Netzwelt-Ticker: Apple erwägt Erotik-Ecke für iTunes

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Apple hat ein Problem mit nackter Haut - und experimentiert mit einer eigenen Sex-Abteilung für iTunes. Außerdem: Erpressungsklage gegen Yelp, Microsoft lässt Whistleblower-Seite vom Netz nehmen und Hausdurchsuchung wegen Surfen im offenen W-Lan.

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iPhone Apps: Das Bikini-Problem
Für einen kurzen Moment hatte Apples Online-Software-Laden iTunes eine eigene Schmuddelecke: Entwickler konnten ihren iTunes-Programmen ein paar Stunden lang das Stichwort "Explicit" anheften - was auf sexuelle Inhalte hindeutet. Dann nahm Apple die Kategorie wieder zurück - für immer? Ein Apple-Sprecher bestätigte Gizmodo, dass man tatsächlich über eine Explicit-Kategorie nachdenke. Doch sei in nächster Zeit nicht mit der Einführung zu rechnen.

Eine Rotlicht-Kategorie für iTunes wäre eine kleine Revolution für den Computerhersteller. Bisher beugt sich das Unternehmen der verbreiteten Prüderie seines Standorts und reagiert allergisch auf Haut. Zeigt eine App für das iPhone oder den iPod touch zu viel davon, fliegt es aus dem iTunes-Store. Das musste auch schon der Springer-Verlag erfahren, dessen entblößtes "Bild"-Girl die Tugendwächter auf den Plan rief.

Spätestens jetzt sorgen sich Verlage um Apples App-Hoheit und warnen vor dem Vertriebsmonopol.

Erpressungsvorwürfe gegen Empfehlungsseite Yelp

Echte Rezensionen von echten Menschen, damit warb Yelp, ein Art US-Qype, für sein Online-Empfehlungsangebot. Doch das Vertrauen in die angeblich unkäuflichen und authentischen Ausgeh- und Einkaufstipps hat gelitten: Werbekunden, so heißt es in einer in den USA vielbeachteten Klage gegen das Unternehmen, konnten schlechte Rezensionen gegen Gebühr löschen lassen. Einem Tierarzt aus Kalifornien bot Yelp an, allzu kritische Kommentare über ihn zu löschen - für 299 Dollar. Nur zum Schein ging er darauf ein. Denn was ihm da als Werbevertrag angeboten wurde, sei in Wirklichkeit das Ausnutzen seiner kritischen Situation gewesen, heißt es in der Klage. Also nichts weiter als Erpressung.

Yelp hat spätestens jetzt ein Imageproblem. Schon letztes Jahr machten Berichte der Yelp-Masche die Runde, schon damals hieß es, etwa beim "East Bay Express": Das ist eigentlich Erpressung 2.0. Von aufdringlichen Anrufen des Unternehmens ist da die Rede: Du hast 300 Besucher auf deinem Profil, einige gute Erfahrungen gemacht - aber auch einige schlechte Bewertungen bekommen. Dagegen können wir etwas tun.

Web-Angebote wie Qype, Yelp, Ciao und Amazon leben von Leserkommentaren, die ein Web-Angebot, ein Produkt, eine Ausgehstätte authentisch bewerten. Längst verschmutzen von Agenturen eingekaufte Bewerter die Produktseiten. Sollte sich herausstellen, dass auch die Web-Angebote, verzweifelt auf der Suche nach mehr Geld, die Bewertungen manipulieren, bedeutet das einen erheblichen Misstrauensfall - und eine Chance für Unternehmen, die so einer Manipulation öffentlich abschwören.

Microsoft lässt Cryptome.org vom Netz nehmen

Um die Veröffentlichung eines peinlichen Dokuments zu unterbinden, hat Microsoft das Whistleblower-Archiv Cryptome.org mit einer Abmahnung vom Netz nehmen lassen. Cryptome veröffentlichte ein 22-seitiges Dokument, in dem Microsoft die Richtlinien des Konzerns zum Umgang mit Polizeianfragen an seine Online-Dienste beschreibt, heißt es bei der ORF-Sendung "Futurezone". Aus dem Dokument geht im Grunde hervor, wie Microsoft reagiert, wenn Strafverfolger Nutzerdaten haben wollen - für findige Netznutzer ist es außerdem eine Anleitung, wie man Microsoft-Web-Dienste möglichst sicher nutzen kann.

Offizieller Grund für die Abmahnung sind angebliche Urheberrechtsverletzungen, der Cryptome-Provider folgte der Microsoft-Aufforderung und nahm die Website aus dem Netz, bis der Rechtsstreit beigelegt ist. Derweil lagert Cryptome aber auf einer Ersatzdomain.

Cryptome ist eine der ältesten Whistleblower-Websites, wurde 1996 von den US-Bürgern John Young und Deborah Natsios ins Leben gerufen. Cryptome veröffentlichte über 40.000 Dokumente, darunter "unerwünschte" Fotos von im Irak getöteten US-Soldaten, angebliche Agentenlisten des MI6 und zahllose Fotos von halbgeheimen Regierungs- und Militäranlagen.

