser Erfolg. Die Tatsache, dass viele Netzkopien einst kopiergeschützte Dateien waren, spielt dabei keine Rolle. BigChampagne-Boss Eric Garland: Sobald ein Kopierschutz geknackt und die Datei in die Öffentlichkeit geraten ist, gibt’s kurzen Prozess.

Sony gibt Rückprojektionsfernseher auf

Mit Sony zieht sich der letzte Elektronikkonzern aus der Produktion von Rückprojektionsfernsehern zurück. Damit ist das Projekt einer Alternative zu LCD- und Plasma-Fernsehern gescheitert. Zukünftig werde Sony auf Flüssigkristall-Displays (LCD) und OLED-Technik setzen und so den rapide wachsenden Markt für Flachbildschirme angehen, heißt es bei der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Nachfrage nach Rückprojektionsfernsehern - vor allem in den USA einst dominant im großformatigen Flachbildschirmgeschäft - ging dramatisch zurück, nachdem immer mehr Elektronikhersteller immer günstigere und größere LCD- und Plasma-Geräte anboten.

Große Hände brauchen große Fernbedienungen

Man kennt das: Mit dem Alter rosten die Gelenke, trübt sich der Blick und werden die spärlichen Haare grau. Doch schon jenseits der 35-Jahre-Grenze sieht es nicht gerade rosig aus. Die Zwergentastatur eines Handys und die Oberfläche eines Mohnbrötchens unterscheidet dann gerade noch der Geschmack; eine TV-Fernbedienung und ein Spaceshuttle dann nur noch das dickere Anleitungsbuch (logisch: die des TV-Geräts). Ganz klar: Das überfordert Oma und Opa.

Doch Unknownuser2007 aus dem Heimwerker-Blog Instructables.com schafft Abhilfe. Mit einer Schere, einem Löt- und einem Bügeleisen, einem Schraubendreher und einer Heißklebepistole bastelt er aus jeder herkömmlichen Fernbedienung eine Super-sonder-Fernbedienung für Senioren. Mit einem riesigen An/aus-Schalter und vier gigantischen Pfeilen für laut/leise und Kanal auf/ab. Das liegt wohl gut in der Hand und lässt nur wenige Fragen offen. Zum Beispiel: Warum nur läuft so viel Schund im Fernsehen?

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