Netzwelt-Ticker Apple mit Blähungen?

Als weltweit erster Sender beginnt der britische Channel 4 damit, sein Programm live über das Internet zu versenden. Außerdem im Überblick: Torrentspy enttarnt Spion, die Franzosen verscheuchen iTunes nicht, Apples MacBooks haben Blähungen, Google scheffelt Geld auf neuen Wegen und mehr.

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iTunes in Frankreich: darf bleiben

Benutzer des iPod und Nutzer von iTunes in Frankreich können aufatmen: Der kultige mp3-Dudler wird jenseits des Rheins auch weiter käuflich sein, der Shop bleibt offen, berichtet die "Business Week". Das sah zwischenzeitlich ganz anders aus, gab es doch noch im März Pläne, den iPod-Hersteller Apple zu zwingen, seine Kopierschutz-Technologie mit anderen Firmen zu teilen. Das hätte das Ende der exklusiven Dateiformate bedeutet, mit denen Anbieter wie Apple oder Sony illegale Kopien verhindern wollen. Analysten rechneten daraufhin mit der baldigen Schließung von Apples iTunes-Stores in Frankreich.

Das so genannte "iTunes-Gesetz" wird nun lediglich in einer abgeschwächten Form auf den Weg gebracht. Französische Parlamentsabgeordnete einigten sich gestern auf einen Entwurf, der sich immer noch die Stärkung des Wettbewerbs auf die Fahnen schreibt. Zwar sollen Kunden nun die Wahlmöglichkeit haben, in welchem Dateiformat/Abspielgerät sie ihre Musik hören, aber die Musikanbieter können das auf einfache Weise umgehen: sie müssen nur neue Verträge mit den Künstlern und der Musikindustrie schließen.

Noch einmal Apple: Der Akku bläht

Apples MacBook Pro: Bläht da was?
REUTERS

Apples MacBook Pro: Bläht da was?

Woanders scheint es für Apple hingegen nicht ganz so gut auszusehen: Kaum hat Apple zu Beginn des Jahres mit dem MacBook Pro die erste Frucht der neuen Ehe mit Intel vorgestellt, gibt es erste Probleme. Mittlerweile häufen sich Berichte, nach denen sich die Lithium-Akkus häufig überhitzen und aufblähen. Mit der unschönen Folge von Fehlfunktionen des Trackpads bis hin zu Abstürzen.

In einem Fall habe sich sogar das Gehäuse selbst verformt. In einschlägigen Foren geht man nun der Frage nach, ob das noch zum normalen Verhalten von Apple Notebooks gehört, die bekannt dafür sind, nach längerer Verwendung recht warm zu werden oder ob möglicherweise die Ursache in einer Charge fehlerhafter Akkus zu suchen ist. Für letzteres spricht, dass das Phänomen bisher nur bei MacBook-Nutzern in den USA vorzukommen scheint, wohingegen z.B. Apple Australia "nicht eine einzige Beschwerde hatte".

Channel 4: Live über das Web

Ab dem 27. Juni wird der britische TV-Kanal Channel 4 sein Programm auch gleichzeitig per online-Stream anbieten, ohne dass für User eine Registrierung oder gar Kosten fällig werden. Allerdings mit der Einschränkung auf "originale Channel 4-Inhalte", dazu gekaufte Serienformate wie "Lost" oder "Desperate Housewives" sind zunächst von dem Angebot ausgeschlossen. Man sei aber bereits dabei, mit den entsprechenden US-Studios zu verhandeln.

Damit gehen die Privatfunker einen Schritt weiter als die Kollegen der BBC, die ausgewählte Sendungen bis eine Woche nach Ausstrahlung zum Download anbietet. Channel 4-Chef Andy Duncan sieht in seiner "Now Media-Strategie" keinen Angriff auf die traditionelle TV-Industrie, schließlich habe auch die Einführung der Videorecorder nicht das Ende der Fernsehsender mit sich gebracht. In der Tat wirkt das neue Angebot für die Konkurrenz so lange nicht sonderlich bedrohlich, wie den Broadcastern während der Ausstrahlung von "Lost" und Co nichts anderes übrig bleibt, als online ein Testbild zu zeigen.

Die Spys enttarnen Spion

Vor einem Monat verklagte der Torrent-Suchdienst Torrentspy den Interessenverband der amerikanischen Filmindustrie MPAA, dieser hätte zu Spionagezwecken einen Hacker auf die Tprrent-Suchmaschine angesetzt. Nun präsentierte Valence Media, die Torrentspy-Muttergesellschaft, den Namen und die Aussage des mutmaßlichen Hackers, der von der MPAA 15.000 Dollar kassiert haben soll: "Ich nahm Kontakt (zur MPAA) auf und bot an, Informationen über (den Torrentspy-Gründer) Justin Bunnell und Torrentspy zu liefern", so die von einem Robert Anderson unterzeichnete Aussage, der sich an anderer Stelle selbst als "Hacker" bezeichnet.

Damit ist im Kampf um Raubkopien eine neue Runde eingeläutet. Hatte die MPAA zuvor Klage wegen Beihilfe zum Datenklau erhoben, setzte sich Torrentspy im Gegenzug mit dem Vorwurf zur Wehr, die dieser Klage zugrunde liegenden Daten seien den Lobbyisten auf unrechtmäßige Weise, eben durch den besagten Hacker, zugänglich gemacht worden. In den nun von Valence Media vorgelegten Dokumenten findet sich ein Hinweis eines MPAA-Verantwortlichen an den Kanadier Anderson über die Art der Recherche: "Es ist uns egal, wie Sie das beschaffen."

Google: Provisionsgeschäfte

Google verfeinert sein Reklameinstrument Google AdSense. Wie C-Net News berichtet, sollen Anzeigenkunden künftig nicht mehr für jeden Klick auf ihre Anzeigen zahlen, sondern nur für erfolgreich abgewickelte Geschäfte. Nach dem "Cost per action"-System wird die Anzeigengebühr für den Händler nur dann fällig, wenn nach dem Anklicken der Anzeige auch ein Produktkauf erfolgt. Anzeigenkunden sollen bei Erstellung ihrer Werbung zukünftig zwischen dem bisherigen und dem neuen Modell wählen können.

Kommerz? Kann Kunst sein!

Die Million-Dollar-Hompage des britischen Studenten Alex Tew inspirierte im letzten Jahr eine Legion Trittbrettfahrer, deren finanzieller Erfolg aber zumeist recht mager blieb. Nun lässt ausgerechnet das Sandberg Institut, eine Amsterdamer Kunstakademie, das Konzept wieder aufleben. Wie Tew die Seite einer Homepage Pixel für Pixel für Werbezwecke verkaufte, so veräußert nun das Sandberg Institut seine Gebäudefassade Kachel für Kachel. Natürlich ist das keine billige Imitation der ursprünglichen Idee, sondern, geadelt durch den Kunstvorbehalt, eine "Arbeit zwischen kommerzieller und kritischer Kunst".

Wir aber warten unterdessen ungeduldig auf den ersten Menschen, der seine Haut quadratzentimeterweise als Reklamefläche verkauft, immerhin stehen durchschnittlich zwei Quadratmeter zur Verfügung.

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