Netzwelt-Ticker Amazon wird Video-Downloadplattform

Video on Demand gibt's jetzt auch bei Amazon, Mozilla schließt Bündnis mit der französischen Armee, und eine Grafikerin verklagt Google wegen dessen Bildersuche. Das und mehr im Überblick.

Amazon, jetzt auch Online-Videothek: Wie so oft zunächst nur in den USA

Amazon, jetzt auch Online-Videothek: Wie so oft zunächst nur in den USA


Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft hat das Onlinekaufhaus Amazon seine Angebotspalette um einen wichtigen Punkt erweitert. Ab sofort können Kunden, die eine DVD oder Blu-Ray-Disc gekauft haben, den entsprechenden Film sogleich ansehen. Neben der Möglichkeit, den Streifen herunterzuladen, schickt Amazon den Film auch via Streaming in Standardauflösung auf den heimischen Computer. Auf jeden Fall ist eine halbwegs schnelle Internetanbindung erforderlich, um den "Disc on demand"-Service zu nutzen und die Filme, die wie bei YouTube und Co in einem Flash-Fenster präsentiert werden, anzusehen.

Das Angebot ist derzeit allerdings noch recht ausbaubedürftig. Auch wenn Amazon selbst von " Tausenden hochwertigen Fernsehserien und Filmen" spricht, sind im Augenblick gerade einmal gut 300 Titel im Angebot.

Und wie das so oft mit schicken Neuerungen aus den USA ist, wir Europäer müssen leider draußen bleiben. Die Filmindustrie achtet bekanntlich mit Eifer auf die Einhaltung lizenzrechtlicher Vereinbarungen, selbst wenn sie das Umsatz und Profit kostet. Im vorliegenden Fall beschränkt sich Amazons Filmservice auf die USA.

Amazon aber mausert sich mit diesem Schritt zur Downloadplattform und sagt damit der Konkurrenz von Apples iTunes bis hin zu Online- wie Offline-Videotheken und Kaufhäusern den Kampf an. Bislang lag der Vorteil normaler Verkaufsläden auch darin, dass der Kunde nicht erst auf den Postboten warten musste, sondern seinen Film direkt nach dem Kauf anschauen konnte. Mit Amazons "Buy now, watch now"-Programm gibt es wieder einen Grund weniger, sich vom heimischen Sofa zu erheben.

Frankreichs Armee hilft Mozilla im Kampf gegen Microsoft

Dieser Tage brachte die Mozilla Foundation die neueste, um mehr als 2000 Verbesserungen erweiterte Version ihres E-Mail-Programms Thunderbird heraus. Und wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hatten die Programmierer ungewöhnliche Hilfe bekommen.

Teile des Codes seien direkt von der französischen Armee geliefert worden. Der Hintergrund: Schon vor sechs Jahren hatte sich die Grande Armée für das Open-Source-basierte Projekt entschieden, weil es größere Datensicherheit und weniger Fehleranfälligkeit gewährleiste als eine im Geheimen ausgetüftelte, also proprietäre Software, wie zum Beispiel jene von Microsoft. Auf der Grundlage der frei verfügbaren Codes erstellten die Militärexperten dann eigene Add-ons, die aber nach und nach nicht mehr nur auf den militärischen Bereich beschränkt blieben.

Unter dem Namen "TrustedBird" wurden einige dieser Sicherheitserweiterungen für die Allgemeinheit veröffentlicht, auch die Armee nutzt TrustedBird auf ihren mehr als 80.000 Computern. Ebendieses Security-Add-on hielt nun in Teilen Einzug in den erneuerten E-Mail-Client Thunderbird. Demnächst soll das Programm auch zur Standardausrüstung der Nato avancieren.

Neues vom Nasa-Hacker: Schon wieder Berufung eingelegt

Das Hickhack um die Auslieferung des "Nasa-Hackers" Gary McKinnon geht wider Erwarten in eine weitere Runde. Dem zuweilen auch als Ufo-Hacker bezeichneten Briten wird vorgeworfen, vor sieben Jahren unter anderem in die Pentagon-Rechner eingedrungen zu sein, weshalb ihn die US-Behörden nur zu gern vor den Kadi bringen würden. Im schlimmsten Fall drohen McKinnon bis zu 70 Jahren Haft.

