Netzwelt-Ticker Apple klagt gegen deutsche Samsung-Handys

Apple will 15 Samsung-Geräte aus deutschen Geschäften verbannen lassen. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Sabotage bei Open Street Map, Widerstand gegen Smartmeter in Großbritannien und tolle Kunst mit Googles umgekehrter Bildersuche.

Von

SPIEGEL ONLINE

Der kalifornische Apple-Konzern lässt nicht locker. Vor dem Landgericht Düsseldorf hat das Unternehmen erneut mehrere Klagen gegen seinen Konkurrenten und Zulieferer Samsung eingereicht. In einer der Klagen wendet sich der iPhone-Hersteller gegen insgesamt zehn Samsung-Smartphones, darunter die Modelle Galaxy S Plus und Galaxy S II. Ein zweites Verfahren ist gegen fünf Samsung-Tablet-Computer gerichtet, darunter auch das Galaxy Tab 10.1.N, berichtet Bloomberg. In beiden Fällen will Apple Verkaufsverbote für die fraglichen Geräte erwirken (Aktenzeichen 14c O 293/11 und 14c O 294/11).

Monatelang hatte der Konzern den Verkauf von Samsungs Galaxy Tab 10.1 in Deutschland mit einer Einstweiligen Verfügung verhindert. Das Gericht hatte Apples Argument stattgegeben, das Samsung-Tablet würde dem iPad 2 zu ähnlich sehen und deshalb Apples Geschmacksmuster verletzten. Als Reaktion auf das Urteil hatte Samsung das leicht modifizierte Galaxy Tab 10.1N entwickelt, das in einigen Details optisch vom Modell ohne "N" im Titel abweicht.

Zwischen den beiden Unternehmen tobt ein erbitterter Schlagabtausch vor Gericht, seit Apple in einigen Ländern gegen seinen vermutlich wichtigsten Zulieferer von Halbleiterbausteinen klagt. Neben den Verfahren in Deutschland beharken sich Apple und Samsung unter anderem in den Niederlanden und Australien. In Australien hatte der High Court, die höchste Berufungsinstanz des Landes, gegen Apple entschieden. In den Niederlanden und Südkorea ist Samsung mit Versuchen gescheitert, Verkaufsverbote gegen iPhone und iPad zu erwirken. (mak)

Einige Macher von Open Street Map kritisieren Google

Die Entwickler des Mitmach-Kartendienstes Open Street Map (OSM) wollen einen systematischen Vandalismus (also: Sabotage) an ihren kollaborativ erstellten Weltkarten erkannt haben. Angebliche Quelle: IP-Adressen in Indien, von denen aus auch der afrikanische Google-Konkurrent Mocality angegriffen worden sein soll.

Zwei OSM-Nutzerkonten, die dem IP-Adressbereich von Google zugeordnet werden können, haben "OSM-Daten gelöscht, bewegt oder missbraucht, unter anderem mit subtilen Änderungen wie der Richtung von Einbahnstraßen." Die OSM-Verantwortlichen haben Google nicht mit den Vorwürfen konfrontiert. Von SPIEGEL ONLINE auf die Vorwürfe angesprochen, erklärt das Unternehmen nur, dass man von den Beschuldigungen wisse und darauf reagieren werde, sobald mehr Informationen vorlägen.

Die Beschuldigungen sind unter OSM-Aktivisten umstritten, in einem Kommentar zu dem Eintrag kritisiert OSM-Systemadministrator Tom Hughes das Vorgehen als "unangemessen und unverantwortlich", man wisse zu wenig, um derartige Anschuldigungen veröffentlichen zu können.

So ganz mag OSM aber nicht an einen offiziell Google-Vandalismus glauben: Open Street Map hat nach eigenen Angaben bereits Spenden und Programmier-Hilfe von Google erhalten.

UK: Forderung nach Smartmeter-Aus

Die Kritik an der bis 2019 geplanten Installation von 53 Millionen "intelligenten" Gas- und Elektrizitätszählern in britischen Haushalten wird heftiger. Jetzt hat das britische "Which?"-Verbrauchermagazin vorgerechnet, wie sich das 11-Milliarden-Pfund-Vorhaben (umgerechnet etwa 13 Milliarden Euro) jemals rechnen soll: nämlich nur über erheblich steigende Energierechnungen der Verbraucher. Eine Einschätzung, die auch das National Audit Office teilt und auch in anderen Ländern immer wieder vorgebracht wird.

Neben der drohenden Kostenexplosion kritisiert "Which?" die Pläne auch wegen möglicher Probleme bei Daten- und Produktsicherheit der Smartmeter. Dass die Technik Firmen helfen könnten, Verhaltensprofile ihrer Kunden zu erstellen und Hackern sie als Sabotagewerkzeug nutzen könnten, ist lange klar. Erst neulich knackten Bastler deutsche Smartmeter. Im Grunde, so "The Register" weiter, seien die Smartmeter eine Ausschaltknopf der Energieanbieter - die per gelegentlicher Fernabschaltung privater Stromverbraucher die Belastung der Stromnetze drosseln wollen.

