SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

26. Oktober 2011, 13:18 Uhr

Netzwelt-Ticker

Android-Apps überholen Konkurrenz

Von Richard Meusers

Die Android-Plattform hat die Apple-Konkurrenz überholt - zumindest nach reinen Download-Zahlen. Außerdem im Überblick: Die EU denkt über elektronische Überwachung von Einreisenden nach - und ein erster Termin für Windows 9 soll feststehen.

Im Bereich mobiler Anwendungen hat jetzt Android Apple den Rang abgelaufen. Laut der Zahlen von Marktforscher Abi Research konnte das Google-Betriebssystem im zweiten Quartal 2011 rund 44 Prozent aller mobilen App-Downloads verzeichnen. Apple brachte es mit seinem iOS im gleichen Zeitraum nur auf einen Anteil von 31 Prozent. Der Hauptfaktor für den Android-Erfolg sei Googles Open-Source-Strategie, so die Abi-Research-Experten.

Für Entwickler sei es wesentlich einfacher, in einem freien Umfeld zu arbeiten, das nicht wie bei Apple durch eine Vielzahl von Vorgaben eingezwängt sei. "Als freie Plattform hat Android seine Basis vergrößert, das hat wiederum die Zahl dritter App-Stores von Plattformen und Mobilfunkanbietern anwachsen lassen. Allein diese Bedingungen erklären bereits, warum Android nun den Markt für mobile Anwendungen anführt", so Abi-Forscher Lim Shiyang zu ITPro.

Allerdings haben Entwickler nach wie vor gute Gründe, sich in Apples streng kontrolliertes Einkaufsparadies zu begeben: Nutzer von iPhones und iPad laden häufiger Apps herunter als Android-Nutzer - und sie bezahlen öfter dafür: 22,4 Prozent der Android-Downloads seien bezahlt, 70,6 Prozent der iOS-Downloads, rechnet eine Studie vor.

EU plant elektronische Überwachung von Einreisenden

Von den USA lernen, heißt überwachen lernen. Dieser Wahlspruch scheint für die Pläne der EU-Kommission für eine neues Grenzregime an den Außengrenzen des gemeinsamen Schengenraums zu gelten. Ein "Smart Border"-Projekt enthält Vorschläge für ein elektronisches System zur Erfassung von Einreisenden, wie es ähnlich auch die USA handhaben. Einreisedatum, Ort und Aufenthaltsdauer von Personen aus Drittstaaten sollen in einem elektronischen Vermerk gespeichert werden. Das soll die bisherige Praxis der Pass-Abstempelung ersetzen und illegales Abtauchen in der EU erschweren. Zu diesem Zweck würden dann sämtliche Behörden für Grenzkontrolle und Einwanderung Zugriff auf diese Daten bekommen.

Wer häufig unterwegs ist wie Geschäftsreisende, könnte nach vorheriger Erfassung seiner biometrischen Daten bei jeder Einreise nur noch eine automatische Einreisekontrolle durchlaufen. Das Projekt soll nun in ersten Konsultationen beraten werden und im kommenden Jahr Gesetzeskraft erlangen. Kritik kam von den Grünen im EU-Parlament. Sie halten das Projekt für eine "Big Brother"-Maßnahme. Zudem sollten hier eine Milliarde Euro für die Kopie eines US-Programms aufgewendet werden, "das wir hier in Europa überhaupt nicht brauchen und das in den USA nicht mal besonders gut funktioniert", zitiert Heise.de die grenzpolitische Sprecherin der Fraktion Ska Keller. Ihr innenpolitischer Kollege Jan Philipp Albrecht legte nach und warnte vor der Kompletterfassung aller Reisebewegungen. Was wie ein Privileg für Geschäftsreisende aussehe, sei in Wahrheit die Aufgabe grundlegender Datenschutzprinzipien.

Web-Celebrities tanzen für Politiker

San Francisco wählt am 8. November einen neuen Bürgermeister - und mit einem aufwendig produzierten Videoclip trommeln Vertreter von Internet-Unternehmen für Ed Lee, der die Geschäfte derzeit übergangsweise führt. Angelehnt an MC Hammers "Too Legit to Quit" tanzen und singen dort Twitter-Mitgründer Biz Stone, Baseball-Punk Brian Wilson und will.i.am von The Black Eyed Peas. Google-Managerin Marissa Mayer hat eine kurze Tanzeinlage. Finanziert wurde der Werbespaß laut "Wired" von dem Investor Ron Conway und dem Napster-Gründer und Facebook-Berater Sean Parker. (ore)

Gerüchte erwarten Windows 9 für 2014

Noch ist Windows 8 nicht draußen, da gibt es schon erste Gerüchte über die Nachfolgeversion Windows 9. So ist der Betreiber der Webseite MS nerd angeblich an einen Software-Fahrplan von Microsoft gelangt, der die Jahre 2012 bis 2014 umfasst. In dieser Roadmap werden nicht nur die einzelnen Entwicklungsschritte des kommenden Windows 8 genannt, auch der Begriff Windows 9 taucht erstmals auf.

Die Windows-8-Beta soll demnach zusammen mit Windows Store zur CESin Las Vegas im Januar 2012 veröffentlicht werden. Im April soll der Release Candidate folgen, im August schließlich die marktfähige Version. Die Windows-9-Beta könnte dann im Januar 2014 wiederum in Las Vegas gezeigt werden und im November desselben Jahres zu kaufen sein. Allerdings solle man den Daten nicht übermäßig vertrauen, so MS nerd. Denn "wie immer sind Microsoft und ich gleichermaßen unzuverlässig".

Videotheken-Plus im Sommermonat Juli

Ohne kino.to werden mehr Videos ausgeliehen: Das meldet zumindest die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzung (GVU). In der ersten Juliwoche dieses Jahres seien steigende Umsätze in Videotheken beobachtet worden. Die GVU führt das auf das Abschalten des Raubkopie-Verzeichnisses kino.to im Juni zurück. Hochgerechnet auf das ganze Jahr könnten Videotheken den Angaben nach rund 43 Millionen Euro mehr einnehmen, wenn es denn gelänge, illegale Streaming-Angebote ganz abzuschalten. Eine optimistische Schätzung: Denn dass der Juli dieses Jahr besonders kalt und regnerisch ausfiel, wird in der Mitteilung nicht erwähnt. (ore)

Auch das noch:

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH