Netzwelt-Ticker: Abo-Kündigung bei Amazon löscht Dateien
Der E-Book-Reader Kindle verschiebt nach Abo-Kündigung alte Zeitschriften in den Daten-Orkus, Microsoft verschiebt die Veröffentlichung seines Tablet-Betriebssystems, und Bischof Mixa verschiebt seine Internetpläne. Das und mehr im Überblick.
Amazons Kindle ist ein praktisches Lesebrett. Sein Besitzer kann in beliebig vielen Titeln schmökern, ohne sich das Regal mit Lesestoff vollstellen zu müssen, und tut damit noch was für die Umwelt. Per Abo kommen außerdem regelmäßig diverse Zeitschriftentitel auf das Lesegerät. Doch Vorsicht bei der Kündigung eines Abonnements. Denn ist erst das Abo weg, verschwinden auch die bis dato gesammelten und abgespeicherten Ausgaben auf Nimmerwiedersehen.
Daran ändert auch der Umstand nichts, dass der vermeintliche Besitzer für jede einzelne Ausgabe ordentlich bezahlt hat. Dabei ist es auch nicht möglich, den angesammelten Lesestoff vor Vertragsbeendigung auf einem anderen oder neueren Gerät abzuspeichern. Die "LA Times" kommentiert das unter Verweis auf einen entsprechenden Bericht bei "Gizmodo", bezahlte E-Book-Versionen von Zeitschriften sollten ihrem Besitzer so lange zur Verfügung stehen, wie er wolle.
Auch wenn sich Amazon beeilte, darauf hinzuweisen, das übliche Verfahren bei einer Abo-Kündigung beinhalte den Verbleib der letzten sieben Nummern, bleibt ein grundsätzliches Problem bestehen. Nämlich jenes, dass virtuelle Güter wie Bücher, Musikalben oder einzelne Songs im Grunde nicht mehr verkauft werden. Der Kunde mutiert zum Nutzer, der für sein Geld lediglich eine begrenzte Lizenz erhält.
Diese Grenzen sind vielfältig, sie reichen von den Fallstricken der unterschiedlichsten Kopierschutzmaßnahmen bis zum gleichsam eingeprägten Verfallsdatum. Mehr und mehr gewöhnen die Anbieter dieser Medien die Konsumenten an dieses Modell. Beim virtuellen Filmverleih ist es schon längst gang und gäbe. Kauf, Besitz und Eigentum: Multimedia-Anbieter könnten so dem Traum vom Perpetuum mobile endlich nahekommen.
Grooveshark legt sich mit Apple, Google und der Musikindustrie an
Schau her: Grooveshark ist ein Service, der seinen Nutzern das Hochladen und Weiterverbreiten von Musiktiteln erlaubt. Nach demselben Prinzip funktioniert das bei YouTube mit Videos, mittlerweile oft mit Zustimmung der Rechteinhaber. Die Musikfreunde haben weniger Glück: Letztes Jahr warf Apple die Grooveshark-App aus seinem App Store, zum 1. April folgte Google und verbannte das Musik-Helferlein ebenfalls aus dem Android Market Place. Zur Begründung verwiesen die Verantwortlichen auf Beschwerden des US-Musikverbandes RIAA, die Applikation verstoße gegen geltendes Recht.
Dabei ist Grooveshark bereits seit längerem dabei, allen Hinweisen auf Urheberrechtsverletzungen nachzugehen. Nach eigenen Angaben wurden so bislang 1,76 Millionen Musiktitel entfernt und mehr als 20.000 Nutzer-Accounts gesperrt. Überdies habe das Unternehmen Lizenzvereinbarungen mit mehr als 1000 kleinen und großen Musiklabels abgeschlossen. "Ars technica" zitiert aus einem Beschwerdebrief des Unternehmens an Apple und Google: "Das ist nicht das typische Verhalten eines Unternehmens, das auf Urheberrechtsverletzungen abzielt. Gerade unsere Zusammenarbeit mit Labels und Künstlern, um unseren Nutzern mehr Inhalte zur Verfügung zu stellen, stärkt Groovesharks Position als Alternative zur Piraterie."
Womit sowohl Apple und Google als auch die Musikindustrie mit ihrer Haltung gegenüber Grooveshark ihren eigenen Interessen schaden würden, die nicht zuletzt auch den faktischen oder geplanten Online-Absatz von Musiktitel umfassen würden.
Microsoft verschiebt eigenes Tablet-Betriebssystem
Vier lange Jahre ist es her, dass Apple sein iOS-Betriebssystem vorgestellt hat. Ohne größere Probleme konnte es auch für das iPad adaptiert werden. Google hat für die Plattrechner-Sparte sein Android 3.0 Honeycomb entwickelt und auch HP und RIM setzen auf mobile Touchscreen-Programme. Und was macht Microsoft? Mit Windows Phone 7 hätten die Redmonder eigentlich ein erstklassiges Sprungbrett für ein Tablet-Betriebssystem.
Aber bis zu dessen Verwirklichung und Veröffentlichung wird es wohl noch ein Weilchen dauern. Ashley Highfield, Geschäftsführer von Microsoft Großbritannien und unter anderem auch für die Mobilsparte des Konzerns zuständig, erklärte: "Wir werden im Tablet-Markt nichts unternehmen, bis wir nicht unverwechselbar sein können." Auch wenn sein Unternehmen dank Geräten von Acer, Asus oder Dell eine gewisse Präsenz hätte, seien diese Produkte mit Sicherheit keine ernsthafte Konkurrenz für Apples iPad. Wenn er, Ashfield, ein Tablet nutzen wolle, greife er aber auch viel lieber zu einem Inspiron Duo mit dessen ausziehbarer Tastatur, erklärte er gegenüber "Pocket-Lin".
Bischof Mixa legt Internet-Pläne auf Eis
Der kommende Ostermontag sollte auch aus persönlichen Gründen ein Freudentag für den früheren Augsburger Bischof Walter Mixa werden. Nicht nur, dass der nach schweren Missbrauchs- und Veruntreuungsvorwürfen zurückgetretene Kirchenmann dann seinen 70. Geburtstag feiert, eigentlich sollte am selben Tag auch die öffentliche Präsenz des Kirchenmannes einen Schub erfahren. Mit einer eigenen Homepage und mit Hilfe sozialer Netzwerke wollte er gezielt junge Menschen ansprechen und für den Glauben gewinnen.
Doch daraus wird nun nichts, entgegen früheren Ankündigungen wurde die Freischaltung seiner Webseite www.bischof-mixa.de bis auf weiteres verschoben. Dort ist nur noch die etwas geschraubte Mitteilung zu finden: "Die Reaktionen auf die geplante Freischaltung dieser Internetpräsenz waren dergestalt, dass zum jetzigen Zeitpunkt eine Freigabe für das Anliegen der Glaubensverkündung wenig hilfreich zu sein scheint."
Schon Mixas erster Comeback-Versuch, ein Buchprojekt gemeinsam mit einem Ex-Bodyguard, hatte zu Jahresbeginn in Kirchenkreisen für Irritationen gesorgt und wurde auch bald wieder abgeblasen. Die Online-Pläne des Bischofs trafen bei der Deutschen Bischofskonferenz (DKB) ebenfalls auf wenig Gegenliebe. Mixas Vorhaben sei im Alleingang geplant worden, die Distanzierung fiel entsprechend harsch aus. "Das ist eine Privatsache des Bischofs Mixa. Für bischöfliche Beauftragungen ist die DBK zuständig. Einen solchen Auftrag gibt es hier nicht", ließ laut "Süddeutscher Zeitung" der Sprecher der Bischofskonferenz ausrichten.
Je mehr Twitter-Meldungen, desto kürzer die Partnerschaft
In der Vogelwelt gilt fleißiges Gezwitscher der Sicherung eines eigenen Reviers und dem Werben um einen Partner. Doch in der virtuellen Welt der menschengemachten Mitteilungen ist der Effekt wohl eher gegenteilig. Das jedenfalls will die Dating-Seite OkCupid herausgefunden haben. Das Kuppelportal sucht passende Partner anhand der Antworten auf Tausende Fragen aus.
Diese Datenbasis förderte auch einen interessanten Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Nutzung von Twitter und der Beziehungsdauer zutage. OkCupid-Mitglieder, die den Zwitscherdienst jeden Tag nutzen, haben tendenziell kürzere Beziehungen. Während die durchschnittliche Beziehungsdauer bei 18-jährigen Viel-Twitterern neun Monate beträgt, hält sie beim allgemeinen Durchschnitt in dieser Altersgruppe neuneinhalb Monate.
Mit steigendem Alter wirkt sich dieser Effekt stärker aus. Im Alter von 50 hat ein Twitter-Nutzer durchschnittlich eine 15-Monatsbeziehung, wohingegen es sein etwas schweigsamerer Alterskollege 17 Monate aushält. In einem eigenen Blogpost offenbart OkCupid noch eine ganze Reihe weiterer saftiger und überraschender Erkenntnisse aus dem unternehmenseigenen Datenbestand.
Auch das noch:
- T-Mobile USA will Gratis-VoIP über Facebook einführen
- Eine Telefonrechnung in Höhe von 716 Millionen Euro
- Das neue iPhone kommt im September
- Hacker attackieren Petitionsplattform für Ai Weiwei
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- Mittwoch, 20.04.2011 – 15:10 Uhr
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