Der "Which?"-Bericht jedenfalls scheint schon Folgen zu haben. Laut "The Register" schlossen sich britische Parlamentarier der Kritik an, das Public Accounts Committee des britischen Parlaments wird die Smartmeter-Pläne wohl bei einer Anhörung Ende der Woche heftig kritisieren.

Höhere Verbrauchskosten durch intelligente Stromzähler würden wohl auch deutsche Stromkunden tragen müssen. Laut einer Berechnung würde die Installation eines Smartmeters einmalig zwischen 35 und 100 Euro und jährlich zwischen 60 und 240 Euro kosten - bei Einsparungen von 9 bis 42 Euro.

Videodienstag: Bildersuche-Rückwärts

Googles Bildersuche erlaubt die Suche nach Bildern anhand eines Vorgabebilds. Der Berliner Medienkünstler Sebastian Schmieg hat sich das für eine interessantes Videoprojekt zunutze gemacht: Ausgehend von einem "transparenten" Bild schickte er Googles Bildsuche auf Reisen; 2951 Bilder lang Stöckchen auf Hölzchen. Aber die Reise hat eine algorithmisch vorgegebene Richtung: Aus dem All hinunter zum Menschen hinüber in die abstrakte Ebene der Gedanken und Statistik. Und das alles aus einem Bild das nur eines zeigt: Nichts.

Was am Dienstag sonst noch in der Netzwelt wichtig war

  • Das Filesharing-Verzeichnis The Pirate Bay macht jetzt auf Promo-Plattform: Künstler sollen ihre digitalisierten Werke dort feilbieten und zum Download freistellen können. Das Hypebot-Blog fragt seine Musikanten-Leser: Würdet ihr gerne auf der Startseite der Pirate Bay angepriesen werden?
  • Facebook, Google und 19 weitere Firmen sollen indische Zensurwünsche erfüllen. Die beiden Internetgrößen wehren sich nun vor dem indischen High Court in Delphi - nachdem die indische Regierung dort einen Prozess gegen sie ins Laufen brachte. Die Verteidigung: Wir können Inhalte einfach gar nicht so filtern, wie es die Regierung will.
  • IBM, so die etwas bildliche Darstellung auf Wired.com, hat den E-Mail-losen Mann zur Welt gebracht: Luis Sanchez, der seit 2008 nur chatten und nur im Notfall noch Mails beantworten will.
  • Die Open-Source-Szene hat ein Sexismus-Problem, das nur durch Aufklärung und Ermächtigung überwunden werden kann - das jedenfalls hat die Ada Initiative vor, der Techworld ein interessantes Porträt widmet.
  • Intel ist mit dem neuen Kabelstandard Thunderbolt vorgeprescht, der etwa Apple-Bildschirme an Apple-Computer verbinden soll. AMD zieht nun nach und reißt mit einer unwahrscheinlich cleveren Namensgebung die Initiative wieder an sich - oder auch nicht: Der AMD-Anschluss heißt tatsächlich Lightning Bolt.

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Graphite 17.01.2012
1. Apple gegen den rest der Welt
und schon wieder so ein Apple-Advokatendingens. so langsam kanns doch kener mehr hören und Apple macht sich Imao dadurch unseriös und lächerlich!
asandopottale 17.01.2012
2. Hyperlinks sind klasse
Zitat von sysopApple gibt sich nicht mit Kleinkram ab, will 15 Samsung-Geräte aus deutschen Geschäften verbannen lassen. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Sabotage bei Open Street Map, Widerstand gegen Smartmeter in Großbritannien*und tolle Kunst mit Googles umgekehrter Bildersuche. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,809577,00.html
Der neueste Trend im Internet heisst "Hyperlink" ;) Hier der ergonomisch anklickbare Hyperlink zu den besagten Videos: Search by Image - Sebastian Schmieg (http://www.sebastianschmieg.com/searchbyimage/)
Quarz 17.01.2012
3. Apple...
...hat was von einer Sekte! Noch ein Grund, nie ein Produkt von denen zu kaufen.
KnokeF 17.01.2012
4. Hyperlink
Zitat von asandopottaleDer neueste Trend im Internet heisst "Hyperlink" ;) Hier der ergonomisch anklickbare Hyperlink zu den besagten Videos: Search by Image - Sebastian Schmieg (http://www.sebastianschmieg.com/searchbyimage/)
Vielleicht können Sie mir das mal in aller Ruhe erklären mit diesen Hyperlinks (ich stell mir das wie eine Abkürzung vor, ein Loch im Buch). Aber ich habe das mal an erheblich erfahrenere Leute weitergegeben.
7eggert 17.01.2012
5. Erklärbär
Zitat von KnokeFVielleicht können Sie mir das mal in aller Ruhe erklären mit diesen Hyperlinks (ich stell mir das wie eine Abkürzung vor, ein Loch im Buch). Aber ich habe das mal an erheblich erfahrenere Leute weitergegeben.
Hyperlinks sind Verknüpfungen in Hypertext. Hypertext ist Text mit Formatierungen, etc. und ... Hyperlinks. Er wird oft nicht einfach Link genannt, damit man weiß, daß es nicht um Zelda (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Legend_of_Zelda) geht. Gemeint war vermutlich, daß SPON den angegebenen (Hyper-)Link hätte setzen sollen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.