Netzwelt-Ticker Apple bastelt an Flash-Alternative

Apples Gianduia-Framework soll ohne Plug-ins funktionieren, Sky bekommt Probleme mit dem Jugendschutz und 200 Angestellte twittern für Hugo Chávez. Das und mehr im Überblick.

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An dunklen Nuss-Nougat denkt wohl niemand, der nach Alternativen zu Adobes Flash sucht. Genau so aber lautet der italienische Name der Apple-eigenen Entwicklung Gianduia. Es soll als Basis für Online-Programme für Privatkunden dienen, sogenannte Rich Internet Applications. Nicht, dass diese Art Technologie besonders neu oder originell wäre - mit Flash, Silverlight und Java tummeln sich genügend Alternativen im Markt. Aber vor allem dem im Hause Apple extrem unbeliebten Flash soll eine weitere Breitseite verpasst werden. Denn mit Gianduia, das bereits bei einer ganzen Reihe von Programmen eingesetzt wird, käme Apple endgültig von der Verwendung proprietärer Plug-Ins wie eben Flash weg, wie "AppleInsider" anmerkt. Apples iPhone, iPod und iPad müssen schon jetzt ohne Flash auskommen - nun will der Konzern sich eine Technologie basteln, die Adobes Produkt endgültig überflüssig machen soll.

Gianduia setze unter anderem HTML5, JavaScript, CoreData und WebObject voraus, die aber den aktuellen Stand der Technik markieren. Was für die meisten Surfer bedeuten würde, dass auch ausgetüftelte Web-Apps ohne die Installation eines entsprechenden Plug-ins möglich sind.

Adobe bemüht sich unterdessen redlich, auch Apple-Nutzer glücklich zu machen: Die neue Beta-Version von Flash soll gerade auf Macs viel besser laufen als der Vorgänger, weil sie auf die Grafikkarte als Co-Prozessor zurückgreift.

Sky wegen Schmuddelfilmchen im Visier der Jugendschützer

Eigentlich lässt der Anspruch des Pay-TV-Senders Sky erwarten, im Programm vor allem Sportereignisse und Spielfilme zu Gesicht zu bekommen. Doch bereits vor der quotenschwachen Nachtzeit werden dem Zuschauer nicht etwa nur Jungs beim Balltreten geboten, sondern auch Schmuddelfilmchen. Die Räkelstreifen mit leicht bis gar nicht bekleideten Damen haben nun einen Anbieter von Alterskontrollsystemen auf den Plan gerufen. Der Unternehmer erwirkte einer Pressemitteilung zufolge beim Landgericht Duisburg eine einstweilige Verfügung, die Sky verbietet, vor 22 Uhr Action- oder Erotikfilme zu zeigen, die eine Altersfreigabe erst ab 16 oder 18 Jahren haben. Die existierende Jugendschutz-PIN könne von Minderjährigen leicht ausgerechnet werden, entsprechende Anweisungen ließen sich im Internet schnell finden. Der möglicherweise angezielte Reklameeffekt für die klagende Resisto IT könnte für das Unternehmen allerdings teuer werden. Es hat nun einen Monat Zeit, den Beschluss an Sky zuzustellen. Im Falle einer juristischen Niederlage müsste Resisto jedoch wirtschaftliche Schäden ersetzen, die Sky aufgrund der Verfügung entstanden sind.

Resisto-Geschäftsführer Tobias Huch, bekannt als Mann mit einem starken Drang zur öffentlichen Auseinandersetzung, interpretiert den Gerichtsbeschluss nicht zuletzt als Ohrfeige für die Kommission für Jugendmedienschutz, die für Jugendschutz in sogenannten Telemedien wie dem Fernsehen zuständig ist. Deren "Inkompetenz in Jugendschutzfragen" werde durch die einstweilige Verfügung deutlich gemacht. Die KJM beziehe "einzigartige Extrempositionen, beispielsweise bei der Bewertung von Altersverifikationssystemen und Jugendschutzprogrammen", reagiere aber "bei groben Jugendschutzverstößen bekannter Anbieter nicht oder zu spät".

Für Obama sind iPhone, iPad & Co. nur Zeitvertreib

In einer Rede über Bildungspolitik hat US-Präsident Obama während der Abschlussfeier an der Hampton University in Virginia vor der Oberflächlichkeit gewarnt, die durch Gadget-Gebrauch erzeugt werde. "Sie wachsen in einer Rund-um-die-Uhr-Mediengesellschaft auf, die uns mit allen möglichen Arten von Inhalten bombardiert und uns allen möglichen Arten von Argumenten aussetzt, von denen nicht alle besonders wahrhaftig sind", so der Präsident an die Studenten gewandt. Mit Geräten wie iPods, iPads, Xboxen, Playstations und sonstigen Konsolen verkomme "Information zu Ablenkung und Zerstreuung, einer Form von Unterhaltung, anstatt zu Verantwortung und Emanzipation zu führen", sagte Obama. "Das alles setzt nicht nur Sie neuem Druck aus, sondern auch unser Land und unsere Demokratie."

200 Leute verwalten Hugo Chávez' Twitter-Account

Auch ein anderer Landeschef auf dem amerikanischen Kontinent macht online von sich reden. Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist Ende April unter die Twitterer gegangen und verfügt bereits über die stattliche Zahl von über einer Viertelmillion Followern. Hatte er Twitter noch unlängst als "Instrument des Terrors" gegeißelt, wird von seinem Account aus inzwischen fleißig getwittert. Dutzende Tweets werden jede Stunde abgesetzt. In nur zwei Wochen kamen auf diese Weise mehr als 50.000 Meldungen zusammen. Ein strammes Pensum, selbst für den in Radio und TV omnipräsenten Medienprofi, der sich wie sein Vorbild Castro gern in mehrere Stunden währenden Reden an sein Volk wendet. Doch wie es sich für einen Chef gehört, muss er seine Online-Arbeit nicht allein erledigen, dazu hat er einen ganzen Stab von Mitarbeitern. An die 200 Helfer wurden gerade erst eingestellt, um das vermeintliche Präsidenten-Gezwitscher tausendfältig in die Webgemeinde zu tragen. Mit dem Erfolg kam endgültig der präsidiale Sinneswandel, was die Beurteilung des Mikrobloggingdienstes angeht: Twitter sei "ebenfalls eine Waffe, die von der Revolution genutzt werden muss", lautet die aktuelle Sprachregelung.

Google ersetzt O3D durch WebGL

Suchmaschinist Google nimmt einige Änderungen bei der verwendeten 3-D-Technik vor. Das erst vor einem Jahr vorgestellte O3D wird eingestellt, das Browser-Plug-in soll aber immerhin noch für ein weiteres Jahr zum Download zur Verfügung stehen. Anstelle dessen setzen die Entwickler in Mountain View auf WebGL und übernehmen damit den zuvor von Mozilla unter dem Namen OpenGL ES 2.0 entwickelten Standard. Um keine Kompatibilitätsprobleme zu schaffen, lässt Google O3D zugunsten von WebGL fallen. An dem Projekt sind außerdem auch noch AMD, Ericcsson, Nvidia und Opera beteiligt, wie "Heise" meldet. Die Schnittstelle soll 3-D-Darstellungen auf Web-Seiten dienen.

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