Netzwelt-Ticker: Aktienboom durch Betrüger-Spam
Menschen-Googles machen die Privatsphäre noch löchriger, Scammer treiben per Spam Aktienkurse in schwindelerregende Höhen, ein Vista-Aufkleber sorgt für Aufregung, Microsoft veröffentlicht Notfall-Patches. Das und mehr im Überblick.
Internetbetrüger (Scammer) haben in den letzten Tagen in bisher unbekanntem Ausmaß versucht, mit E-Mail-Spam eine amerikanische Aktienbörse zu manipulieren. Bei Sophos registrierte man einen globalen Anstieg von Spam um 30 Prozent oder rund 500 Millionen E-Mails. Sie enthielten den Tipp, in Aktien der Prime-Time-Group zu investieren. Die Mailflut wurde am Dienstagnachmittag zuerst in Deutschland registriert.
Aktienbörse: Erst hoch, dann runter - dank Spam-Mails
Aber funktioniert denn so eine Aktienmanipulation? Die traurige Wahrheit: Sie funktioniert nicht nur, sie funktioniert sogar umwerfend gut. In den letzten sieben Tagen, so das Sophos-Blog, ist die Prime-Time-Group-Aktie um sagenhafte 60 Prozent gestiegen. Dabei helfen den Scammern durchaus seriöse Aktienanleger, die vielleicht sogar um die betrügerische Natur der E-Mails wissen. Sie denken, das Treiben zu durchschauen und helfen, den Preis in die Höhe zu treiben, indem sie auf der Erfolgswelle mitschwimmen. Ihr Ziel: Noch vor den Betrügern ihre Aktien abzustoßen. Damit werden auch unbescholtene Aktienhändler zu Komplizen der Spammer.
Ein Rat von John Levine von der Anti-Spam-Gruppe gegenüber der AFP: "Kein Fremder würde Ihnen einen Aktientipp zu ihrem Besten geben. Das hat in den 1920ern gestimmt (zum Börsencrash) und das stimmt heute."
Windows Vista - Klagen und Doping
Ein Aufkleber sollte Computerkäufer in Sicherheit wiegen. "Dieser Rechner ist bereit für Windows Vista” - sprich: Auch wenn Du jetzt noch kein Vista einsetzen willst, ist dieser Rechner kein Fehlkauf. Allein: Viele Computer, die solch ein Beruhigungspflaster schmückte, sind alles andere als "Bereit für Windows Vista". Jedenfalls nicht für das Windows Vista, das man sich kauft, um neue Features wie die Aero-Oberfläche oder das Media-Center bestaunen zu können. Microsoft bietet extra für Low-End-Rechner eine kastrierte Vista-Version an, die all die schicken Features vermissen lässt. Das könnte Irreführung sein, beschloss nun ein amerikanischer Richter und ließ eine Sammelklage zu. Doch "The Register" warnt vor allzu viel Hoffnung auf prasselnden Geldregeln: Höchstwahrscheinlich wird die Klage außergerichtlich beigelegt, als Entschädigung könnte es ein paar Gutscheine für den nächsten Betriebssystem-Kauf geben - man kennt solche Vergleiche ja von ähnlichen Prozessen.
Selbst wenn einem der Aufkleber-Aufreger ein wenig fremd ist - Windows Vista hat Performance- und Kompatibilitätsprobleme. Deswegen warten viele User auf ein Servicepack, das viele Probleme löst. Doch das soll erst im ersten Halbjahr 2008 veröffentlicht werden. Trotzdem hat Microsoft jetzt auf der eigenen Downloadseite zwei Notfall-Patches bereitgestellt, die einige Geschwindigkeits- und Zuverlässigkeitsprobleme beheben sollen. Das Kopieren und Verschieben von Dateien soll deutlich beschleunigt, Bugs in Standby-Modi ausgemerzt und viele Grafikkartenprobleme behoben worden sein. Mehr dazu bei Ars Technica oder den beiden Microsoft-Seiten zum "Performance and Reliability”- und "Compatibility and Reliability”-Update.
Suchmaschinen und Privatsphäre
Das Center for Democracy & Technology (CDT) schlüsselt in einem Bericht (.pdf-Format) die Datenschutz-Bemühungen der einzelnen Suchmaschinen auf. Offensichtlich gibt es große Unterschiede - zum Beispiel bietet einzig Ask.com seinen Usern an, Suchanfragen zu anonymisieren.
Wie die ORF Futurezone zusammenfasst, empfiehlt das CDT der US-Politik, den Datenschutz nicht der Selbstregulierung durch die Unternehmen zu überlassen. Den Suchmaschinenbetreibern hält das Zentrum vor, die Privatsphäre der User den Bedürfnissen der Werbewirtschaft zu opfern, sieht aber auch einen positiven Trend: Eine gute Datenschutzpolitik wird ein Argument für eine Suchmaschine und gegen eine andere. Die Urheber der Studie begrüßen daher einen gerade in Gang kommenden Wettbewerb in dieser Richtung.
Namen suchen mit Spock
Tiefe Sorgenfalten dürften sich auch angesichts der Leute-Suchmaschine Spock.com auf mancher Datenschützer-Stirn ausbreiten. Kurz gefasst soll die Website alle Daten sammeln, die sie über eine bestimmte Person in Social Networks, Blogs und Internetprofilen finden kann. Sie lässt diese Kollektionen dann durch User erweitern und korrigieren und überlässt überdies den Personen selbst, auch noch ein Wörtchen mitzureden. Im Praxistest funktioniert das manchmal ganz ausgezeichnet - und manchmal gar nicht. Zwar sollen schon über 100 Millionen Leute registriert sein, oft sind die Informationen aber arg spärlich oder wenig aussagekräftig. In den Fällen, wo Spock.com aber erfolgreich ist, sieht man das Potential dieser Suche: Sie kann eine tolle, wenn auch fragwürdige Zusammenstellung aller persönlicher Netz-Aktivitäten einer bestimmten Person anbieten. Wie genau das funktioniert, schlüsselt Ars Technica auf.
Wesentlich problematischer als Spock sind Dienste, die Daten verfügbar machen wollen, die der Nutzer gar nicht selbst ins Netz gestellt hat - zum Beispiel Jigsaw.com. Dort kann man private Kontaktdaten kaufen und verkaufen - auch gegen den Willen der Betroffenen. Das Unternehmen bezahlt seine Nutzer gewissermaßen für das Abtippen persönlich erhaltener Visitenkarten.
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