Recognizr: Gesichtserkennung für unterwegs

Apropos Überwachung: "Technology Review" berichtet von dem gruseligen Stalker-Programm einer schwedischen Software-Firma. Der "Recognizr" vergleicht anhand einer Gesichtserkennung Bilder, die mit einer Handy-Kamera aufgenommen wurden, mit Bildern von sozialen Netzwerken, um der fotografierten Nase einen Namen zuordnen zu können. Bislang gibt es die Software nur als Prototypen, der auf Android-Handys mit einer 5-Megapixel-Kamera funktioniert. Wer einen Tischnachbarn mit dem "Recognizr" fotografiert, bekommt - falls die Gesichtserkennung funktioniert und der Tischnachbar in sozialen Netzwerken aktiv ist - dessen Facebook- und Twitterprofil zugeschickt.

Offenes W-Lan: Hausdurchsuchung wegen Surfen im Auto

Weil ein Mann mit seinem Laptop auf ein offenes W-Lan Zugriff, veranlasste das Amtsgericht Traunstein (Bayern) eine Wohnungs- und Fahrzeugdurchsuchung des angeblichen Schwarz-Surfers. Dabei wurde dessen Laptop beschlagnahmt. Der Mann saß mit seinem Laptop in seinem Auto und hatte zwei zufällig vorbeikommenden Polizisten erklären müssen, was er da tue. Als er bei einer Ladung zur Vernehmung durch die Polizei nicht aussagte, folgten Durchsuchung und Beschlagnahmung, schreibt das Schwarz-Surfen-Blog, das sich mit dem Problem der offenen W-Lans befasst. Dort heißt es: Seitdem das Amtsgericht Wuppertal Anfang 2008 erklärt hat, dass die Nutzung ungesicherter fremder Funknetze eine Straftat (nach §89 TKG) darstellt, sind Nutzer und Juristen in Aufruhr.

Download-Tipp: Opera 10.5 Betaversion

Ganz Internet ist unterteilt in drei Browser: Microsofts Internet Explorer, Mozillas Firefox und etwas kleiner: Googles Chrome. Doch Underdog Opera (Browser-Marktanteil: zwei Prozent) hat heute eine fast ausgereifte neue Version von Opera 10.5 für Windows (und in einer frühen Version für OSX) freigegeben. Und die ist so schnell, praktisch und sicher, dass sich jeder Surfer einen Umstieg überlegen sollte. Opera vereint die Vielfältigkeit des Firefox mit der Schnelligkeit Chromes. Es hat ein eingebautes E-Mail-Modul, das für jeden normalen E-Mailer gut ausreicht und kann selbst von Laien zu einer Medienzentrale erweitert werden(" Opera Unite"). Derartig ausgerüstet, erscheint Opera als beste Browser-Alternative - und als leichtfüßiger Ersatz aller klobigen E-Mail-Programme.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
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1. Fast ohne Worte ...
Hipster 25.02.2010
Zitat von sysopApple hat ein Problem .......
Steve Jobs hatte neulich Geburtstag. So viel, wie hier Werbung für Apple gemacht wird, hätte ich eigentlich erwartet, daß der SPIEGEL eine mindestens 300-seitige Sonderausgabe über dieses Ereignis rausbringt ... P.S. Was macht eigentlich Second Life? Und wo ist dieser lustige SPON-Krisenticker abgeblieben??
2. Guten Morgen
titeroy 25.02.2010
Zitat Artikel: "Spätestens jetzt sorgen sich Verlage um Apples App-Hoheit und warnen vor dem Vertriebsmonopol." Herzallerliebst. Jetzt erst? Apple faehrt diesbezueglich seit Jahren eine sehr fragwuerdige Politik. Ob man nackte Haut auf dem Handy braucht oder nicht, ist dabei nicht die Frage. Immerhin kann man via Internet genuegend Sexseiten erreichen ... Aber jetzt merken ploetzlich einige wenige, wie restriktiv Apple seine Nutzer und auch die Programmierer der Apps gaengelt. Bleibt zu hoffen, dass sich andere Plattformen offener geben und den freien(?) Markt entscheiden lassen.
3. øπ
peterbruells 25.02.2010
Zitat von titeroyZitat Artikel: "Spätestens jetzt sorgen sich Verlage um Apples App-Hoheit und warnen vor dem Vertriebsmonopol." Herzallerliebst. Jetzt erst? Apple faehrt diesbezueglich seit Jahren eine sehr fragwuerdige Politik.
Nu ja, bis vor kurzem hatten sie ja praktisch keine Inhaltsverkäfe im AppStore. Anderer Plattform geben sich offener und der freie Markt entscheidet. Palm hat eine Gewinnerwartungen deutlich reduziert und die Aktie fiel um 20%,
4. Apple zeigt gerade seine hässliche und diktatorische Fratze
yato 26.02.2010
Und auch Europa soll nun die in USA übliche Zensur spüren. Eine Riesenchance für Nokia & Co und Android. Denn nie war das iPhone so hässlich wie jetzt. Wer will schon ein Zensurgerät in der Tasche haben. Da komm ich mir ja vor wie ein 14 jähriger dem der scheinheilge Papa die Bravo verbietet. Wer das mit mir als Erwachsenen macht, der hat keinen Cent mehr von mir zu erwarten, jemand der mich bevormundet ist mein Feind. Die Torte ins Gesicht von Steve Jobs ist überfällig!
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Zum Autor
Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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