Darauf hat er verständlicherweise wenig Lust, und so legten seine Anwälte Berufung gegen die bereits beschlossene Auslieferung an die USA ein. Als Begründung wird der angegriffene Gesundheitszustand des schottischen Hackers angeführt, obwohl der britische Innenminister erst gerade einen Auslieferstopp aufgrund medizinischer Gründe ausgeschlossen hatte, wie "Gulli" meldet. Nun hofft McKinnon, eine Reihe von medizinischen Gutachten möge die Behörden doch noch erweichen.

Grafikerin verklagt Google wegen Bildersuche

Eigentlich müsste jeder aufstrebende Künstler um Gratisreklame für seine Werke froh sein, selbst wenn sie in Form kleiner Thumbnails in Googles Bildersuche daherkommt. Sollte man meinen, aber eine Malerin und Grafikerin aus Weimar sah das anders und verklagte den Suchmaschinisten, ihr Urheberrecht zu respektieren. Daher müsse Google die entsprechenden Motive entfernen.

"Google hat ein Geschäftsmodell, das millionenfach zu Urheberrechtsverletzungen führt", wird die Klägerin zitiert. Dem hält der Google-Anwalt entgegen, Suchmaschinen gehörten zur notwendigen Infrastruktur im Internet und das beinhalte eben auch Bilder-Trefferlisten.

Die Angelegenheit ist von sehr grundsätzlicher Bedeutung, weswegen das Verfahren mittlerweile vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gelandet ist, der am Donnerstag erstmalig in der Sache verhandelte. Der vorsitzende Richter Joachim Bornkamm deutete an, das Verfahren könne nach einem BGH-Urteil in den kommenden Wochen möglicherweise sogar vor den Europäischen Gerichtshof gebracht werden. Denn: "Es steht die rechtliche Zulässigkeit eines Instruments auf dem Spiel, von dem wir alle täglich Gebrauch machen."

Nokia schließt seine zwei Vorzeige-Verkaufslokale in den USA

Dass es Handyhersteller Nokia derzeit nicht gut geht, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Seit gestern pfeifen sie noch lauter, denn da kündigten die Finnen die Schließung ihrer zwei amerikanischen Hauptgeschäftslokale in New York und Chicago an. Erst letzte Woche musste schon der Nokia-Shop in Londons feiner Regent Street dran glauben. Weniger Umsatz, weniger Profit als eigentlich erhofft, da zogen die Skandinavier lieber den Stecker.

Damit sind von den ursprünglich zwölf weltweit etablierten "Flagship Stores", von denen Nokia sich die Wiederholung des Erfolges der Apple Stores versprach, noch neun übrig. Ein Branchenkenner wird mit einem Bild zitiert, das den Grund für das Scheitern anschaulich erklärt: "Flagship Stores sind wichtig für die Modeindustrie. Apple ist Mode. Nokia ist Unterhaltungselektronik."

Gesundheit: "Ärzte.eu" ist die erste internationalisierte Domain in der EU

Seit Donnerstag kann jeder internationalisierte Domänennamen (IDNs) registrieren, dazu muss er sich nur an die Vergabestelle EURid wenden. Neu dabei: Es können auch bislang nicht zulässige Akzentzeichen, Umlaute und Sonderzeichen verwendet werden, die nicht im lateinischen 26-Buchstaben-Alphabet enthalten sind.

Die erste demgemäß internationalisierte .eu-Domain wurde nach Deutschland vergeben und heißt "ärzte.eu". Überhaupt scheint das Interesse aus Deutschland besonders groß zu sein, denn gerade für Begriffe, die Umlaute enthalten, besteht großer Nachholbedarf. Die europäische Vergabestelle listet Deutschland auf Platz Nummer eins der Liste der Länder, die die meisten IDNs registriert haben. Und auch die ersten zehn IDNs gingen sämtlich nach Deutschland.

Außerdem:

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.